Politikwissenschaften studieren

Der Fachbereich Politikwissenschaften beschäftigt sich mit der Erforschung der politischen Institutionen in Deutschland sowie den vorherrschenden Prozessen. Gegenstand des Studiums sind die politische Ideengeschichte, das innerdeutsche politische System, die internationalen Beziehungen und die vergleichende Politikwissenschaft.

Allerdings geht es bei der Politologie nicht darum, die Politiker und Politikerinnen von morgen auszubilden – dies ist mehr das Ergebnis eines sehr guten politischen Engagements. Bei den Politikwissenschaften handelt es sich um einen interdisziplinär aufgebauten Fachbereich, der häufig Brücken zu anderen Fachbereichen wie Psychologie, Soziologie oder Geschichtswissenschaft schlägt.

Die Wurzeln für das heutige Studium im Bereich Politikwissenschaften sind im 18. Jahrhundert in Wien zu suchen, wo Joseph von Sonnenfels sich an der Universität Wien als Dozent für Politische Wissenschaften profilierte. In Deutschland gab es erste Studiengänge in diesem Fachbereich erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das erste Institut für Politikwissenschaft wurde 1952 an der Eberhard Karls Universität Tübingen eingerichtet. Die Alliierten etablierten damals Studiengänge, die sich in erster Linie mit dem Funktionsprinzip der Demokratie beschäftigten. So sollte durch entsprechend ausgebildete Lehrkräfte der demokratische Gedanke in das noch nationalsozialistisch geprägte Land gestreut werden. Später entwickelten sich die Studiengänge allmählich weg von den Demokratiewissenschaften und beschäftigten sich mehr und mehr mit den konkreten politischen Vorgängen in Deutschland.

Welche Möglichkeiten gibt es, Studiengänge im Fachbereich Politikwissenschaften zu absolvieren?

Politikwissenschaften sind ein sehr verbreiteter Fachbereich, den Interessierte an fast jeder deutschen Hochschule mit einer gewissen Größe studieren können. Weit über 50 Hochschulstandorte mit einem entsprechenden Angebot gibt es in Deutschland. Neben dem Präsenzstudium besteht auch die Möglichkeit, bei einzelnen Instituten ein Fernstudium anzustreben. Ein duales Studium ist hingegen in diesem Bereich nicht möglich, da es keinen direkt verwandten Ausbildungsberuf als Pendant gibt.

Im Bereich der Politikwissenschaften werden in Deutschland weit über 100 verschiedene Studiengänge angeboten. Dies zeigt bereits das große Interesse an dem Fachbereich und die große Themenvielfalt. Die folgenden Studiengänge sollen beispielhaft hierfür erläutert werden:

  • Internationale Beziehungen: In diesem Studiengang geht es um die wachsende internationale Verflechtung der weltweit vorherrschenden politischen Systeme und Volkswirtschaften. Hierbei werden nicht nur politische Aspekte betrachtet, sondern auch rechtswissenschaftliche und ökonomische.
  • Politik- und Verwaltungswissenschaft: Teil dieses Bachelorstudiums sind einerseits politik- und verwaltungswissenschaftliche Themenbereiche. Ergänzt wird der Lehrplan durch die Bereiche Managementlehre und Organisation, Personalwesen sowie Strategie und Führung.
  • Management öffentlicher Aufgaben: Die Studierenden absolvieren einen sehr praxisorientierten Studiengang, in dem sie sich bereits frühzeitig auf eine Sparte festlegen und sich auf die Übernahme öffentlicher Aufgaben, beispielsweise in der Energie-, Gesundheits- oder Verkehrswirtschaft, vorbereiten.
  • E-Government: In diesem informationstechnologisch orientierten Bachelorstudiengang erfahren die Studenten und Studentinnen, wie sie leistungsfähige Software- und IT-Lösungen für die Verwaltung und Wirtschaft planen und entwickeln.

Zudem findet sich im Fachbereich der Politikwissenschaften eine gigantische Auswahl an Masterstudiengängen mit unterschiedlichsten Themenstellungen, beispielsweise Ost-West-Studien, Friedensforschung und internationale Politik, Geschichte der internationalen Politik oder Management von Kultur- und Non-Profit-Organisationen.

Für wen sind Studiengänge des Fachbereichs Politikwissenschaften geeignet?

Der Fachbereich der Politikwissenschaften ist vor allem für Studenten und Studentinnen geeignet, die ein ausgeprägtes Interesse an politischen Vorgängen haben. Überregionale Tageszeitungen wie die Süddeutsche Zeitung oder die FAZ sollten ihr täglicher Begleiter sein. Gute Englischkenntnisse lohnen sich für die Studierenden, da je nach Ausrichtung teilweise ein beträchtlicher Teil der möglichen Lektüre nur in englischer Sprache zur Verfügung steht. Sehr gute Deutschkenntnisse sowie eine kommunikative Art sind angesichts umfangreicher Studienarbeiten, Referate und Diskussionen ebenfalls unentbehrliche Eigenschaften. Zudem sollten die Studierenden eine gesunde Portion Ehrgeiz mitbringen, denn wer später ein Masterstudium anhängen oder eine gute Position ergattern möchte, sollte im Idealfall sehr gute Bachelornoten erreichen.

Entstehen besondere Kosten in den Politikwissenschaften-Studiengängen?

In politikwissenschaftlichen Studiengängen wird den Studierenden gewöhnlich bereits zu Beginn nahegelegt, mindestens eine überregionale Zeitung regelmäßig zu lesen und zu abonnieren. Für ein Jahres-Abonnement muss mit Kosten von etwa 20 bis 30 Euro pro Monat gerechnet werden.

Wie viel verdient ein Politikwissenschaftler / eine Politikwissenschaftlerin?

Die Verdienstmöglichkeiten der Politikwissenschaftler/-innen sehen je nach Branche sehr unterschiedlich aus. Wer in der Lehre oder in der universitären Forschung tätig wird, muss sich auf eine eher geringe Vergütung von ca. 25.000 bis 30.000 Euro pro Jahr einstellen. Deutlich höher fällt die Vergütung in der Privatwirtschaft aus. In der Unternehmenskommunikation oder im PR-Bereich sind nach einigen Jahren Erfahrung beispielsweise Verdienste in Höhe von 35.000 bis 40.000 Euro und mehr durchaus üblich.

Das Ansehen des Politikwissenschaftlers / der Politikwissenschaftlerin in unserer Gesellschaft

Das politikwissenschaftliche Studium ist im Allgemeinen eher theoretisch und wissenschaftlich angehaucht, dementsprechend werden Politikwissenschaftler/-innen eher als langweilig und „von vorgestern“ empfunden. Auch das mitunter recht negative Image der Politik poliert das Image des Politikwissenschaftlers oder der Politikwissenschaftlerin nicht gerade auf. Dennoch erfreut sich das Studium einer ungebrochenen Beliebtheit bei den Studenten und Studentinnen.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Absolventen eines Politikwissenschaften-Studiums?

Politikwissenschaftler/-innen haben zwar aufgrund der Vielfältigkeit ihres Berufs viele berufliche Möglichkeiten, sind allerdings nicht annähernd so gefragt wie beispielsweise Ingenieure. Ein überwiegender Teil der Absolventen und Absolventinnen politikwissenschaftlicher Studiengänge landet nach dem Abschluss in Lehrberufen, in der universitären Forschung, in Medieneinrichtungen oder auch in der öffentlichen Verwaltung. Grundsätzlich gilt, dass sich die Karrierechancen mit guten Leistungen und vielen Praktika angesichts der großen Konkurrenz deutlich steigern lassen. Einer Studie aus dem Jahre 2010 zufolge konnte allerdings nur etwas über die Hälfte der politikwissenschaftlichen Absolventen und Absolventinnen innerhalb eines Jahres eine Anstellung finden.