Studiengänge Vermessung / Geodäsie studieren

Vermessung - Geodäsie Studium
Vermessung - Geodäsie Studium

Geodäsie steht für eine Wissenschaft, in der die Erde vermessen wird. Genauer gesagt: Geodäsie als Fachbereich beinhaltet Studiengänge, die sich mit der Vermessung der Erdoberfläche, Bezugspunkten zur Bestimmung von Zeit, Längen und Winkeln sowie der Position der Erde im Weltall beschäftigen. Außerdem sind die Handhabung und die Konstruktion der für die Arbeit erforderlichen technische Geräte Studieninhalt.

Damit weist das Vermessungswesen, wie Geodäsie früher fast ausschließlich hieß, viele Überschneidungen zu anderen Fachbereichen auf. Dazu zählen unter anderem Ingenieurmathematik, Experimentalphysik, Geowissenschaften, aber auch Kartografie, Positionierungen und Navigation, Raumplanung und Flächenmanagement sowie Klima und Umwelt. Nicht zu vernachlässigen sind zudem Studieninhalte wie Bildverarbeitung, computergestützte Visualisierung sowie die Teilbereiche Recht und Wirtschaftswissenschaften.

Geschichte und Herkunft

Der Pioniergeist der Menschen ist Basis des Vermessungswesens bzw. der Geodäsie. Das Messen von Entfernungen sowie das Kartografieren von Gebieten ist eine sehr alte Disziplin, die bereits vor der Antike existierte. Eng damit verbunden sind seit jeher Eigentumsrechte von Land und Gebäuden, später aber auch astronomische Berechnungen mit Bezug auf die Erde.

In der Neuzeit kam es mit einem größeren Bedarf an Kartenmaterial und Instrumenten wie Fernrohr, Sextanten usw. zu einem neuen Boom der Wissenschaft. Auch das Festlegen des Nullmeridians und der Weltzeit sowie in den letzten 50 Jahren Positionsbestimmungen per Satellit gehören in den Bereich der Geodäsie.

Vermessung ist eine relativ alte Disziplin des Ingenieurswesens. Sie war schon früh eigenständig oder innerhalb anderer Ingenieursfachbereiche Bestandteil der Hochschulangebote.

Welche Studiengänge gibt es im Fachbereich Vermessung/Geodäsie?

Der Fachbereich Vermessung bzw. Geodäsie ist relativ homogen ausgerichtet. Er umfasst Studiengänge wie Geodäsie mit verschiedenen Ausrichtungen, aber auch Geoinformatik, Kartographie, Vermessungswesen sowie Navigation und Umweltrobotik.

Welche Möglichkeiten gibt es, Geodäsiestudiengänge zu absolvieren?

Die Studiengänge der Geodäsie und Vermessung sind fast ausschließlich Präsenzstudiengänge. Da eine Vielzahl von praktischen Übungen auf dem Lehrplan steht, ist die Anwesenheit erforderlich.

Voraussetzung ist die Hochschulreife, um an einer der aktuell neun Universitäten einen Studiengang im Fachbereich zu belegen, oder die Fachhochschulreife, um einen Studiengang an einer der aktuell 13 Fachhochschulen zu absolvieren. Als Abschluss wartet ein Bachelor oder nach einem Aufbaustudiengang der Masterabschluss. Lediglich die Technische Universität Bergakademie Freiberg bietet noch ein Diplom-Studiengang an.

Fernstudium

Es gibt praktisch keine Fernstudiengänge. Eine Ausnahme ist die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. Dort bietet die Fakultät Geoinformation ein Fernstudium in Vermessungswesen an. Dieses Fernstudium eignet sich insbesondere für das berufsbegleitende Studium und schließt mit dem Dipl-Ing. (GH) ab.

Für wen sind Studiengänge des Fachbereichs Vermessung/Geodäsie geeignet?

Um den Ansprüchen des Fachbereichs gerecht zu werden, sollten die Studierenden über folgende Fähigkeiten verfügen:

  • sehr gute Kenntnisse der Mathematik,
  • gutes technisches Verständnis,
  • gutes räumliches Vorstellungsvermögen,
  • Spaß an geowissenschaftlichen Themen,
  • gute Computerkenntnisse,
  • präzises Arbeiten,
  • Spaß an interdisziplinärem Austausch,
  • Bereitschaft Geländeübungen,
  • Teamfähigkeit.

Entstehen besondere Kosten in den Studiengängen des Vermessungswesens bzw. der Geodäsie?

Für ein Studium im Fachbereich Vermessung/Geodäsie fallen die üblichen Semestergebühren an. Je nach Bundesland müssen die Studierenden ggf. unter Umständen mit besonderen Studiengebühren rechnen.

Neben den typischen Studienkosten für Literatur fallen für Studiengänge im Fachbereich keine besonderen Kosten an. Es ist je nach Ausrichtung des Studiengangs aber vorteilhaft, wenn Studierende technische Geräte wie Tachymeter zur Verfügung haben. Die Spezialgeräte kosten in der Anschaffung viel Geld. Gleiches gilt für Lizenzen für benötigte CAD-Programme oder andere Spezialsoftware, mit denen die Studierende beispielsweise Karten erstellen. Grundsätzlich ist solches Zubehör jedoch in den Universitäten vorhanden.

Was verdienen Geodätinnen und Geodäten?

Absolventinnen und Absolventen können auf dem Papier mit einem sehr guten Einstiegsgehalt rechnen. Je nach konkretem Abschluss, Ausrichtung, Hochschulart, Bundesland und Arbeitgeber liegt dieses in der Regel bei 30.000 bis 35.000 Euro im Jahr. Ein Master an der Uni bietet bessere Gehaltschancen als ein Bachelor und ein Uni-Abschluss bessere als ein FH-Abschluss.

Behörden zahlen Geodätinnen und Geodäten mit Berufserfahrung zum Teil auch über 50.000 Euro im Jahr, allerdings werden viele Positionen in niedrigere Tarifgruppen eingeordnet. In der freien Wirtschaft sind nach einigen Jahren zum Teil auch Gehälter um ca. 60.000 Euro im Jahr möglich. Allerdings ist ein solcher Verdienst an Führungspositionen geknüpft. In der Realität weichen auch bei diesen Arbeitgebern die Jahresgehälter zum Teil deutlich nach unten ab. Zudem gibt es ein Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen. Frauen verdienen weniger.

Das Ansehen des Berufs der Vermessungsingenieurin und des Vermessungsingenieure

Der Ingenieursberufsstand hat in Deutschland traditionell einen sehr guten Ruf. Das gilt auch für Geodätinnen und Geodäten bzw. Vermessungstechnikerinnen und Vermesssungstechniker. Sie stehen sinnbildlich für Pioniergeist, Landvermessung und nicht zuletzt für exakte Karten und Positionsangaben. Damit haben sie einen wesentlichen Einfluss unter anderem auf die Infrastruktur. Das rechnet ihnen die Bevölkerung in der Regel hoch an. Im Vergleich zu anderen technischen Ingenieursberufen fällt das Ansehen von Geodätinnen und Geodäten jedoch etwas ab. Denn die technisch-mathematisch und naturwissenschaftliche Konkurrenz aus Fachbereichen wie Maschinenbau genießt weniger den Ruf der Schreibtischtäter und Planer als den der besser angesehenen Macher.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Absolventinnen und Absolventen eines Studiums der Vermessungswesen/Geodäsie?

Obwohl Geodäsie und das Vermessungswesen einen eher mäßigen Ruf haben, sind die Studienaussichten für Geodätinnen und Geodäten bzw. Vermessungstechnikerinnen und Vermessungstechniker sehr gut. Experten schätzen den mittelfristigen Bedarf als sehr groß ein. Schon jetzt herrscht ein Fachkräftemangel. Dieser wird sich dramatisch vergrößern, sobald das Satellitensystem Galileo für die europäischen Länder Positionsdaten übermittelt. Dann werden die Unternehmen viele neue Stellen schaffen, die sich deutlich vom klassischen Vermessungswesen wegbewegen und stärker Satellitendaten, mobile Standortbestimmungen, Navigationssystem sowie die Vermessungen für komplexe Bauvorhaben und der Erdkruste beinhalten. Allein das Galileo-System soll rund 160.000 Stellen schaffen können. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen, die diese Zahl als deutlich überhöht einschätzen.

Zusätzlich können die Geodätinnen und Geodäten als Ingenieurinnen und Ingenieure die klassischen Berufsfelder des Vermessungswesens, der Raumplanung und der Kartografie besetzen. Dort warten Stellen in der Forschung, der freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst. Wagemutige können sich auf einem internationalen Arbeitsmarkt umsehen, der insbesondere in Nordamerika mit Spitzengehältern lockt.

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