Rosalind Franklin

Rosalind Franklin (25.7.1920 - 16.4.1958)

Strukturaufklärerin der DNA... eine Frau verpaßt den Nobelpreis

Gemessen an ihren Verdiensten für die Wissenschaft ist Rosalind Franklin erstaunlich unbekannt, lieferten doch ihre röntgenstrukturkristallographischen Untersuchungen der DNA die Grundlagen, auf denen James Watson (*1928) und Francis Crick (1916-2004) 1953 das Modell der alpha-Doppelhelix entwickelten. Ohne die Erkenntnisse dieser Frau wären die beiden Männern nicht in der Lage gewesen, ihr Modell der DNA zu entwickeln. Von ihr wußten sie, daß die DNA eine helikale Struktur besitzt, von ihr wußten sie, wie hoch der Wasserstoffgehalt war, von ihr wußten sie, daß die Phosphatatome auf der Außenseite des Moleküls anzusiedeln waren. Im Gegenzug hielten die Herren ist nicht für nötig, sie als Mitautor in ihrer Veröffentlichung zu würdigen.

Einige behaupten, daß Rosalind Franklin mit allem anderen als einer Rolle als Assistentin überbewertet wäre. Diese bezweifelt angesichts der erstaunlichen Vielfalt an Information, die ihr über die DNA zur Verfügung stand, ohne daß sie selbst daraus ein Strukturmodell abgeleitet hätte, daß sie jemals in der Lage gewesen wäre, auf die Struktur der DNA zu schließen.

Derartige Behauptungen führen am Kern der Wissenschaft vorbei. Weder James Watson noch Francis Crick wären jeder für sich allein in der Lage gewesen, die Struktur der DNA zu entschlüsseln. Sie wären auch beide zusammen ohne Rosalind Franklin nicht in der Lage gewesen, die DNA-Struktur zu entschlüsseln. In den beiden Männern aus Cambridge fand die Londoner Wissenschaftlerin jedoch keine Partner. Ihr Stil, Erkenntnisse durch fundierte wissenschaftliche Belege zu beweisen, paßte nicht zu dem mutigen »Herumphantasieren« á la Watson-Crick.

Rosalind Elsie Franklin wurde 1920 in London geboren. Früh wußte das intelligente Mädchen zum Leidwesen ihrer wohlhabenden Eltern, daß sie Wissenschaftlerin werden wollte. Sie besuchte die Londoner St. Paul`s Girls School, eine der wenigen Mädchenschulen, die auch Physik und Chemie unterrichteten. 1938 begann sie ihr Chemie-Studium an der Cambridge University. Mit 25 Jahren promovierte sie über die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Kohle.

1947 verließ Rosalind Franklin Großbritannien in Richtung Frankreich, um sich in Paris in das Forschungsgebiet der Röntgenstrukturanalyse einführen zu lassen. Drei Jahre später kehrte sie nach London zurück, um am Kings College die Röntgenstrukturanalyse zu etablieren. Bei ihren Experimenten mit DNA machte sie eine erstaunliche Entdeckung, deren Bedeutung sie offenbar nicht richtig erkannte, denn allein für diesen Befund hätte sie Weltruhm verdient gehabt. Sie entdeckte, daß die DNA in zwei verschiedenen Formen (A und B) auftrat. Bisher waren nur Röntgenaufnahmen der DNA in A-Form aufgenommen worden, die jedoch strukturanalytisch noch schwerer auszuwerten war. Rosalind Franklin fertigte als erste Röntgenaufnahmen der B-Form an (die Watson-Crick-Doppelhelix entspricht der B-Form), noch dazu qualitativ äußerst hochwertige!

Mit ihrem Kollegen am Kings College Maurice Wilkins (1916-2004) hatte Rosalind Franklin von Anfang an Probleme, da sie sich von ihm nicht als gleichberechtigte Partnerin akzeptiert fühlte. Nachdem er 1953 hinter ihrem Rücken ihre Röntgenaufnahmen der B-DNA an James Watson und Francis Crick in Cambridge weitergegeben hatte, woraufhin diese ihr DNA-Strukturmodell veröffentlichen konnten, war das Vertrauensverhältnis endgültig zerstört. Rosalind Franklin wechselte zum Londoner Birkbeck Laboratorium, wo sie über Viren, u.a. über das Tabakmosaikvirus forschte. Durch weitere Untersuchungen untermauerte sie die Spekulationen von Watson und Crick über die Struktur der DNA.

Angeregt durch die Royal Society unternahm Rosalind Franklin 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel einen letzten vergeblichen Versuch, für ihre Leistungen im Zusammenhang mit der Strukturaufklärung der DNA anerkannt zu werden.

Als 1962 James Watson und Francis Crick zusammen mit ihrem ehemaligen Kollegen Maurice Wilkins den Nobelpreis für Medizin und Physiologie »für ihre Entdeckungen über die Molekularstruktur der Nukleinsäuren und ihre Bedeutung für die Informationsübertragung in lebender Substanz« erhielten, hätte Rosalind Franklin an die Seite dieser Männer gehört. Sie war jedoch bereits am 16. April 1958 an Eierstockkrebs gestorben, und der Nobelpreis wird posthum nicht verliehen.

Es kann als erwiesen gelten, daß sie sich den Krebs aufgrund wiederholter Exposition zu Röntgenstrahlung während ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zugezogen hatte. So starb Rosalind Franklin quasi für die wissenschaftliche Forschung, ohne eine adäquate Anerkennung für ihre Arbeit erfahren zu haben.
Rosalind Elsie Franklin wäre am 25. Juli 85 Jahre alt geworden.


Silke Sorge