Fernstudium Industriefachwirt

Industrieunternehmen, die sich erfolgreich am Markt etablieren und behaupten wollen, benötigen nicht nur eine gute und innovative Produktion, sondern auch eine effektive Organisation. Insbesondere in mittleren und höheren Führungspositionen sind sie daher auf Menschen angewiesen, die fähig sind, Geschäftsprozesse in Einkauf, Produktion, Vertrieb und Marketing sowie in der Personalentwicklung und im Finanz- und Rechnungswesen von Industriebetrieben optimal zu steuern und zu kontrollieren. Nicht-akademische Fernstudiengänge zum/zur Industriefachwirt/in richten sich im Speziellen an Personen, die bereits einige Jahre Berufserfahrung in der freien Industrie gesammelt haben und einen beruflichen Aufstieg anstreben.

Berufsaussichten als Industriefachwirt/in

Da jedes Wirtschaftsunternehmen auf betriebswirtschaftliches Wissen angewiesen ist, eröffnen sich für frischgebackene Industriefachwirte und Industriefachwirtinnen beste berufliche Perspektiven. Als Praktiker kennen sie die speziellen Mechanismen und Abläufe in Industriebetrieben und verfügen damit über ein Profil, das für alle Branchen interessant ist. Gerade in der mittleren Führungsebene wird zunehmend hochqualifiziertes Personal benötigt, gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge überblicken, Führungsverantwortung übernehmen und die wachsenden Anforderungen in Unternehmen der Industrie umsetzen kann. Ein vielversprechendes Betätigungsfeld ergibt sich für Absolventen und Absolventinnen einer Weiterbildung zum/zur Industriefachwirt/in in mittelständischen Betrieben, die vornehmlich auf Nicht-Akademiker setzen, während große DAX-Konzerne für gewöhnlich Kandidaten und Kandidatinnen mit Hochschulabschluss bevorzugen.

Gehalt

Mehr Verantwortung ist in der Regel auch mit einem höheren Gehalt verbunden. Daher winkt mit einer Weiterbildung zum/zur Industriefachwirt/in oftmals eine deutliche Einkommenssteigerung. Das Einstiegsgehalt wird mit rund 20.000 bis 35.000 Euro pro Jahr beziffert. Mit wachsender Berufserfahrung sind allerdings noch erhebliche Steigerungen möglich. Spitzenverdiener kommen auf bis zu 70.000 Euro brutto jährlich.

Berufsbild und Arbeitsgestaltung

Industriefachwirte und -fachwirtinnen übernehmen vielfältige Aufgaben in Industriebetrieben. Die konkreten Tätigkeitsfelder hängen vom jeweiligen Zuständigkeitsbereich ab. Sind sie im Sektor Wareneinkauf und -disposition beschäftigt, holen sie Angebote ein, vergleichen diese, verhandeln mit Lieferanten und geben Bestellungen auf. Außerdem stellen sie die sachgerechte Annahme und Lagerung eingehender Warenlieferungen sicher. In der Produktionsleitung konzipieren, koordinieren und beaufsichtigen sie Produktionsprozesse, legen Fertigungs- und Arbeitsabläufe fest und wickeln Produktionsaufträge ab. Die Einhaltung von Mengen-, Qualitäts- und Terminvorgaben fällt ebenfalls in ihr Aufgabenfeld.

Im Personalwesen planen und koordinieren Industriefachwirte und Industriefachwirtinnen den Personaleinsatz und den Personalbedarf, erledigen Lohn- und Gehaltsabrechnungen. Darüber hinaus obliegt ihnen die Planung und Organisation von Aus- und Weiterbildungen. Arbeiten sie im Ressort Vertrieb und Marketing realisieren sie Werbe- und Marketingmaßnahmen, sind für die Kundenakquise zuständig und führen Verkaufsverhandlungen mit Abnehmern. Ein weiterer Aufgabenbereich ist das Finanz- und Rechnungswesen. In diesem Fachbereich gehören das Durchführen von Kostenrechnungen, das Buchen von Geschäftsvorgängen, das Ermitteln des Finanzbedarfs und das Anwenden von Controlling-Instrumenten zum Tätigkeitsfeld.

Dieser Beruf bedeutet überwiegend Schreibtischarbeit. Zum Teil arbeiten Industriefachwirte und -fachwirtinnen aber auch in Lager- oder Produktionshallen, wo sie beispielsweise Rohstoffe oder fertige Erzeugnisse kontrollieren. Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein sind für dieses Metier ebenso unerlässlich wie Serviceorientiertheit, Kommunikationsstärke und Verhandlungsgeschick.

Inhalte und Ablauf des Fernlehrgangs

Bei einem wöchentlichen Lernaufwand dauert das nicht-akademische Fernstudium zum/zur Industriefachwirt/in circa 18 Monate. Wer es in Vollzeit absolviert, benötigt je nach Bildungseinrichtung nur rund drei Monate. Die bundesweit einheitlich geregelte Weiterbildung vermittelt neben volks- und betriebswirtschaftlichen Grundlagen wie betriebliche Funktionen und deren Zusammenwirken oder Existenzgründung und Unternehmensformen auch Kenntnisse in den Bereichen Rechnungswesen, Recht und Steuern sowie Unternehmensführung. Darüber hinaus erwerben die Teilnehmer/innen handlungsspezifische Qualifikationen in den Sparten Finanzwirtschaft in Industrieunternehmen, Produktionsprozesse, Marketing und Vertrieb Führung und Zusammenarbeit sowie Wissens- und Transfermanagement in Industrieunternehmen.

Gelernt wird vorrangig anhand von Studienbriefen, welche die Teilnehmer/innen per Post erhalten oder über einen Online-Campus digital abrufen können. Selbsttests und Einsendeaufgaben dienen dazu, den Lernfortschritt zu kontrollieren. Zum Lehrplan gehören außerdem Präsenztermine zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Diese finden meist am Wochenende am Standort des jeweiligen Anbieters oder an einem dazugehörigen Studienzentrum statt. Zusätzlich zur institutsinternen Prüfung haben die angehenden Industriefachwirte und -fachwirtinnen nach Abschluss der Ausbildung die Möglichkeit, eine IHK-Prüfung zum/zur Geprüften Industriefachwirt/in (IHK) abzulegen.

Zugangsvoraussetzungen


An der Weiterbildung kann jeder teilnehmen, der über eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung verfügt. Deutlich höher sind die Anforderungen für die Teilnahme an der IHK-Prüfung. Wer diese ablegen möchte, muss eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem verwaltenden oder kaufmännischen Beruf, eine abgeschlossene dreijährige Ausbildung in einem anderen Beruf plus ein Jahr Berufserfahrung, eine abgeschlossene Ausbildung in einem anderen Beruf plus zwei Jahre Berufspraxis oder mindestens vier Jahre einschlägige Berufserfahrung mitbringen.

Grundsätzlich von Vorteil sind Interesse für Maschinen und Technik, kaufmännisches und analytisches Denken, Zahlenverständnis und Führungsqualitäten. Um die Fernausbildung erfolgreich absolvieren zu können, empfehlen sich darüber hinaus eine große Portion Eigenmotivation, Disziplin, ein gutes Zeitmanagement und Organisationstalent.

Kosten eines Fernstudiums

Die Kosten der Fernkurse belaufen sich auf circa 2.400 bis 4.000 Euro. Hinzu kommen Aufwendungen für die IHK-Prüfung (rund 460 Euro) sowie Reise-, Verpflegungs- und Unterbringungskosten für Präsenzveranstaltungen.

Mögliche Abschlüsse

Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmer/innen ein Zertifikat ihrer Bildungseinrichtung, das ihren Studienerfolg bescheinigt. Nach erfolgreichem Absolvieren der IHK-Prüfung bekommen sie außerdem das Abschlusszeugnis der Industrie- und Handelskammer und dürfen sich fortan „Geprüfte/r Industriefachwirt/in (IHK) nennen. Wer die Teilprüfung „Handlungsspezifische Qualifikationen“ besteht, kann außerdem an der AdA-Prüfung zum Nachweis der Ausbildereignung teilnehmen, wobei er/sie vom schriftlichen Teil dieser Prüfung befreit und lediglich der praktische Prüfungsteil zu absolvieren ist.

Der IHK-Abschluss entspricht nach dem DQR in seiner Wertigkeit einem hochschulischen Masterabschluss. Wer zusätzlich den akademischen Mastergrad erwerben möchte, muss in den meisten Fällen aber dennoch einen (verkürzten) Bachelor-Studiengang und anschließend einen Master-Studiengang durchlaufen. Einige wenige private Bildungsträger bieten für Fachwirte und Fachwirtinnen aber auch einen Direkteinstieg ins Masterstudium an.

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