Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel (23.02.1685 - 14.04.1759)

Komponist, Organist... & »charmantes Scheusal«

Wer, so wie ich, schon einmal in Halle gelebt hat oder noch lebt, kennt »den Händel« als wichtigsten Verabredungspunkt mitten auf dem Markt. Nur einen kurzen Fußweg entfernt befindet sich sein Geburtshaus, wo die Händel- Gesellschaft Andenken und Werk des Komponisten lebendig hält. Diese Ehrbezeugungen für den größten Sohn der Stadt können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieser seine große Zeit nicht in Halle erlebt hat, nicht einmal in Deutschland.
Tatsächlich können mindestens zwei Nationen Anspruch auf das Erbe Händels erheben, 1727 wurde der Deutsche englischer Staatsbürger.

Seinen Anfang nahm die Laufbahn des 1685 geborenen Georg Friedrich Händels, der im übrigen nicht aus einer Musikerfamilie stammte, dann doch in Halle mit Kantaten. Bereits mit 18 Jahren verließ er aber seine Geburtsstadt und betätigte sich als Geiger, Cembalist, Dirigent und Organist in Hamburg. Seine Erfolgsgeschichte begann mit seinen Reisen durch Italien (1706-1710), u.a. mit der Oper »Agrippina« (1709) in Venedig. 1710 wurde er Hofkapellmeister beim Kurfürsten von Hannover. Im selben Jahr reiste er das erste Mal nach London, wo er 1712 seinen ständigen Wohnsitz nahm.

Neben seinen musikalischen Kunstwerken hat Georg Friedrich Händel auch zwei Kunststücke fertig gebracht. Zunächst ist er der erste Musiker, der zu Lebzeiten europaweit berühmt wurde und diesen Ruhm bis heute ohne Unterbrechung erhalten konnte. Das zweite Kunststück besteht darin, das erste geschafft zu haben, obwohl die überwiegende Mehrheit mindestens in seinem Geburtsland heute mit seinem Namen nur noch eine Auswahl ausnehmender Werke verbindet, die sich an den Fingern einer Hand abzählen lassen.

Das »Halleluja« aus dem Oratorium »Der Messias« (1741) kann man wohl als den ältesten Evergreen bezeichnen, außerdem steht nichts so sehr für Händel wie die »Wassermusik« (1715-1736) und die »Feuerwerksmusik« (1749), zur Weihnachtszeit wird auch die »Johannespassion« (1704) interessant.
Insgesamt hinterließ Georg Friedrich Händel aber über 600 Musikwerke, die meisten davon sind aus den Spielplänen verschwunden, insbesondere seine 42 Opern, die gemeinhin heute als nicht mehr aufführbar gelten. Dabei ist uns ein wichtiger Aspekt des Händelschen Schaffens verloren gegangen: seine Arien von tiefer Dramatik und Aussagekraft.

Als 1714 der hannoversche Kurfürst Georg Ludwig zum Georg I. König von England wurde, erhielt Georg Friedrich Händel den Auftrag zur Gründung der Royal Academy of Music, deren Aufgabe darin bestand, die italienische Oper in England bekannt zu machen. Die Opern, die Georg Friedrich Händel für dieses Unternehmen schrieb, u.a. »Giulio Cesare in Egitto« (1724), machten ihn in ganz Europa bekannt, indes, die Londoner ließen sich nicht für italienische Opern begeistern. 1737 gab Händel wirtschaftlich und gesundheitlich ruiniert auf und reiste nach Aachen, um sich von einem Schlaganfall heilen zu lassen.

Ab 1741 widmete sich Händel nur noch seinem zweiten großen Schaffensgebiet, den Oratorien. Bekannt sind heute noch neben dem bereits erwähnten »Messias«, »Israel in Ägypten« (1738) und »Judas Maccabaeus« (1746). Während der Vollendung von »Jephta« (1751) bekam Händel Augenprobleme, die sich nicht aufhalten ließen, zwei Jahre später war er erblindet. Trotz des schweren Handikaps setzte er seine Arbeiten an Oratorien und Orgelkonzerten bis zu seinem Tod am 14. April 1759 fort.

Er soll es verstanden haben, zu leben und zu genießen. Wie sehr ihm dies schon zu Lebzeiten negativ ausgelegt wurde, beweist eine zeitgenössische Karikatur. »The charming brute« (»Das charmante Scheusal«, 1754) zeigt den korpulenten Meister als komponierendes Schwein an der Orgel, umgeben von allerlei kulinarischen Genüssen. Das ist das Bild, wie ihn die Nachwelt über Jahrhunderte in Erinnerung behielt, während seine Werke in Vergessenheit gerieten.
Es ist an der Zeit für ein anderes, ein kompletteres Bild des Komponisten. Laßt uns darüber reden, demnächst in Halle »Um 18:00 Uhr am Händel«.


Silke Sorge