Sofia Kowalewskaja

Sofia Kowalewskaja (15.01.1850 - 10.02.1891)

Mathematikerin, Autorin... & Revolutionärin

Sofia Kowalewskaja war die erste Frau der Welt, die Professor für Mathematik wurde. Wer sich jedoch eine gestrenge Streberin vorstellt, irrt gewaltig. Sofia Kowalewskaja empfand Mathematik nicht als trockene Disziplin. Sie war vielmehr der Auffassung, daß ein Mathematiker die Seele eines Dichters haben müsse - und die hatte sie. Sie hinterließ mehrere literarische Werke, darunter ihre »Kindheitserinnerungen«.

Als Sofia Korwin-Krukowkaja wurde sie 1850 in einer ungarisch-russisch-deutschen Familie geboren. Ihr Talent offenbarte sie im Teenageralter. Ab 1868 erhielt sie systematischen Mathematikunterricht in St. Petersburg.

Als Frau durfte sie jedoch nicht studieren, schon gar nicht so lange es Vater oder Ehegatte nicht gestatteten. Sie behalf sich, indem sie sich auf eine Scheinehe mit dem späteren Paläontolgen Wladimir Kowalewski einließ. Mit ihm ging sie 1869 nach Heidelberg. Immatrikulieren durfte sie sich nicht, aber sie holte sich von jedem Professor persönlich die Erlaubnis, an ihren Vorlesungen teilzunehmen, darunter von Helmholtz, Kirchhoff und Königsberger. Im folgenden Jahr wechselte sie nach Berlin zu dem berühmten Mathematiker Karl Weierstraß. Wieder wurde ihr die Immatrikulation versagt, worauf sie von Weierstraß die bestmögliche Förderung erhielt, die sie sich hatte erträumen können: Privatunterricht.

1874 legte Sofia Kowalewskaja der Universität in Göttingen drei voneinander unabhängige Arbeiten vor, die laut Weierstraß jede für sich einer Dissertation genüge taten; die bedeutendste von ihnen zeigte erstmals die Bedingungen, unter denen die eindeutige Lösbarkeit partieller Differenzialgleichungen angenommen werden kann. Im selben Jahr wurde Sofia Kowalewskaja als erster Frau in der Mathematik überhaupt mit größtem Lob die Doktorwürde zuerkannt. Doch mußte sie feststellen, daß ihr dies, wie auch das herzliche Empfehlungsschreiben ihres Mentors, nicht zu einer akademischen Anstellung verhalf. Frustriert zog sie sich von der Mathematik nach St. Petersburg zurück, wo 1878 ihre Tochter zur Welt kam. Erst 1880 widmete sie sich wieder mathematischen Problemstellungen und ging im Folgejahr zurück nach Berlin zu Weierstraß.

Als sich 1883 ihr Ehemann, von dem sie sich getrennt hatte, das Leben nahm, eröffneten sich ihr neue Perspektiven: als Witwe durfte sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Gösta Mittag-Leffler, der Begründer der Zeitschrift »Acta Mathematica«, bei der Sofia später Mitherausgeberin und Redakteurin wurde, verwendete sich darauf, daß ihr die Universität in Stockholm eine Stelle als Privatdozentin anbot, die 1884 in einen Fünfjahresvertrag als Professorin umgewandelt wurde.

1886 überraschte Sofia Kowalewskaja die Mathematiker mit einer Arbeit über die Rotation eines starren Körpers um einen festen Punkt. In der Newtonschen Mechanik war es üblich, Körper zu einem Massepunkt schrumpfen zu lassen - Berechnungen mit voluminösen Körpern, die obendrein rotierten, stellten ein Novum dar. Die Männerwelt war beeindruckt und baute stückweise ihre Vorbehalte gegenüber Frauen in der Wissenschaft ab. Die französische Akademie der Wissenschaften verlieh ihr 1888 den begehrten Prix Bordin, sie wurde zum Korrespondierenden Mitglied der Petersburger Akademie gewählt und erhielt 1889 den Preis der schwedischen Akademie der Wissenschaften, sowie eine Professorenstelle auf Lebenszeit.
Lange konnte sie diese Position allerdings nicht auskosten; Sofia Kowalewskaja starb 1891 jung an einer Lungenentzündung. Sie wäre am 15. Januar 155 Jahre alt geworden.

Ihr zu Ehren beruft die Technische Universität Kaiserslautern jedes Semester eine Wissenschaftlerin, die auf dem Gebiet der Anwendung der Mathematik arbeitet, zur Sofia-Kowalewskaja-Gastprofessorin.

Silke Sorge