Architektur studieren

Im Architektur-Studium beschäftigen sich die Studierenden mit dem Entwurf und der Planung von Bauwerken von der ersten Idee und Skizze über den fundierten Bauplan bis hin zum Modell und Bau. Inhaltlich dreht sich das Studium rund um Studienfächer wie Darstellungstechnik, Gebäudekunde, Bau- und Kunstgeschichte und Baurecht. Einen großen Teil des Studiums nehmen die technischen Studienfächer wie Baukonstruktion, Baustoffkunde, Bauphysik und -chemie, Haustechnik, Baustatik und Tragwerkslehre ein.

Das Architektur-Studium zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit aus. Je nachdem, welches Studium die Teilnehmer / Teilnehmerinnen absolvieren und welche Spezialisierungsrichtung sie wählen, können sie sich für sehr verschiedene Tätigkeiten qualifizieren, vom Generalisten bis hin zum Spezialisten. Das Studium befähigt zur Arbeit als Architekt / Architektin. Wer jedoch in die Architektenlisten der Architektenkammern der Länder eingetragen werden und sich als Architekt / Architektin bezeichnen möchte, muss jedoch zunächst eine mehrjährige Berufserfahrung nachweisen können.

Früher waren Architekten lediglich Handwerksgesellen, beispielsweise Steinmetze, die sich durch eine Meisterprüfung als Architekt qualifizierten. IN den Jahren 1794/95 wurde in Paris das Ecole Polytechnique gegründet, das eine wissenschaftliche Hochschule für Architekten darstellte. Im Rahmen der Industrialisierung im 19. Jahrhunderts bildete sich allmählich das akademische Berufsbild des Architekten / der Architektin heraus und erste Schulen und Akademien der Architektur wurden gegründet. 1825 wurde die Karlsruher Polytechnische Schule errichtet, der bis heute eine Vorreiterstelle bei der Etablierung der Architektur als Studienangebot zugewiesen wird. Bis zum 20. Jahrhundert entwickelten sich neben der Architektur nach und nach weitere Fachdisziplinen wie das Bauingenieurwesen, der Städtebau, die Innenarchitektur oder die Landschaftsarchitektur. Während Architekten / Architektinnen ursprünglich eher Generalisten waren, veränderte sich ihr Aufgabengebiet insbesondere im 20. und 21. Jahrhundert. In den USA ist es schon lange üblich, dass sich Architekten überwiegend auf den Entwurf und die Planung von Gebäuden beschränken, jedoch beispielsweise die Koordination der Bauausführung anderen Dienstleistern zu überlassen.

Welche Möglichkeiten gibt es, Studiengänge im Fachbereich Architektur zu absolvieren?

Das Architektur-Studium wird fast ausschließlich als Vollzeitstudium im Präsenzmodus angeboten. Vereinzelt gibt es außerdem die Möglichkeit, in Kooperation mit Architekturbüros oder Bauverwaltungen ein duales Studium zu absolvieren, das zusätzlich den Berufsabschluss als Bauzeichner mit sich bringt. Ein Fernstudium im Fachbereich Architektur ist aufgrund der hohen Praxisanteile schwierig umzusetzen. Deshalb finden sich hier, wenn überhaupt, nur Masterprogramme, die als Fernstudium konzipiert sind.

Im Fachbereich Architektur gibt es eine große Auswahl an Bachelor- und Masterprogrammen:

  • Green Building: Dieser Studiengang beschäftigt sich mit der Architektur auf dem Hintergrund des Umweltschutzes. Thematisiert werden beispielsweise die effiziente Nutzung von Energie, die CO2-Reduzierung, der Klimaschutz und die Schonung natürlicher Ressourcen.
  • Energieeffizientes Planen und Bauen: In diesem Bachelorprogramm werden Gebäude auf dem Hintergrund ihres gesamten Lebenszyklus betrachtet. Ökologische und ökonomische Aspekte werden dabei so berücksichtigt, dass eine ganzheitliche Planung entsteht.
  • Architektur und Städtebau: Dieses Bachelorstudium vermittelt den Studierenden ein umfangreiches Grundlagenwissen aus dem Bereich der Architektur und des Bauwesens und zugleich vertiefte Kenntnisse im Städtebau, beispielsweise durch Themen wie städtebaulicher Entwurf oder öffentliches Baurecht.
  • Gebäudeklimatik: Bachelor-Absolventen / Bachelor-Absolventinnen dieses Studiengangs beschäftigen sich mit dem energetischen Gesamtkonzept für Bestandsgebäude und Neubauten.
  • Barrierefreie Systeme: Dieses Masterstudium befähigt Architekten / Architektinnen, Gebäude so zu planen, dass sie von Menschen unabhängig von ihrem persönlichen Alter und etwaiger körperlicher Einschränkungen genutzt werden können.

Für wen sind Studiengänge des Fachbereichs Architektur geeignet?

Wer Architektur studieren möchte, sollte technisches Verständnis mitbringen, denn ohne Mathematik, Physik und Chemie wird es schwierig, tief in Themen wie Bauphysik und Statik einzutauchen. Wichtig ist außerdem eine gewisse künstlerische Ader. Auch wenn kaum ein Architekt / eine Architektin heute ohne spezielle Planungssoftware auskommt, müssen die Teilnehmer / Teilnehmerinnen im Studium noch einiges mit der Hand zeichnen. Eine gute Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, immer wieder an seinen Entwürfen und Modellen zu arbeiten, zeichnen angehende Architekten / Architektinnen aus. Nützliche Eigenschaften sind außerdem Verantwortungsbewusstsein, Organisationsgeschick, Einfallsreichtum und eine gute räumliche Vorstellungskraft.

Entstehen besondere Kosten in den Architektur-Studiengängen?

Die Kosten für ein Architektur-Studium setzen sich aus den persönlichen Lebenshaltungskosten, z. B. für Miete, Verpflegung, Versicherungen, den Studienbeiträgen und der Ausrüstung für das Studium zusammen. Je nach Studien- und Wohnort können diese Gebühren in der Höhe stark variieren. Zudem spielt es insbesondere in Hinblick auf die Studiengebühren eine große Rolle, ob es sich um eine öffentliche oder eine private Hochschule handelt. Architektur-Studenten / Architektur-Studentinnen sollten sich auf zusätzliche Kosten für Modelle, Materialien und Software einstellen, die sich je nach Hochschule durchaus auf 150 bis 300 Euro pro Semester belaufen können.

Wie viel verdient ein Architekt / eine Architektin?

Der Verdienst von Architekten / Architektinnen hängt davon ab, in welchen Betrieben und in welcher Position sie tätig sind. Das Einstiegsgehalt bewegt sich gewöhnlich etwa zwischen 2.400 Euro und 2.800 Euro. Die Firmengröße spielt dabei eine große Rolle. Architekten, die in Großkonzernen angestellt sind verdienen bis zu 50 Prozent mehr als ihre Kollegen in Kleinbetrieben. Mit steigender Berufserfahrung dürfen sich Architekten auf eine Steigerung des Gehalts einstellen. Nach drei Jahren spricht man von etwa 15 Prozent Erhöhung, nach zehn Jahren sogar von etwa 40 Prozent. Mit einem Master-Abschluss bzw. durch die Übernahme einer leitenden Funktion lässt sich das Einkommen noch zusätzlich steigern.

Das Ansehen des Architekten / der Architektin in unserer Gesellschaft

Architekten / Architektinnen sind in der deutschen Gesellschaft angesehen. Sie gelten als kreativ und kommunikativ. Sie setzen die Vorstellungen ihrer Kunden um, ohne jedoch ihren eigenen gestalterischen Anspruch und ihre eigene Handschrift zu vergessen. Sie sind Macher, die sich um alles kümmern und ihre Kunden vor viel Arbeit und Ärger bewahren. Als Ingenieure / Ingenieurinnen gehören sie ohnehin einer sehr angesehenen Berufsgruppe an.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Absolventen / Absolventinnen eines Architektur-Studiums?

Die Chancen für Absolventen / Absolventinnen eines Architektur-Studiums stehen grundsätzlich gut: Einer Studie des Hochschul-Informations-Systems aus dem Jahr 2010 zufolge können 82 Prozent (Uni) bzw. 77 Prozent (FH) im Zeitraum von einem Jahr eine adäquate Stelle finden. Viele Architekten / Architektinnen kommen in einem Architektur- oder Ingenieurbüro unter, wenn auch die klassische Anstellung nicht mehr der Standard ist. Weitere Einsatzmöglichkeiten finden sich unter anderem als Bauleiter bei Bauprojekten, in Immobilienbüros, bei Fachmedien, im öffentlichen Dienst oder auch in Verbänden.