Welche Hochschule für das Studium wählen?

Sie möchten studieren. Aber wo? In Deutschland stehen Ihnen allein über 100 Universitäten, mehr als 200 Fachhochulen sowie viele weitere spezialisierte Fachhochschulen offen. Nicht alle bieten Ihren gewünschten Studiengang an, nicht in jeder Region bzw. an jedem Ort ist eine Hochschule vorhanden. Nicht an allen Einrichtungen werden Sie einen Studienplatz bekommen können. Nach welchen Kriterien sollten Sie sich also für eine Hochschule entscheiden? Welche Hochschule ist für Sie die beste?

Erste Wahl Elite-Universitäten?

Um eine gute Hochschule zu finden, setzen viele Studieninteressierte auf die wenigen besonders geförderten Elite-Universitäten. Im Glauben, dass diese Hochschulen einen besonders guten Ruf haben, hoffen viele auf bessere Chancen am Arbeitsmarkt. So bemühen sich viele Studieninteressierte darum, einen Studiengang an diesen Bildungseinrichtungen zu bekommen.

Zwar haben die wenigen deutschen Elite-Universitäten tatsächlich einen guten Ruf. Allerdings gibt es häufig ein Missverständnis in Bezug auf den Begriff Elite-Universitäten. Denn diese erhalten die besondere Förderung nicht für eine besonders gute Lehre, sondern für eine besonders elementare Forschung. Beides muss nicht zwingend im Zusammenhang stehen. Eins ist jedoch sicher: In der Regel sind die Elite-Unis gut ausgestattet.

Für Sie bedeutet dies, dass eine Elite-Universität nicht die beste Wahl sein muss. Ziehen Sie dennoch eine dieser Einrichtungen in Betracht, prüfen Sie zunächst, ob Ihr Studiengang dort angeboten wird, welchen Ruf der jeweilige Fachbereich an dieser Hochschule hat und ob Ihre gewünschten Schwerpunkte dort Bestandteil des Angebots sind. Rechnen Sie außerdem damit, dass viele Studiengänge sehr voll sein können und die persönliche Betreuung durch Dozenten möglicherweise entsprechend weniger stark ausgeprägt.

Was sagen Hochschul-Rankings aus?

Auf der Suche nach einer guten oder gar der besten Universität oder Fachhochschule für Ihren Studiengang werden Sie irgendwann auf verschiedene Hochschul-Rankings stoßen. Diese listen die angeblich besten Universitäten und Fachhochschulen auf. Das klingt nach einer guten Entscheidungshilfe, ist jedoch häufig nicht so.

Das Problem der Hochschul-Rankings sind zum einen die Kriterien. Denn nicht immer werden Forschung und Lehre, also die Qualität der akademischen Ausbildung bewertet. Manchmal ist es nur die Größe, die Anzahl der Studierenden pro Dozenten oder die Infrastruktur am Hochschulstandort. Sie sollten also ganz genau hinsehen, nach welchen Kriterien ein Ranking wirklich ermittelt ist. Nicht immer eignen sich diese für eine Entscheidung für oder gegen eine Hochschule.

Zum anderen werden die Rankings teilweise von bestimmten Gruppen ermittelt. Selten ist die Basis eine repräsentative Umfrage. Einige Rankings basieren zum Beispiel auf Meinungen von Personalentscheidern, andere auf denen von Studierenden. Auch hier gilt: Bewerten Sie die Grundlage der Rankings, wenn Sie diese zur Entscheidungsfindung heranziehen.

Hochschulwahl: Welche Kriterien sind wirklich wichtig?

Es gibt einige Kriterien, die wirklich wichtig sind. Dabei müssen Sie individuell für sich entscheiden, welchen Stellenwert diese für Sie persönlich haben. So können Sie einige Hochschulen ausschließen und andere in die engere Wahl nehmen. Am Ende bewerben Sie sich an den Unis oder FHs, die Ihren ganz persönlichen Gewichtungen am nächsten kommen. Folgende Kriterien sind relevant:

  • Studiengang und Schwerpunkte
    Das wichtigste Kriterium sollte immer sein, ob eine Hochschule Ihr Studiengang in der gewünschten Form anbietet. Das heißt: Können Sie sich dort mit den gewünschten Schwerpunkten spezialisieren? Je nach Studiengang sind Sie ohnehin auf wenige Hochschulen festgelegt. Gerade dann bewerben Sie sich an den Hochschulen, welche die für Sie besten Lehrinhalte anbieten.
  • Größe der Hochschule
    Nicht unwichtig ist außerdem die Größe der Hochschule. Möchten Sie hinabtauchen in ein breites Angebot, viele Möglichkeiten und eine Vielzahl von Studierenden? Dann sind große Hochschulen die richtige Wahl. Ziehen Sie dagegen eine persönliche Betreuung, kleine Arbeitsgruppen und einen persönlichen Kontakt zu möglichst vielen Kommilitonen vor, suchen Sie besser eine kleine Hochschule, die eher einen familiären Charme verspricht.
  • Qualität der Lehre/Ruf der Hochschule
    Von entscheidender Bedeutung kann die Qualität der Lehre sein. Häufig sind es sogar kleine Fachbereiche an eher unbedeutend erscheinenden Hochschulen, die in der Wissenschaft und am Arbeitsmarkt einen exzellenten Ruf genießen. Hören Sie sich deshalb um, ob Ihr Studiengang an Ihrer gewünschten Hochschule einen guten Ruf hat oder ob bekannte Professoren am Fachbereich lehren. Möglich ist dies über Foren, andere Studierende, Rankings durch Personalentscheider und Erfahrungsberichte in den Medien. Es ist mit Aufwand verbunden, aber immerhin geht es um Ihre Karriere.

    Allerdings müssen Sie mit einem niedrigen Numerus clausus rechnen, wenn Sie sich für den vielleicht besten Studiengang an der dafür besten Hochschule entscheiden. Denn diesen Studienplatz möchten dann wahrscheinlich viele andere ebenfalls haben. Daher kann - mit einer gewissen Vorsicht - ein niedriger NC und eine sehr große Bewerberzahl ein Hinweis auf eine gute Lehre sein.
  • Entfernung zum Wohnort
    Sind Sie ein Familienmensch? Ist Ihr Partner zu Hause? Dann ist die Entfernung zum Wohnort ein relevantes Kriterium bei der Wahl der Universität oder Hochschule. Denn je weiter der Studienort vom Wohnort entfernt ist, desto eher sind Heimfahrten auf das Wochenende beschränkt. Das kann im individuellen Fall von Gewicht sein.
  • Attraktivität des Standortes
    Was erwarten Sie unabhängig vom Studium von Ihrer Hochschulstadt? Soll der Standort für ein pulsierendes Nachtleben, viele Freizeitmöglichkeiten und eine gute Infrastruktur stehen? Oder reicht Ihnen ein beschauliches Städtchen, in dem Sie in aller Ruhe lernen können? Diese Frage ist für viele Studierende nicht unwichtig, denn jeder zweite entscheidet auch nach der Attraktivität des Standortes.

Falsche Hochschule gewählt? Korrekturen sind (vielleicht) möglich!

Die Kriterien für eine Entscheidung sind sehr unterschiedlich. Fachliche Gründe, Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ein attraktiver Standort und persönliche Vorlieben sind unter einen Hut zu bekommen. Das ist nicht immer leicht und endet manchmal auch in einer Fehlentscheidung. Sie können aber gegensteuern. Grundsätzlich haben Sie die Möglichkeit, die Hochschule nach jedem Semester zu wechseln.

Achtung: In der Regel müssen Sie bei einem Hochschulwechsel innerhalb des gleichen Semesters wechseln und dafür vergleichbare bzw. identische Leistungsnachweise und belegte Module vorweisen. Diese Anforderungen erschweren in der Praxis teilweise das Wechseln der Hochschule.

Bei einer Wechselabsicht sollten Sie sich bei der Studienberatung Ihrer Hochschule über die genaue Vorgehensweise beraten lassen. Dort erfahren Sie, ob und in welcher Form ein Wechsel der Hochschule möglich ist.