Studiengänge im Fachbereich Pflegewissenschaften studieren

Pflegewissenschaften studieren
Pflegewissenschaften studieren

Die Pflegewissenschaften beschäftigen sich mit der Organisation und Prozessüberwachung von pflegerischer Versorgung sowie der Pflege von Menschen. Das schließt das Management von Stationen, Pflegeheimen und Krankenhäusern ein. Viele der äußerst heterogenen Studiengänge im Fachbereich Pflegewissenschaften sind sehr speziell auf ein konkretes Berufsbild ausgerichtet und kombinieren theoretische und praktische Anteile. So lernen Studierende im Studiengang Pflege die Versorgung von Alten und Kranken sowie den Umgang mit den Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens. Die Studiengänge mit dem Schwerpunkt Management bereiten dagegen vorrangig auf leitende Tätigkeiten vor.

Geschichte und Herkunft

Die Anfänge der Pflegewissenschaften gehen auf die britische Krankenschwester Florence Nightingale zurück. Diese hatte im 19. Jahrhundert die Pflege von Patienten reformiert und die Standards der heutigen Pflege entwickelt. In der Folgezeit setzten sich ihre Vorgaben durch, was insbesondere dem Beruf der Krankenschwester und später der Pflegekräfte zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung verhalf.

Der erste Studiengang Pflegewissenschaft entstand 1907 in den USA. 1953 gab es mit der Schwesternschule der Universität Heidelberg erstmals in Deutschland eine Basis für die wissenschaftliche Ausbildung von Pflegekräften, jedoch noch keinen Studiengang. Diese entstanden zuerst in der DDR in Berlin und Halle/Wittenberge.

Erst Ende der 1980er-Jahre richteten erste Universitäten in der Bundesrepublik Studiengänge der Pflegewissenschaften ein. Diese gliederten die Hochschulen anfangs anderen Fachbereichen wie den Sozialwissenschaften an. Zugleich entwickelten immer mehr Fachhochschulen und private Bildungsinstitute Studiengänge, die zum Fachbereich zählen. 1999 verlieh die Medizinische Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin erstmals den Titel Doktor der Pflegewissenschaft.

Welche Studiengänge gibt es im Fachbereich Pflegewissenschaften?

Der Fachbereich Pflegewissenschaften fasst sehr unterschiedliche Studiengänge zusammen. Grundsätzlich beschäftigen sich diese mit der Ausübung, der Qualität und dem Management von pflegerischen Tätigkeiten. Dazu zählen Studiengänge wie Pflege oder Pflegemanagement. Allerdings gehören verwandte Themen wie Hebammenkunde, Public Health, Pflegepädagogik oder angewandte Ethik im Gesundheits- und Sozialwesen ebenfalls in diesen Fachbereich. Insgesamt existieren etwa 100 verschiedene Angebote.

Welche Möglichkeiten gibt es, Studiengänge in Pflegewissenschaften zu absolvieren?

Die meisten Studiengänge des Fachbereichs Pflegewissenschaften sind Bachelor-Studiengänge oder bauen darauf als Masterstudiengang auf. Eine Zulassungsbeschränkung ist vom Studiengang abhängig, ein Numerus clausus ist aber eher selten.

Fernstudium

Innerhalb des Fachbereichs Pflegewissenschaften bieten viele Fachhochschulen und private Bildungsinstitute Fernstudiengänge an. Diese sind als Vollzeit- oder Teilzeitstudiengänge konzipiert. Je nach Studiengang müssen sich die Studierenden dennoch auf Präsenztermine einstellen, die meistens in Blockterminen zusammengefasst sind.

Duales Studium

Im Fachbereich existieren mehrere Angebote für das Duale Studium, die teilweise als Fernstudium konzipiert sind. Besonders in Studiengängen mit Ausrichtung auf die praktische Pflege können sich die Studierenden durch die Kombination aus Praxis und Studium direkt für gehobene Positionen empfehlen.

Studium ohne Abitur

Anders als in vielen anderen Fachbereichen existieren viele Studiengänge, die sich an ausgebildete Fachkräfte richten. Eine (Fach-) Hochschulreife ist nicht zwingend erforderlich. Die Interessierten müssen jedoch in der Regel einen Realschulabschluss (Sekundarabschluss I) sowie eine passende Ausbildung und Berufserfahrung vorweisen.

Für wen sind Studiengänge des Fachbereichs Pflegewissenschaften geeignet?

So heterogen die Studiengänge sind, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Studierenden. Es gibt Studiengänge, die eher betriebswirtschaftlich ausgerichtet sind, andere setzen einen Schwerpunkt in der pflegerischen Tätigkeit oder in der Vermittlung von Wissen. Auch die Zugangsvoraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Generell sollten Interessierte aber folgende Eigenschaften mitbringen:

  • ausgeprägtes Interesse an der Pflege,
  • Interesse an Gesundheitspolitik und am Gesundheitssystem,
  • Empathie und Kommunikationsfähigkeit,
  • Bereitschaft zu langen und ungewohnten Arbeitszeiten,
  • großes Engagement zur Weiterbildung,
  • Stressresistenz,
  • Interesse eine Firma im Bereich der Pflege oder ein Kosmetikstudio zu gründen,
  • Teamfähigkeit,
  • körperliche und psychische Belastbarkeit,
  • sehr unempfindliches Wesen,
  • Einfühlungsvermögen.

Studierende, die ein Management-Studiengang belegen, sollten außerdem ein großes Interesse an Betriebswirtschaft und Mathematik mitbringen sowie bereit sein, sich in die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen einzuarbeiten.

Entstehen besondere Kosten in den Studiengängen der Pflegewissenschaften?

Neben typischen Semesterbeiträgen und ggf. Studiengebühren müssen Studierende grundsätzlich nicht mit besonderen Mehrkosten gegenüber anderen Studiengängen rechnen. Allerdings bieten private Bildungsinstitute einen großen Teil der Studiengänge an. Für diese Ausbildungen fallen besondere Studiengebühren an, die sich im Laufe eines Studiums auf mehrere Tausend Euro addieren können.

Was verdienen Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler?

Das zu erwartende Gehalt der Absolventinnen und Absolventen hängt entscheidend vom konkreten Studiengang, der Funktion beim Arbeitgeber und dem Arbeitgeber selbst ab. Während hoch qualifizierte Pflegekräfte mir einem geringen Einkommen auskommen müssen, verdient eine Pflegemanagerin bzw. ein Pflegemanager als Berufsweinsteiger bereits knapp 3.000 Euro im Monat. Wer eine Anstellung im geschäftsführenden Management einer Einrichtung findet, kann sogar mit einer mittleren vierstelligen Summe rechnen. Eine Leiterin oder ein Leiter einer großen und privaten Einrichtung verdient zum Beispiel schnell über 6.000 bis 7.000 Euro im Monat. Nach oben ist das Gehalt offen. Absolventinnen und Absolventen, die in Behörden oder in die Lehre wechseln, können je nach Eingruppierung ihrer Stelle mit einem Monatsgehalt zwischen ca. 3.000 und 5.500 Euro rechnen.

Das Ansehen des Berufs der Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler in unserer Gesellschaft
Das Berufsbild der Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler ist sehr uneinheitlich. Pflegekräfte genießen generell eine große Anerkennung in der Gesellschaft und gelten häufig aufgrund ihres Berufes als „herzensgute Menschen“. Pflegeskandale haben dieses Bild in den letzten Jahren aber immer wieder etwas ins Wanken gebracht. Daher werden besonders Personen in Leitungsfunktionen der Pflegeeinrichtungen vereinzelt mit großem Argwohn betrachtet. Dennoch genießen diese ein ähnliches Ansehen wie Personen aus einer Geschäftsführung oder Abteilungsleitung. Weite Teile der Bevölkerung können die vorwiegend wissenschaftlich geprägten Berufe der Pflegewissenschaften schwer fassen, erkennen diese aber als gehobene Positionen an.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Absolventinnen und Absolventen eines Studiums der Pflegewissenschaften?

Angesichts der demografischen Entwicklung haben Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge im Fachbereich Pflegewissenschaften generell hervorragende Berufsaussichten. Der Arbeitsmarkt boomt und die Einrichtungen suchen teilweise verzweifelt qualifizierte Führungskräfte. Im Zuge dieser Entwicklung bieten sich auch für Absolventinnen und Absolventen verwandter Studiengänge gute Berufsaussichten.

Themen wie Qualitätsmanagement in der Pflege sind jedoch nicht nur in Einrichtungen wichtig. Auch Krankenkassen, Behörden, Gesundheitsämter und Sozialverbände stellen entsprechende Fachkräfte ein. Allerdings ist es für Studierende sehr wichtig, sich zu spezialisieren und frühzeitig einen praktischen Bezug zum gewünschten Tätigkeitsfeld herzustellen. Auch ein Masterabschluss steigert die Chancen, Führungspositionen besetzen zu können.

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