Karoline Herschel (16.03.1750 - 09.01.1848)

Astronomin, Sängerin & ...ein Mondkrater

Wer den Namen Herschel hört, denkt wohl eher an einen Mann: Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822), den Entdecker des Uranus und Vater des bedeutenden Astronomen und Physikers John Herschel (1792-1872). Karoline war seine Schwester.

Glaubt man ihren bescheidenen Äußerungen, hatte sie keinerlei eigene Pläne für ihr Leben. Trotzdem sollte sie - in einer Zeit da dies für Frauen ungewöhnlich war - wissenschaftliche und gesellschaftliche Anerkennung erlangen.

Als Lucretia Karolina Herschel 1750 in einer traditionalistischen Musikerfamilie in Hannover geboren, stellte sich die nicht gerade mit Schönheit oder einer Bildung gesegnete Frau in den Dienst ihres Bruders. 1772 ging sie mit ihm nach England, wo er als Musiklehrer tätig war, und errang einen guten Ruf als Sängerin bei den von ihm aufgeführten Oratorien. Ein Angebot für ein Engagement beim Birmingham Festival lehnte sie aber ab und blieb bei Wilhelm.

Dessen wahres Interesse galt der Astronomie. Er baute sich ein eigenes Observatorium und unterrichtete seine Schwester, damit sie ihm dabei helfen und Aufzeichnungen sowie Berechnungen seiner Beobachtungen anfertigen konnte. Als Wilhelm 1781 einen Kometen entdeckte, der sich später als der Planet Uranus herausstellte, wurde er zum königlichen Hofastronomen ernannt.

Mit 35 Jahren erhielt Karoline ein eigenes kleines Observatorium, an dem sie eigenständig arbeiten durfte, wenn Wilhelm sie nicht brauchte. Im Folgejahr entdeckte sie als erste Frau einen Kometen und bezog daraufhin von der Royal Society ein eigenes Gehalt als Wilhelms Assistentin: ein Viertel von dem, was ihr Bruder erhielt.

Nachdem Wilhelm 1788 geheiratet hatte, wurde Karoline von ihren häuslichen Pflichten entbunden und konnte sich ganz ihren astronomischen Studien widmen. Insgesamt entdeckte sie acht Kometen, u.a. »Encke«, 14 Nebel und unzählige Doppelsterne.

1797 fertigte sie einen Index des früheren, von dem ersten königlichen Astronomen der britischen Geschichte, John Flamsteed (1646-1719), herausgegebenen Katalogs der mehr als 2800 über England sichtbaren Sterne an. Karoline korrigierte darin enthaltene Fehler und ergänzte weit über 500 fehlende Sterne. Die Arbeiten wurden von der Royal Society veröffentlicht.

Nach Wilhelm Herschels Tod kehrte Karoline 1822 nach Hannover zurück, wo sie ihre Studien fortsetzte. Unter anderem verfaßte sie ein Zusammenstellung der von Wilhelm beobachteten 2500 Nebel, für die ihr die Royal Astronomical Society eine Goldmedaillie verlieh. 1835 wurde sie zusammen mit der anerkannten Mathematikerin Mary Somerville (1780-1872) zum Ehrenmitglied der Royal Society gewählt, 1838 auch in die Royal Irish Academy. Zu ihrem 96. Geburtstag 1846 erhielt sie für ihre wissenschaftlichen Verdienste auch vom preußischen König eine Goldmedaille.

Karoline Herschel starb am 9. Januar 1848 in ihrer Geburtsstadt Hannover. Nach ihr wurden der Planetoid 281 »Lucretia« und ein Mondkrater »Karoline Herschel« genannt.
Am 16. März wäre Lucretia Karoline Herschel 255 Jahre alt geworden.


Silke Sorge