Angewandte Psychologie studieren

Angewandte Psychologie ist ein grundständiges Psychologiestudium, das sich damit beschäftigt, wie Menschen ihr Umfeld erleben und wie sie sich verhalten. Dabei werden der gesamte Mensch, seine Umgebung, seine Lebenswelt und auch bestimmte Lebenssituationen analysiert. Dabei gehen die Lehre und die anwendungsbezogene Forschung eine enge Symbiose ein. Der Studiengang gewinnt zunehmend an Bedeutung, da der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften in diesem Bereich stetig ansteigt.

Psychische Störungen entwickeln sich immer mehr zu einer der häufigsten Erkrankungen. Bereits jede zweite Arbeitsunfähigkeit wird durch psychische Probleme verursacht. Während in größeren Städten meist eine größere Auswahl an Therapieplätzen vorhanden sind, mangelt es in ländlicheren Regionen an einer adäquaten Unterstützung der Betroffenen. Durch das Unterangebot an Therapieplätzen entstehen enorme Wartezeiten. Absolventen und Absolventinnen des Studiums Angewandte Psychologie sind in der Lage, die Wartezeit zu überbrücken, bis ein Therapieplatz bei einem approbierten psychologischen Psychotherapeuten frei wird.

Studieninhalte und Organisation

Das Studienfach Angewandte Psychologie umfasst zunächst ein umfangreiches Basiswissen in verschiedenen psychologischen Bereichen wie

  • Allgemeine Psychologie
  • Sozialpsychologie
  • Entwicklungspsychologie
  • Differentielle Psychologie
  • Biologische Psychologie
  • Klinische Psychologie
  • Wirtschaftspsychologie

Zudem spielen diagnostische Verfahren und Instrumente sowie die zugrundeliegende Testtheorie eine wichtige Rolle. Die Studierenden erlernen die Fundamente des wissenschaftlichen Arbeitens. Die meisten Studienangebote bieten den Studierenden die Möglichkeit, sich auf einen oder mehrere Schwerpunkte zu spezialisieren. Typische Vertiefungsangebote sind beispielsweise:

  • Gesundheitspsychologie
  • Klinische Psychologie
  • Interkulturelle Psychologie in Politik und Wirtschaft
  • Managed Care, E-Health und Versorgungsmanagement
  • Markt-, Werbe- und Medienpsychologie
  • Personalpsychologie
  • Organisationspsychologie und -beratung

Insbesondere private Hochschulen bieten außerdem die Möglichkeit, das Studium der Angewandten Psychologie durch Wahl-Nebenfächer und optionale Module wie Fremdsprachen, Informations- und Kommunikationstechnologie oder Gesundheitsökonomie weitere zu individualisieren. Zudem ist es häufig möglich, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen, beispielsweise im Rahmen eines Auslandssemesters.

Berufsperspektiven mit einem Angewandte Psychologie Studium

Wer Angewandte Psychologie studieren möchte, darf sich nach seinem Abschluss auf ein breites Tätigkeitsfeld einstellen. Der wachsende Arbeitsmarkt bietet unter anderem folgende Jobmöglichkeiten:

  • Beratung von Menschen in Lebenskrisen
  • Prävention
  • Konfliktmanagement in sozialen Gruppen
  • Erwachsenenbildung
  • Markt- und Meinungsforschung
  • Werbung und PR
  • Unternehmens- und Personalberatung
  • Gesundheitsförderung
  • Training und Coaching
  • Qualitätsmanagement
  • Personalwesen, insbesondere Recruiting und Personalentwicklung
  • Arbeitsplatzgestaltung
  • teilverantwortliche psychotherapeutische Versorgung von Patienten (z. B. in der Gruppentherapie)

Dementsprechend vielfältig sind auch die möglichen Arbeitgeber. Neben der öffentlichen Hand kommen hierfür unter anderem Bildungseinrichtungen, Versicherungsträger, Industrieunternehmen (Bereich Wirtschaftspsychologie), Werbe- und PR-Agenturen, Unternehmensberatungen, Markt- und Meinungsforschungsinstitute, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Therapiezentren in Frage. Zudem wählen viele Psychologen den Weg der Selbstständigkeit und arbeiten entweder auf freiberuflicher Basis in beratender Funktion oder auch mit eigener Praxis.

Doch Vorsicht: Der Studiengang Angewandte Psychologie berechtigt nicht dazu, als Psychotherapeut zu praktizieren. Dies erfordert neben dem Bachelorstudiengang auch einen Masterstudiengang mit der Vertiefungsrichtung klinische Psychologie und eine daran anschließende, drei bis fünf Jahre dauernde psychotherapeutische Ausbildung.

Die Verdienstmöglichkeiten hängen für Psychologen stark vom gewählten Arbeitgeber und der Tätigkeit ab. Im öffentlichen Dienst können die Absolventen und Absolventinnen mit einem Einstiegsgehalt von 2.500 bis 3.050 Euro rechnen. Noch besser fällt das Einkommen gewöhnlich in der freien Wirtschaft aus. Mit ca. 3.500 bis 3.700 Euro sind die Verdienstchancen im Personalwesen anfänglich schon nicht schlecht. Sie klettern mit wenigen Jahren Berufserfahrung auf bis zu 4.800 Euro monatlich. Auch im Vertrieb winken mit 3.500 Euro bis später 4.300 Euroattraktive Gehälter auf studierte Psychologen und Psychologinnen.

Für wen ist das Studium Angewandte Psychologie geeignet?

Um Angewandte Psychologie studieren zu können, sollte mathematisches Verständnis vorliegen. Statistische Methoden spielen in den ersten Semestern eine große Rolle. Je nach Hochschule wird sehr viel mit englischsprachiger Fachliteratur gearbeitet, weshalb gute Englischkenntnisse sehr von Vorteil sind. Folgende Kenntnisse und Fähigkeiten sind für angehende Psychologen und Psychologinnen außerdem sinnvoll:

  • Interesse an biologischen Prozessen (z. B. aus den Bereichen Neurologie und Biochemie)
  • Interesse an der Persönlichkeit des Menschen
  • Neugier
  • Fähigkeit zur Analyse von Situationen und des Verhaltens von Menschen
  • kommunikative Art
  • Neigung zum Umgang mit Menschen
  • emotionale und psychische Stabilität

An staatlichen Hochschulen müssen Studieninteressierte oft sehr gute Noten mitbringen, teilweise liegt der Numerus Clausus bei 1,0 und es sind zahlreiche Wartesemester erforderlich, um überhaupt einen Studienplatz zu bekommen. Eine Alternative sind hierzu private Hochschulen, an denen das Studieren häufig ohne Numerus Clausus möglich ist.

Wo kann ich Angewandte Psychologie studieren?

Angewandte Psychologie ist ein recht verbreiteter Studiengang, den Interessierte an mehreren staatlichen Hochschulen sowie an einigen privaten Hochschulen studieren können.