Wolfgang Amadeus Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart (27.01.1756-05.12.1791)

vom »Wunderkind« ins Armengrab

»Er war Superstar... war ein Rockidol« - spätestens seitdem Falco (1957-1998) in seinem Song »Rock me Amadeus« (1985) den klassischen Komponisten mit diesen Attributen versah, wird er auch tatsächlich so gesehen. Dabei kannte Mozart Star-Allüren genau so wenig wie er »Amadeus« hieß. Selbstbewußt war er freilich, gewahr seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten als Musiker, gleichzeitig lebensfroh und kindlich liebenswürdig in alltäglichen Belangen und sein ganzes Leben auf der Suche - nach einem Job.

Am 27. Januar 1756 wurde Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart als Sohn von Leopold Mozart (1719-1787), Vizekapellmeisters der Salzburger Erzbischöfe, und dessen Frau Anna Maria Pertl (1720-1778) geboren. Von seinen sechs Geschwistern überlebte nur seine ältere Schwester »Nannerl« Maria Anna Walburga Ignatia (1751-1829). Unterzeichnet hat er mit Wolfgang Amadè, »Amadeus« gebrauchte er nur in scherzhafter Entstellung seines Namens. Erst 1804 führte der Jurist, Schriftsteller und Musikkritiker E.T.A. Hoffmann (1776-1822) die Variante Wolfgang Amadeus Mozart ein, die im 20. Jahrhundert weltweit verbreitet wurde, um den »Klassiker« der Wiener Klassik, der hinter Ludwig van Beethoven (1770-1827) und den romantischen Meistern in den Schatten getreten war, attraktiver vermarkten zu können.

Vermarktet wurde Wolfgang Amadè bereits mit sechs Jahren - von seinem Vater. Mit dem 4-Jährigen hatte Leopold Mozart die musikalische und im übrigen auch eine allgemeine Ausbildung begonnen. Schon mit fünf Jahren komponierte Wolfgang unter Anleitung kleinere Stücke, um Harmonie und Versatz in der Musik und die Grundbegriffe des Komponierens und Musizierens zu erlernen. Nachdem die Wunderkinder - auch »Nannerl« war eine begabte Musikerin, die ihren jüngeren Bruder auf Konzerten begleitete, selbst komponierte und später unterrichtete - erfolgreich dem Kurfürst in München und der Kaiserin in Wien vorgeführt worden waren, begann 1763 eine dreijährige Konzertreise an die westeuropäischen Höfe. Wolfgang profitierte von dieser Zeit, denn er kam mit Stilen etlicher Komponisten in Kontakt und integrierte sie in sein eigenes Schaffen.

Ab 1766 dienten die Reisen bereits der Suche nach einer Anstellung. Unter großem Beifall wurden seine Kompositionen aufgeführt, wie »Bastien und Bastienne« 1768 in Wien, doch in Dienst wollte man den Genius nicht nehmen. 1769 wurde Wolfgang Amadè unbezahlter dritter Kapellmeister in Salzburg.

Noch im selben Jahr startete er seine erste von drei Studienreisen nach Italien, diesmal ohne seine Schwester. Drei Opern wurden in Mailand sehr erfolgreich uraufgeführt, doch Mozarts Ausgestaltung des italienischen Opernstils gefiel den Auftraggebern nicht, so daß er keine weiteren Aufträge erhielt, geschweige denn eine Festanstellung.

Seit 1772 wurde mit dem Wechsel des Erzbischofs in Salzburg seine Kapellmeisterstelle wenigstens besoldet. Doch die heutige Festspielmetropole war zu Mozarts Zeiten musikalische Provinz. Leicht nachvollziehbar, daß in dem im Erzbischoffürstentum vor allem Kirchenmusik gefragt war und sich einem Genie wenig Entfaltungsmöglichkeiten booten. Um Opern erfolgreich aufzuführen, mußte Wolfgang Amadè Mozart in andere Städte reisen. Nachdem er zu diesem Zwecke mehrfach vergeblich um Beurlaubung gebeten hatten, quittierte er 1777 den Dienst.

Mit der Mutter - der Vater war nicht freigestellt worden - reiste er bis nach Paris. Auf Zwischenstation in Mannheim verliebte er sich unglücklich in die Sängerin Aloysia Weber (1760/61-1839), eine Tochter des Hauses, in dem sie logierten. Eine Anstellung bot sich ihm nicht, doch im Sommer 1778 starb die Mutter in Paris. Widerwillig begab sich Wolfgang Amadè Mozart zurück nach Salzburg, wo er Anfang 1779 erneut eine Stelle, diesmal als Hoforganist, antrat.

»Es war um 1780 und es war in Wien...« (aus Falcos »Rock me Amadeus«) - 1780 war Wolfgang Amadè Mozart in München, um die Uraufführung von »Idomeneo« (1781) vorzubereiten, die mit Begeisterung aufgenommen wurde. Genutzt hat es ihm nicht, und der Erzbischof kommandierte Wolfgang Amadè nach Wien, wo er sich mit seinem Hofstab profilieren wollte. Doch der ambitionierte Künstler sah sich von seinem Arbeitgeber nur behindert, es kam zum heftigen Streit, in dessen Folge Wolfgang Amadè sein endgültiges Entlassungsgesuch einreichte und in Wien blieb.

Es war nicht nur ein Bruch mit Salzburg, sondern auch mit dem Vater, der für diesen Schritt wenig Verständnis zeigte; endlich - mit 25 Jahren! - emanzipierte sich Wolfgang Amadè Mozart vom väterlichen Einfluß, obwohl er weiterhin viel Wert auf dessen Meinung legte.

Zunächst fand Wolfgang Amadè Aufnahme im Hause der Familie Weber, die zwischenzeitlich nach Wien gezogen war. Wolfgang bemerkte, daß Aloysias jüngere Schwester Konstanze (1762-1842) das viel liebenswertere Wesen war, 1782 heiratete er sie. Im selben Jahr wurde die »Entführung aus dem Serail« von den Wienern mit »Bravo!« angenommen: Wolfgang Amadè Mozart war in Wien und einem unabhängigen Leben als freiberuflicher Künstler angekommen.

Er lebte von Konzerten, Klavierunterricht und zahllosen Aufträgen: Sinfonien, Klavierkonzerte, Streichquartette, Klaviersonaten und und und... Er trat einer Wiener Freimaurerloge bei. Sorgen mußte er sich in dieser Zeit nur um seine Familie: in den neun Jahren ihrer Ehe gebar Konstanze sechs Kinder - von denen jedoch nur zwei widerstandsfähig genug waren, ihre frühe Kindheit zu überleben - was die Kräfte der zarten Frau stark in Mitleidenschaft zog.

1786 schlug Wolfgang Amadè Mozart mit seiner italienischen Oper »Le nozze di Figaro« neue Wege in der Operngeschichte ein: anstatt sich mit mythologischen oder volkstümlichen Themen zu befassen, wie es bis dato für eine Oper üblich war, sprach hier komödiantisch aufgesetzte, doch klare Gesellschaftskritik im Freimaurerstil. Das Wiener Publikum sah sich überfordert und ließ den Meister fallen wie eine heiße Kartoffel.

In Prag dagegen feierte der »Figaro« große Erfolge. »Don Giovanni« (1787) wurde gleich nur in Prag aufgeführt. Jenseits von Prag konnte jedoch auch die Besoldung als kaiserlich-königlicher Musikus nicht verhindern, daß Wolfgang Amadè Mozart in ernsthafte Schwierigkeiten geriet. Oft kann man hören, daß der Künstler durch Anpassen seiner Lebensumstände, sprich Ausgaben, durchaus mit der Situation hätte zurechtkommen können. Viele Gründe lassen sich finden, weshalb er dazu nicht in der Lage gewesen war, auch jenseits »persönlicher Mängel«: wären seine finanziellen Probleme öffentlich geworden, hätte das seinen Marktwert ruiniert!

Einer Verzweiflungstat kommt eine - fruchtlos bleibende - Reise an die deutschen Fürsten- und Königshöfe (1789) gleich. 1790 versuchte der Komponist mit der im Stil wieder klassischer ausgelegten Oper »Cosi fan tutte« die Gunst des Wiener Publikums zurückzugewinnen, doch der Erfolg blieb aus.

Außerordentlichen Mut bewies Wolfgang Amadè Mozart dann mit einem dem Freimaurertum verhafteten Libretto des Theaterdirektors Emanuel Schikaneder (1751-1812). In der »Zauberflöte« mischte er die Stile vom volksliedartigen Singspiel bis hin zu Elementen der Ernsten Oper. In deutscher Sprache aufgeführt, erzielte das Schauspiel am 20. September 1791 in Wien einen durchschlagenden Erfolg und avancierte zur regelrechten Volksoper. Gleichzeitig sorgten die Arbeiten am »Requiem«, das zum Teil bereits im Voraus bezahlt worden war, für finanzielle Entspannung. Wolfgang Amadè Mozart schien am Ende der Durststrecke angekommen.

Doch nur kurze Zeit später wurde der Komponist bettlägerig. Am 5. Dezember 1791 starb Wolfgang Amadè Mozart wenige Wochen vor seinem 36. Geburtstag aus bis heute ungeklärten Gründen. Am folgenden Tag wurde er eilig in einem Armengrab verscharrt.

Das Köchelverzeichnis zählt 626 Werke Mozarts, darunter über 20 Opern und über 50 Sinfonien. Nicht die kühnste Phantasie vermag zu erahnen, wozu er noch im Stande gewesen wäre, wenn sein Leben nicht so früh beendet worden wäre und er künstlerisch freier hätte wirken können.

Die Wiener Adligen »lernten« aus seinem Schicksal und nahmen den 1793 eintreffenden Ludwig van Beethoven offenherziger als neuen Star an. Die musikalischen Freiheiten, die sich Beethoven auf den Grundlagen von Mozart erarbeitete, ermöglichten den Übergang von der »Wiener Klassik« zur »Deutschen Romantik«.


Silke Sorge