Helen Keller

Helen Keller (27.06.1880 - 01.06.1968)

Blind, taub... & äußert kommunikativ

Kennen Sie den Film »Licht im Dunkel«? Der Schwarz/weiß-Streifen (Original »The Miracle Worker«) aus dem Jahre 1961 erzählt die Geschichte eines Mädchens, das im Säuglingsalter ertaubt und erblindet. Aufgrund des falschen Mitleids ihrer völlig überforderten Familie verroht das heranwachsende Kind. Erst die Blindenlehrerin Anne bringt dem Mädchen Jahre später mit oft brutal anmutenden Methoden menschliche Verhaltensweisen bei und gibt ihr durch einen Druckcode in der Handfläche die Möglichkeit zur Kommunikation mit der Außenwelt zurück.
Dieser Film, in dessen etwas kitschiger Schlußsequenz die Entwicklung von Jahren innerhalb weniger Minuten zusammengerafft wird, ist kein dramatisches Märchen; es ist die Geschichte von Helen Keller.

Helen Keller wurde 1880 im US-Bundesstaat Alabama gesund geboren, erkrankte jedoch mit 18 Monaten an einer Gehirnhautentzündung, wobei sie Gehör und Sehsinn verlor. Die folgende Isolation in einer Welt ohne Bilder und Laute, begleitet von Topsuchtsanfällen, endete erst 1887, als Helens Eltern Rat bei dem Gehörlosenlehrer Alexander Graham Bell (1847-1922, Erfinder des Telefons) suchten. Das Perkins Institution and Massachusetts Asylum for the Blindvermittelte der Familie eine Lehrerin: Anne Sullivan (1866-1936), selbst fast erblindet, trat daraufhin in Helens Leben und unterrichtete sie in Blindenschrift und dem Fingeralphabet. Mit zehn Jahren lernte Helen Keller sogar wieder sprechen (sie konnte bereits einige Worte reden, bevor sie erkrankte).

Später besuchte sie ein Mädchengymnasium und studierte am Radcliffe College: Französisch, Deutsch, Latein, Literatur, Philosophie, Ökonomie und Politik - sie verschlang alles, was ihr in Blindenschrift in die Finger kam.

1904 erschien ihre erste Autobiographie, in Deutschland unter »Die Geschichte meines Lebens« (1905), durch die sie schlagartig weltberühmt wurde. Helen Keller nutzte diese Position, um öffentlich für die Belange von Blinden und Gehörlosen zu werben. Sie begab sich auf Vortragsreisen durch die westliche Welt.

Helen Keller setzte sich aber auch für die Rechte von Frauen ein. Sie bekannte sich zu Sozialismus und Pazifismus. In ihrem Buch »Wie ich Sozialistin wurde« (1912) wehrte sie sich gegen das klassische, allzu einseitige Rollenverständnis für Frauen; in »Ein Appell an die Vernunft der Richter« gegen Ungerechtigkeiten, denen Frauen ausgesetzt waren. Sie erklärte sich gegen Kriege und gegen die Ausgrenzung der Sowjetunion.

Über die Jahre war Anne Sullivan ihre treue und hilfreiche Gefährtin, und es war ein harter Schlag für sie, als Anne 1936 starb. Doch Helen Keller meisterte auch dieses Schicksal und paßte sich der neuen Situation an. Sie war eine starke Frau, der man nur größten Respekt zollen kann.
Sie starb am 1. Juni 1968. Am 27. Juni wäre Helen Keller 125 Jahre alt geworden.


Silke Sorge