Studiengänge im Fachbereich Agrarwissenschaften studieren

Die Agrarwissenschaften setzen sich mit den wissenschaftlichen und praktischen Facetten der Landwirtschaft auseinander. Die Studierenden in diesen Studiengängen erfahren eine breit gefächerte Ausbildung, die neben grundsätzlichen Kompetenzen rund um die verschiedensten landwirtschaftlichen Produktionsprozesse und betriebswirtschaftlichen Inhalten auch Kenntnisse in den vielfältigen Bereichen der Landwirtschaft umfasst. Hierzu gehören beispielsweise die Haltung, Ernährung und Zucht von Tieren, der Acker-, Wein- und Gartenbau, der Pflanzenschutz oder das Umweltmanagement.

Das Studium der Agrarwissenschaften hat bereits eine lange Tradition; viele agrarwissenschaftliche Fakultäten haben ihre Wurzeln bereits im 18. Jahrhundert. Der Fokus des Studiums hat sich im Laufe der Zeit leicht verändert. So treten nun beispielsweise Themen wie der Umweltschutz in den Vordergrund. In den vergangenen Jahren nimmt der Studienbereich zunehmend an Fahrt auf, denn die Anzahl der Studierenden steigt kontinuierlich an. Waren zum Wintersemester 2009/2010 noch 42.294 Studierende in agrar-, forst- und ernährungswissenschaftlichen Studiengängen eingeschrieben, waren es 2013/2014 bereits 50.001 Studenten und Studentinnen.

Welche Möglichkeiten gibt es, Studiengänge im Fachbereich Agrarwissenschaften zu absolvieren?

Analog zur verglichen mit bekannteren Studiengängen geringeren Studentenzahl gibt es hier auch deutlich weniger Hochschulen in Deutschland, an denen Interessierte im Studienbereich Agrarwissenschaften studieren können. Rund 20 private und staatliche Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen bieten in ganz Deutschland die Möglichkeit, ein Präsenzstudium zu absolvieren. Beim dualen Studium kombinieren die angehenden Agraringenieure/-innen eine landwirtschaftliche Lehre mit dem agrarwissenschaftlichen Studium. Zudem besteht die Möglichkeit, ein Fernstudium zu absolvieren, die Auswahl an Hochschulen ist hierfür allerdings eher eingeschränkt.

In Deutschland sind dem Fachbereich Agrarwissenschaften rund 55 Studiengänge zugeordnet, die sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Einige Beispiele sollen diese Vielfalt verdeutlichen:

  • Gartenbauwissenschaften: Angehende Gartenbauingenieure/-innen beschäftigen sich mit dem Anbau von Nutz- und Zierpflanzen, der gärtnerischen Pflanzenzüchtung, der Staudengärtnerei und vielen weiteren Themenbereichen rund um den Gartenbau.
  • Agrarbiologie: Agrarbiologen/-innen arbeiten nach ihrem Studium oft nicht direkt in der Landwirtschaft, sondern sind mehr der Ernährungsindustrie, dem Umweltschutz oder auch dem Verbraucherschutz zugewiesen. Sie beschäftigen sich im Studium mit den biologischen Grundlagen der Agrarproduktion.
  • Nachwachsende Rohstoffe: Dieser Studiengang richtet sich auf die erneuerbaren Energien aus und schafft bei den Studenten und Studentinnen das erforderliche Wissen aus den Bereichen Pflanzenbau, Technik und Ökonomie, um Pflanzen für die Energiegewinnung nutzen zu können.
  • Agrarökonomie: Agrarökonomen sind die Schnittstelle zwischen der Landwirtschaft und den Wirtschaftswissenschaften und beschäftigen sich mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten in der Landwirtschaft.

Zusätzlich gibt es im Rahmen der Masterstudiengänge eine Vielzahl weiterer Spezialisierungsrichtungen, beispielsweise

  • Pferdewissenschaften
  • Nutztierwissenschaften
  • Öko-Agrarmanagement
  • Environmental Management
  • Geoinformationssysteme
  • Fishery Science and Aquaculture
  • Rural Development

Für wen sind Studiengänge des Fachbereichs Agrarwissenschaften geeignet?

Wer Agrarwissenschaften studieren möchte, sollte ein gewisses Interesse an und Verständnis für landwirtschaftliche und ökologische Themenstellungen aufweisen. Sinnvoll sind gute Kenntnisse in den Bereichen Mathematik, Physik und Chemie. Später im Beruf lohnt es sich, körperlich belastbar zu sein, ein gewisses Planungstalent zu besitzen und Verständnis für technische und mechanische Zusammenhänge zu besitzen.

Entstehen besondere Kosten in den Agrarwissenschaften-Studiengängen?

Abgesehen von den üblichen Kosten, die ein Studium naturgemäß mit sich bringt, beispielsweise für Fachliteratur, Studiengebühren oder Fahrtkosten, entstehen für Studiengänge im Fachbereich Agrarwissenschaften keine besonderen Kosten.

Wie viel verdient ein Agraringenieur / eine Agraringenieurin?

Durch die vielfältigen möglichen Einsatzgebiete kann das Einkommen eines Agraringenieurs sehr unterschiedlich aussehen. In der Industrie und im öffentlichen Dienst können zwischen 3.000 und 4.000 Euro als Einstiegsgehalt als realistisch gesehen werden. Trainees verdienen etwa zwischen 2.500 und 3.000 Euro. Bei Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft liegen die Verdienstmöglichkeiten jedoch oft deutlich unter dem Durchschnitt der Industrie.

Das Ansehen des Agraringenieurs / der Agraringenieurin in unserer Gesellschaft

Die Agrarwissenschaften genießen in der Gesellschaft kein allzu großes Ansehen. Viele Menschen bringen diesen Fachbereich eher mit Stallgeruch und Mistgabel denn mit Wissenschaften in Verbindung. Dass sehr viele Agraringenieure/-innen abseits der Landwirtschaft und beispielsweise in Genossenschaften, in der Industrie, bei Landmaschinenherstellern oder auch in Forschungseinrichtungen arbeiten, ist vielen nicht bekannt. Agronomen tragen einen wichtigen Teil zur Gesellschaft bei und tragen den Stempel des „Bauerntrampels“ deshalb zu Unrecht.

Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt für Absolventen eines Studiums der Agrarwissenschaften?

Der Arbeitsmarkt für die zukünftigen Absolventen und Absolventinnen der Agrarwissenschaften bietet sehr gute Chancen. Dies ist insbesondere der breitgefächerten Ausbildung geschuldet, die den Ingenieuren und Ingenieurinnen Tätigkeitsfelder in den unterschiedlichsten Bereichen von der Landwirtschaft bis hin zum Umweltschutz ermöglicht. Insbesondere Agrarwissenschaftler/-innen, die sich auf den technischen Bereich oder auch auf die Ingenieurwissenschaften spezialisieren, haben hervorragende Karrierechancen.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es weibliche Absolventen häufig deutlich schwerer haben, einen adäquaten Job in dieser Branche zu finden als ihre männlichen Kollegen. Sie sind nach dem Ende des Studiums deutlich öfter arbeitssuchend.

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