James Parkinson

James Parkinson (11.04.1755 - 21.12.1824)

Mediziner, Geologe &... Reformer

Heute kennt sie jeder, die Krankheit, die es den Betroffenen - bei voller Verstandeskraft - unmöglich macht, ihre Gliedmaßen ruhig zu halten.

Der britische Arzt James Parkinson, der ihre Symptome erstmals beschrieb, wurde 1755 als Sohn des Apothekers und Chirurgen John Parkinson in London geboren. Nur die kurze Dauer von sechs Monaten studierte er am London Hospital Medical College. Er ließ sich vielmehr in der Praxis seines Vater ausbilden, die er nach dessem Tod 1784 übernahm. James Parkinson kannte sechs Fälle der Krankheit, die er 1817 treffend als Shaking Palsy (»Schüttellähmung«) bezeichnete. Seine Beschreibung war so präzise, daß der französische Neurologe Jean-Martin Charcot (1825-1893) im Jahre 1884 anerkennend die Bezeichnung »Morbus Parkinson« (die Krankheit, die Parkinson beschrieb) einführte. Damit wäre zur Etymologie der Parkinson'schen Krankheit alles gesagt, doch auch über die Person James Parkinson?

Keineswegs, und wenn James Parkinson wüßte, daß wir heute mit seinem Namen nur noch eine unheilbare Nervenerkrankung verbinden, würde ihn das sicher betrüben.

Im Gesamtschaffen von James Parkinson ist das kleine »Essay on the Shaking Palsy« (1817) nur ein Nebenwerk; verfaßt, um die Aufmerksamkeit seiner Kollegen auf dieses Krankheitsbild zu lenken, damit eine Therapie entwickelt werden könne. Insofern paßt die Abhandlung in das Wirken James Parkinsons, der stets auf Veränderungen zum Wohlergehen der Menschen bedacht war, sei es in der Altenpflege, der Behindertenbetreuung, dem Umgang mit Geisteskranken oder der Ausbildung medizinischen Personals. Mit Büchern für die Allgemeinheit, wie dem Ratgeber »Medical Admoniations« (Medizinische Ermahnungen, 1799) oder »Dangerous Sports« (1800), versuchte er die Volksgesundheit zu verbessern.

James Parkinsons Reformvorstellungen beschränkten sich jedoch durchaus nicht auf den medizinischen Bereich. Er sah sich in allen Belangen als Anwalt der Unterprivilegierten und sozial Schwachen und war ein Anhänger der französischen Revolution. Mit Ungerechtigkeiten konnte er sich nicht abfinden. Er trat für umfassende Reformen der Steuergesetze, des Wahlrechts und des Gefängniswesens ein - keine von diesen war in der zweiten Hälfte des 18. Jh. im kriegsgebeutelten England (u.a. Unabhängigkeitskrieg mit den amerikanischen Kolonien 1775-1783) auf legalem Wege zu erreichen.
James Parkinson engagierte sich in zwei radikal-oppositionellen Vereinigungen, von denen der London Corresponding Society große Bedeutung beizumessen ist, da sie die Grundideen der heute in Großbritannien praktizierten Regierungsform lieferte.

Als 1794 fünf Mitglieder der London Corresponding Society wegen Hochverrates angeklagt wurden, weil sie sich angeblich verschworen hatten, den englischen König Georg III. zu ermorden, trat James Parkinson als Zeuge der Verteidigung auf, womit er sich selbst in höchste Gefahr brachte. So mußte er während der Verhandlung zugeben, unter dem Decknamen »Old Hubert« monarchiefeindliche Pamphlete verfaßt zu haben. Doch gelang es ihm, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und letztlich auch den Freispruch seiner Vereinsmitglieder zu erwirken.

Nach dieser Episode widmete sich James Parkinson mehr seinen wissenschaftlichen Interessen. Nicht nur, daß er über Krankheiten, z.B. Gicht, forschte oder den ersten englischen Fall von Blinddarmentzündung (mit Todesfolge an Bauchfellentzündung) belegte. James Parkinson gilt auch als Begründer der wissenschaftlichen Paläontology (u.a. »Organic Remains of a Former World«, 3 Bände, 1804-1811) und war einer der 13 Gründungsmitglieder der British Geological Society (1807), die heute noch existiert. Auch in vielen anderen wissenschaftlichen Vereinigungen war er aktives Mitglied.

Später richtete James Parkinson sein Augenmerk nochmals auf den sozialen Bereich, genauer die Bedingungen während der Ausbildung von Lehrlingen. Er bewirkte gesetzliche Regelungen und staatliche Kontrollen.

1822 erhielt er als Anerkennung für seine medizinischen Leistungen als erster die Goldmedaille des Royal College of Surgeons. Bereits in jungen Jahren hatte James Parkinson wie auch sein Vater eine Ehrenmedaille der Royal Humane Society erhalten, für die Wiederbelebung eines Mannes, der sich 1777 nahe ihrer Praxis aufgehängt hatte.
James Parkinson starb 1824 in London. Am 11. April wäre der Arzt, der viel mehr als die Beschreibung einer Krankheit leistete, 250 Jahre alt geworden.


Silke Sorge