Rechtswissenschaften

Rechtswissenschaften (Jura) Studium

Das in Deutschland für ein Studium der Rechtswissenschaften gebräuchliche Wort „Jura“ stammt vom Plural „Iura“ des lateinischen Wortes „Ius“ für „das Recht“ und bedeutet „die Rechte“. Die Rechtswissenschaft, im Lateinischen „Iurisprudentia“ („Recht“, „Wissen“), zählt zu den Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie beinhaltet Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtspolitik, Rechtstheorie, Rechtsdogmatik, Rechtsethnologie und Rechtsinformatik. Außerdem greift sie auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse u.a. aus der Medizin, Psychologie und Biologie zurück. Im Wesentlichen befasst sie sich mit der analytischen Betrachtung, Erkenntnis, Auslegung und Anwendung sowohl heute geltender als auch historischer Rechte und Rechtsquellen. Dies geschieht mit unterschiedlichen Methoden und umfasst sämtliche juristische Texte aus allen Rechtsbereichen. Die Begriffe „Jura“ und „Rechtswissenschaften“ finden im deutschen Sprachgebrauch oft eine synonyme Verwendung. Genau genommen beinhalten die Rechtswissenschaften jedoch mehrere Disziplinen, während Jura lediglich auf eine Disziplin hinweist.

Die Rechtswissenschaft hat eine lange Tradition und im europäischen Raum bereits im Römischen Reich einen Höhepunkt erreicht: Im Auftrag des oströmischen Kaisers Justinian stellten Gelehrte in den Jahren 528 bis 534 n.Chr. das Gesetzeswerk „Corpus Iuris Civilis“ aus älteren Kaisererlassen, Lehrbüchern und Schriften römischer Juristen zusammen. Im Spätmittelalter erlebte die Rechtswissenschaft vor allem im Gebiet des heutigen Deutschland einen Neubeginn. Ihre Verbreitung und Fortentwicklung fand in den darauf folgenden Jahrhunderten bis heute statt.

Voraussetzungen um Jura zu studieren

Rechtswissenschaften oder Jura zu studieren ist in Deutschland an Universitäten, Fachhochschulen oder privaten Hochschulen möglich. Weitere Möglichkeiten sind ein Fernstudium oder ein Jurastudium im Ausland. Nur die universitäre Laufbahn schließt mit dem Ersten Staatsexamen, auch erste juristische Prüfung oder Magister Iuris genannt, ab. Es ist ein dem Bachelor oder Master gleichwertiger Abschluss, der jedoch als einziger die Aufnahme des Rechtsreferendariats und das Erlangen des Zweiten Staatsexamens erlaubt. Einige Universitäten bieten auch ein juristisches Bachelorstudium sowie weiterführende Masterstudiengänge an.

Der vorwiegend an Fachhochschulen und privaten Hochschulen angebotene Bachelorstudiengang Jura ist häufig auf Themenfelder der freien Wirtschaft spezialisiert. Private Hochschulen bieten oft die Möglichkeit, das Studiumberufsbegleitend aufzunehmen. Sie verfügen über Wirtschaftskontakte und erleichtern den Berufseinstieg. Der erlangte Abschluss ist gleichwertig mit den Abschlüssen anderer Hochschulen. Wer international tätig sein möchte zieht ein Studium ganz oder teilweise im Ausland in Betracht. Ein Vorteil des Fernstudiums ist dagegen, unabhängig von Orten und Zeiten lernen zu können.

Die Zulassungsvoraussetzungen der Hochschulen variieren: Einige bevorzugen eigene, schriftliche und mündliche Aufnahmeverfahren, andere setzen einen Numerus Clausus (NC) an. Der benötigte NC schwankt jährlich von Hochschule zu Hochschule. Meist liegt er zwischen einem Notendurchschnitt von 1,0 und 2,5. Eine Studienplatzvergabe über die Stiftung für Hochschulzulassung, ehemals ZVS, ist inzwischen die Ausnahme.

Für das Studium an einer Universität ist das allgemeine oder fachgebundene Abitur erforderlich. Die Fachhochschulreife („Fachabi“) erlaubt das Studium an einer Fachhochschule. Wege, ohne Abitur zu studieren, beinhalten oft eine Begabtenprüfung, mehrjährige Berufserfahrung in einem fachlich nahen Beruf, wie z.B. Justizfachwirt/in, und einen Fortbildungsabschluss.

Der Quereinstieg ins Jurastudium ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Auch hier unterscheiden sich die Aufnahmekriterien von Hochschule zu Hochschule, daher informieren sich Interessentinnen und Interessenten an der Universität oder Fachhochschule ihrer Wahl über die dortigen Bedingungen.

Studieninhalte

Auch die Inhalte des Jurastudiums unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule. Insbesondere die Spezialisierungsmöglichkeiten weichen voneinander ab. Einige grundsätzliche Gemeinsamkeiten gibt es: Das klassische universitäre Studium der Rechtswissenschaften umfasst die Rechtsbereiche Privatrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht. Das Hauptstudium baut auf dem im Grundstudium vermittelten Basiswissen in diesen Bereichen auf, vertieft es und bringt neue Rechtsbereiche wie z.B. Arbeits- und Sozialrecht, Familienrecht und Verfassungsrecht ein. Neben den Pflichtveranstaltungen können Studierende ihre Schwerpunkte durch Wahlveranstaltungen selbst setzten. Somit spezialisieren sie sich im Verlauf ihres Studiums. Das Schreiben von Klausuren und Hausarbeiten ist selbstverständlicher Teil des Studiums und legt den Grundstein für die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen.

Ein juristisches Bachelorstudium vermittelt von Beginn an sowohl Rechtsgrundlagen als auch spezialisierte Rechtskenntnisse sowie Kompetenzen in anderen Bereichen, z.B. in der Kommunikation oder Fremdsprachen. Zudem verbindet es unterschiedliche Disziplinen miteinander, z.B. Recht und Betriebswirtschaft als Wirtschaftsrecht. Durch die internationale Ausrichtung lernen Studierende auch ausländisches Recht kennen und haben die Möglichkeit, Praktika im Ausland zu absolvieren. Das Studium schließt mit einer Bachelorarbeit ab.

Viele Masterstudiengänge konzentrieren sich auf die internationale Rechtsprechung oder das Wirtschaftsrecht und vermitteln wichtige Kommunikationsfähigkeiten. Die Studierenden spezialisieren sich weiter und verfassen zum Abschluss eine Masterarbeit zu einem speziellen juristischen Problem.

Wer sich für ein Jurastudium entscheidet, sollte über ein klares Ausdrucksvermögen sowie gute Interpretationsfähigkeiten verfügen. Des Weiteren ist  das Erkennen und Herstellen von Bezügen in komplizierten Sachverhalten und der Aufbau von stichhaltigen, in sich schlüssigen Lösungen wichtig. Wer Freude am Lesen und der Arbeit mit Texten hat, zum logisch-methodischen Denken neigt sowie über Durchhaltevermögen verfügt, findet im Jurastudium zahlreiche Möglichkeiten, diese Fähigkeiten einzusetzen und neben Diskussionsfreudigkeit und Verhandlungsgeschick weiterzuentwickeln. Das Interesse an gesamtgesellschaftlichen Zusammenhängen, Politik, Wirtschaft und sozialen Fragen ist wichtiger als ein hoher Gerechtigkeitssinn.

Studiendauer und Studienorte

Die meisten deutschen Universitäten und viele Fachhochschulen bieten ein Studium der Rechtswissenschaften an. Die Studiendauer hängt vom angestrebten Abschluss ab. An der Ludwig-Maximilians-Universität München oder der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn können Studierende zwischen Studiengängen mit den Abschlüssen Erste Juristische Prüfung bzw. Erstes Staatsexamen oder Bachelor wählen. Wer an einer Universität ein Staatsexamen macht, hat eine Regelstudienzeit von 9 Semestern bzw. 4,5 Jahren. Darauf folgt ein zweijähriges Rechtsreferendariat und im Anschluss daran das Zweite Staatsexamen. Insgesamt dauert die Ausbildung mindestens 7 Jahre. Ein Bachelorstudiengang, wie z.B. Strafrechtspflege an der Johannes Gutenberg Universität Mainz oder Law & Economics an der Universität Bonn, hat eine Regelstudienzeit von 6 Semestern, also 3 Jahren. Ein weiterführendes Masterstudium zu absolvieren nimmt in der Regel 4 Semester bzw. 2 Jahre in Anspruch. DieWestfälische Wilhelms-Universität Münster hat beispielsweise Masterstudiengänge in Arbeitsrecht, Deutsches Recht, Medizinrecht und Real Estate Law eingerichtet. An der Fernuni Hagen ist eine Regelstudienzeit von 7 bzw. 14 Semestern für den Bachelor- und 3 bzw. 6 Semestern für den Masterabschluss vorgesehen. Die Studiendauer von Weiterbildungsangeboten variiert je nach Themenschwerpunkt. Erleichterte Bedingungen für ein Auslandsstudium schafft die Johannes Gutenberg Universität Mainz, indem sie Kooperationen mit französischen Hochschulen eingeht. An der Universität zu Köln ermöglicht der Bachelorstudiengang deutsch-türkische Rechtswissenschaft einen zweijährigen Aufenthalt in Istanbul. Die Universität Freiburg im Breisgau bietet einen weiterführenden, trinationalen Masterstudiengang an. Im Ausland graduierte Juristinnen und Juristen können u.a. an den Universitäten München, Mainz, Heidelberg und Freiburg eine Zusatzausbildung in Deutschem Recht erlangen. Ein berufsbegleitendes, duales Studium ist an der privaten FOM Hochschule im Bachelorstudiengang Wirtschaftsrecht möglich.

Studienkosten und -finanzierung

Die Studienkosten variieren je nach Hochschule, Wohnort und Bundesland. Zum einen erheben die Hochschulen unterschiedlich hohe Semesterbeiträge, zum anderen kommen in manchen Bundesländern ggf. Studiengebühren hinzu, falls jemand die Regelstudienzeit überschreitet oder ein weiterführendes Studium aufnimmt. So kostet beispielsweise das Bachelorstudium der Fernuni Hagen insgesamt ca. 2400€, das Masterstudium ca. 1000€. Die Universitäten München und Kiel sind dagegen mit Beiträgen von ca. 111€ und ca. 118€  pro Semester verhältnismäßig günstig. An den Universitäten Freiburg und Heidelberg liegt der Semesterbeitrag bei 140€, an der Universität Mainz bereits bei ca. 280€ und die Universität Frankfurt am Main nimmt über 300€ pro Semester. In diesen Beiträgen ist in der Regel ein Semesterticket, welches die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel erlaubt, enthalten. Die private Hochschule FOM rechnet für das Studium des Wirtschaftsrechts mit Gesamtkosten von 12.390€ bzw. monatlich 295€ über einen Zeitraum von 7 Semestern und die private SRH Heidelberg setzt monatlich 670€ in den Studiengängen Sozialrecht und Wirtschaftsrecht an.

Miete und Nebenkosten für Wohnraum machen einen Großteil der weiteren Kosten aus. Die Größe der Stadt und die Art des Wohnens beeinflussen die Höhe der Ausgaben. Weitere Ausgaben kommen für Ernährung, Kleidung, Lernmittel, Versicherungen, Mobilität, Telefon- und Internetanschluss sowie Kultur-, Sport- und Freizeitaktivitäten dazu. Hier hängt vieles vom individuellen Konsumverhalten oder dem gewählten Serviceanbieter ab. Ausgaben zwischen mindestens 570€ - 1100€ monatlich sind üblich. Auch für Lernmittel fallen im Jurastudium vergleichsweise hohe Kosten an, die insbesondere auf der Anschaffung von Fachbüchern beruhen. Außerdem besuchen Juristinnen und Juristen im Rahmen eines Repetitoriums einen Tutor oder eine Tutorin, den oder die sie in der Regel selbst bezahlen. Für Aufbaustudiengänge und Auslandsaufenthalte können ebenfalls hohe Kosen entstehen.

Zur Studienfinanzierung kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage, die von BAföG über Stipendien, Darlehen und Studienkredite reichen. Auch Nebenjobs und Werksstudententätigkeiten helfen bei der Finanzierung.

Zwischen dem Jura Studium und dem Beruf: Voraussetzungen für den Berufseinstieg

Während der Rechtsreferendariatszeit lernen die angehenden Juristinnen und Juristen ihre zukünftigen Berufsfelder z.B. am Gericht oder in Kanzleien kennen. Dabei bieten sich bereits Weiterbildungsmöglichkeiten, die später Vorteile im Berufseinstieg bringen. Wer das Rechtsreferendariat absolviert und seine Ausbildung mit dem Zweiten Staatsexamen abschließt ist in vielen Rechtsbereichen umfassend gebildet und kann alle juristischen Berufe ergreifen. Für Berufe im gehobenen Dienst und im Staatsdienst ist das Zweite Staatsexamen sogar eine unumgängliche Notwendigkeit und in anderen Tätigkeitsfeldern oft zusammen mit einer fachlichen Weiterbildung hilfreich, um eine Beförderung zu erhalten. Wer im höheren Dienst arbeiten will, benötigt einen Masterabschluss. Es ist daher sinnvoll, diesen nach einem Bachelor in Jura anzustreben. Auch die Benotung ist ausschlaggebend für den beruflichen Werdegang: Je besser die Abschlussnoten, umso verantwortungsvoller die Position. Mit unterdurchschnittlichen Abschlüssen fällt es schwerer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Berufsbild Jurist/in

Juristinnen und Juristen kennen geltendes Recht, interpretieren und wenden es an, um das Zusammenleben zu regeln. Sie klären Streitfälle, lösen Interessenskonflikte, entwerfen Gesetzestexte, handeln Verträge aus, beraten und unterstützen rechtmäßiges Vorgehen in allen Lebensbereichen. Absolventinnen und Absolventen eines universitären Jurastudiums nehmen häufig eine Tätigkeit als Rechtsanwältin bzw. Rechtsanwalt auf. Wer in Unternehmen arbeiten möchte, hat mit entsprechender Spezialisierung bei Banken, Versicherungen, Verlagen sowie Konzernen mit eigener Rechtsabteilung gute Aussichten. Außerdem sind Stellen bei internationalen Organisationen, in international bekannten Wirtschaftskanzleien und Positionen im gehobenen Dienst z.B. als Richter/in, Notar/in, in der Staatsanwaltschaft oder im öffentlichen Dienst beliebt. Absolventinnen und Absolventen mit Bachelorabschluss arbeiten z.B. als Wirtschaftsprüferinnen, Steuerberater, Rechtsberaterinnen oder Verwaltungsbeamte in verschiedenen Unternehmen und Organisationen. Dort zählen u.a. das Aushandeln und Aufsetzen von Verträgen und die Prüfung rechtlicher Sachverhalte zu typischen Aufgaben. Die Tätigkeitsfelder nach Masterabschluss liegen z.B. in der Beratung und Prüfung rechtlicher Sachverhalte, der Erarbeitung alternativer Handlungsstrategien, aber auch im Verwaltungsdienst. Gefragt ist dies in der Unternehmensberatung, in Personalbüros, bei Finanzdienstleistern sowie verschiedenen, auch internationalen, Verbänden und Organisationen.

Was verdienen Juristinnen und Juristen?

Das Gehalt hängt zum einen von regionalen Gegebenheiten ab, zum anderen von der Tätigkeit und der Examensnote. Dies fällt bereits bei den Einstiegsgehältern auf. Die meisten angestellten Juristinnen und Juristen verdienen monatlich zwischen 2.000€ und 3.000€ Brutto. Freiberuflich tätige Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben abhängig von ihrer Spezialisierung die höchste Einkommensspanne. Die Einkommen im Staatsdienst sind festgelegt. Das Einstiegsgehalt liegt bei mehr als 3240€ Brutto monatlich plus Zulagen. Die höchste Besoldungsstufe erzielt Bruttogehälter von über 10.000€ monatlich. Auch Energieversorger, Computer- und Elektronikkonzerne zahlen hohe Einstiegsgehälter. Außergewöhnlich hohe Einstiegsgehälter zahlen nur große, internationale Wirtschaftskanzleien. Überall gilt: Mit steigender Berufserfahrung und Verantwortung steigt auch das Einkommen.

Die hohe Nachfrage an Fachanwältinnen und -anwälten sowie gefragte Spezialisierungen im Wirtschafts-, Arbeits- oder Verkehrsrecht machen Weiterbildungen in diesen Bereichen interessant. Insbesondere ein wirtschaftlicher Fokus erzielt vergleichsweise hohe Gehälter.

Ansehen und Berufsaussichten

Juristische Berufe haben insgesamt einen guten Ruf in der Bevölkerung. Tätigkeiten im Staatsdienst genießen dabei ein höheres Ansehen als Tätigkeiten für Konzerne. So steht beispielsweise den kritisch beäugten Abmahnkanzleien ein sehr hohes Vertrauen in Richterinnen und Richtern entgegen. Auf Grund der Vielfalt an möglichen Berufsfeldern stehen die Aussichten für Absolventinnen und Absolventen eines rechtswissenschaftlichen Studiums generell gut. Mit Spezialisierungen, Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen steigen die Chancen auf eine aussichtsreiche Position deutlich.