Robert Hooke

Robert Hooke (18.07.1635 - 03.03.1703)

Wissenschaftler, Erfinder, Architekt... kurz: Universalgenie

Wer war der ambitionierteste Wissenschaftler, genialste Experimentator und vielseitigste Entdecker des 17. Jh.? Die große Mehrheit würde bei dieser Frage wohl an Isaac Newton denken und damit unisono falsch liegen. Die richtige Antwort lautet: Robert Hooke.

Robert Hooke war ein Universalgenie, es findet sich wohl kaum ein Gebiet, für das er keinen Beitrag zu leisten hatte. Dann fragen Sie sich - berechtigterweise - weshalb Robert Hooke heute im Schatten Isaac Newtons steht und vergleichsweise unbekannt ist?

Es war wohl gerade seine Vielseitigkeit und Ambitioniertheit, die ihm in dieser Hinsicht das Genick gebrochen hat. Anscheinend hatte der geniale Mann auch Probleme, sich auf eine Sache zu konzentrieren, sie vollständig zu durchdenken und zu Ende zu führen. So streute er seine Ideen in die wissenschaftliche Diskussion gerade so wie Knochen, die andere aufgriffen um sie zu knacken und das Mark herauszuschlürfen.

Die Biologie beispielsweise verdankt Robert Hooke die Entdeckung und den Begriff der Zelle - doch erst fast zwei Jahrhunderte später erkannten Matthias Schleiden (1804-1881) und Theodor Schwann (1810-1882) darin ein biologisches Prinzip und die kleinste lebende Einheit. Robert Hooke beschrieb die elliptischen Planetenbahnen um die Sonne als Resultat einer Anziehungskraft, die mit steigendem Abstand quadratisch abnimmt - Isaac Newton (1643-1727) formulierte daraus das Gravitationsgesetz. Robert Hooke erkannte den Wellencharakter des Lichtes - Isaac Newton entwickelte daraus eine Theorie des Lichtes. Als Robert Hooke experimentell zeigte, daß die Erde nicht rund sondern elliptisch ist, hörte niemand auf ihn. In einer Zeit, in der Wissenschaftler Fossilien für eine virtuose Laune der Gesteine hielten, bewies Robert Hooke, daß sie das Werden und Vergehen der Lebewesen während der Erdgeschichte widerspiegelten - die Weiterentwicklungen dieser Idee führten zweihundert Jahre später zur Formulierung der Evolutionstheorie. Während Antoni von Leeuwenhoek (1632-1723) die besten Mikroskope seiner Zeit, bestehend aus nur einer Linse, baute, entwickelte Robert Hooke zusammengesetzte Mikroskope mit Linsensystemen und Beleuchtung - zwar gab er zu, daß die Mikroskope Leeuwenhoeks schärfere Bilder als die seinen lieferten, aber er fand sie sehr ermüdend für das Auge. Den Ruhm, die erste Taschenuhr konstruiert zu haben, mußte Robert Hooke nur knapp an Christiaan Huygens (1629-1695) abtreten. Er erfand auch das Kreuzgelenk, das heute - nach dem italienischen Arzt und Mathematiker Gerolano Cardano (1501-1576) - fälschlich oft als Kardangelenk bezeichnet wird.

Robert Hooke wurde 1635 auf der Isle of Wight als Sohn eines Vikars geboren. Eigentlich war auch für ihn die kirchliche Laufbahn vorgesehen, doch die schlechte Gesundheit des Knaben veranlaßte die kinderreiche Familie, nicht allzuviel in seine Ausbildung zu investieren. So bildete Robert Hooke sich selbst - als Naturforscher auf seiner Heimatinsel. Er befreundete sich mit einem Portraitmaler, wobei sich sein ungewöhnliches Talent zum Zeichnen offenbarte. Als der Vater 1648 starb, wurde Robert nach London zu einem Maler in die Lehre geschickt. Jedoch entschied der 13-Jährige rasch, sich besser an der Schule in Westminster anzumelden. Statt aber am normalen Schulbetrieb teilzunehmen, bildete er sich auf Rat eines Lehrer autodidaktisch in dessen Bibliothek.

1653 ging Robert Hooke als Chorsänger an das Christ College in Oxford. Keines der Studien, die er betrieb, brachte er zu einem offiziellen Abschluß, doch bildete er sich umfassend und war nebenbei völlig damit ausgefüllt, Flugzeuge zu konstruieren. Wegen seines offensichtlichen mechanischen Talents wurde er bereits 1655 Assistent bei dem berühmten Physiker und Chemiker Robert Boyle (1627-1691). Für seine Experimente mit Gasen ließ er ihn eine verbesserte Luftpumpe entwickeln, die im übrigen im wesentlichen unseren heutigen Luftpumpen entspricht.

Gleichzeitig verbesserte Robert Hooke die Genauigkeit von Pendeluhren und verwendete als erster eine Spiralfeder als Unruh. Dabei formulierte er das Hookesche Gesetz, nach dem sich ein elastischer Körper proportional zur einwirkenden Kraft ausdehnt. Auch entdeckte er die Kapillarwirkung (je schmaler die Kapillare, um so höher steigt darin Flüssigkeit auf), die er für die Entwicklung eines Barometer ausnutzte. Er erdachte außerdem ein Hygrometer und einen Windstärkemesser, Teleskope und ein Helioskop, erfand die Irisblende und ein Atemgerät, entdeckte die Konstanz der Schmelz- und Siedepunkte von Stoffen und schlug den Gefrierpunkt des Wassers als Nullpunkt der Temperaturskala vor.

1662 erhielt Robert Hooke eine lebenslängliche Stellung als Kurator für Experimente an der gerade gegründeten Royal Society of London. Dies machte ihn verantwortlich, bei den wöchentlichen Treffen der Mitglieder drei bis vier Experimente vorzuführen - neuartige versteht sich! Diese Verpflichtung trieb den vielseitig interessierten Tüftler sicher zu Höchstleistungen, war gleichzeitig aber auch mitverantwortlich dafür, daß Robert Hooke kaum eine seine Entdeckungen vollständig entwickeln konnte.

1665 wurde Robert Hooke Professor für Geometrie in London, gleichzeitig war er Bauinspektor der Stadt und nach dem großen Brand von 1666 zusammen mit Christopher Wren (1632-1723) verantwortlich für den Wiederaufbau. Er entwarf eine Vielzahl von Gebäuden.

Mit vielen seiner Zeitgenossen, insbesondere mit Isaac Newton, verwickelte sich Robert Hooke in Kompetenzstreitigkeiten. Infolge solcher Zwistigkeiten entfernte Isaac Newton aus seiner berühmten Schrift »Mathematische Prinzipien der Naturphilosophie« (1687) alle verweise auf Hooke, womit der einflußreiche Newton seinen Wissenschaftlerkollegen so erfolgreich demontierte, daß bis heute die Mehrheit der Menschen der Überzeugung ist, Newton hätte seine Gesetzmäßigkeiten »de novo« entwickelt. Auch ist noch immer gelegentlich über Robert Hooke zu erfahren, daß er ein streitsüchtiger Mann war, der anderen ihre Entdeckungen wegnehmen wollte.

Sicher war Robert Hooke's Vorgehen gegen Kollegen in vielen Fällen nicht berechtigt - er konnte es kaum verkraften, daß andere mit seiner Hilfe Reputationen einfuhren. Letztlich ist er aber eines der besten Beispiel dafür, daß nicht derjenige, der Entdeckungen tätigt - und seien es auch noch so viele - den Ruhm erntet, sondern der, der ihre Bedeutung erkennt und sie zu vermarkten versteht.
Robert Hooke starb 1703 in London. Am 18. Juli wäre er 370 Jahre alt geworden.


Silke Sorge