Friedrich Schelling (27.01.1775 - 20.08.1854)

Denker des deutschen Idealismus... & Zweifler

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling wurde 1775 in Leonberg geboren und erlebte nicht nur eine Zeit gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und auch philosophischer Umwälzungen - die Zeit erlebte auch ihn: als Revolutionär mit der Fähigkeit zur Kritik - sich selbst und anderen gegenüber.

Kam bei Aristoteles die Philosophie noch nach der Physik (in der Bibliothek von Alexandria stand der unbetitelte Band der Philosophie hinter dem der Physik, weshalb Andronikos ihn bei seiner Einteilung des Aristoteles-Werkes »Metaphysik« - nach der Physik - nannte), so sollte laut Friedrich Schelling die Philosophie der Physik zukünftig vorangehen und »die Naturwissenschaft selbst philosophisch entstehen« lassen (in »Von der Weltseele; Eine Hypothese der höheren Physik«, 1798). Schelling begriff die Philosophie »als eine Naturlehre unsres Geistes«, bei der »das System unserer Vorstellungen nicht in seinem Seyn, sondern in seinem Werden« betrachtet wird (»Ideen zu einer Philosophie der Natur«, 1797).

1790 beginnt der gerade mal 15-jährige, frühreife Sohn eines evangelischen Pastors per Sondererlaubnis in Tübingen das Studium der Theologie. Hier trifft er auf die Zimmergenossen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831) und Friedrich Hölderlin (1770 - 1843), mit denen ihn eine intensive Freundschaft verband.

Friedrich Schellings frühe Philosophie war geprägt durch die Zeit am Tübinger Stift, die Auseinandersetzung mit Werken von Kant (1724 - 1804) und Fichte (1762 - 1814) und natürlich durch die Ereignisse um die französisch-bürgerliche Revolution. Dementsprechend wundert es nicht, daß das Motiv 'Freiheit' ein zentrales Element in seinem Denken darstellte. Er war nicht derjenige, der die Freiheit in die Philosophie einführte, das tat schon Kant, aber er war derjenige, der als erster dem Menschen absolute Freiheit zuerkannte (und nach genauerem Nachdenken auch wieder nahm). In einem System der Freiheit sah Schelling, wie auch schon Fichte, das Ich-Selbst als unbedingte Grundfeste, und im Ich-Selbst die Freiheit verwirklicht. Absolute Freiheit kommt jedoch nur einem absoluten, unbedingten und unendlichen Ich zu, worin also kein sterblicher Mensch zu sehen ist. Friedrich Schelling sah darin (zunächst) aber auch nicht Gott (in »Vom Ich als Prinzip der Philosophie oder Über das Unbedingte im menschlichen Wissen«, 1795).

1798 empfahl Johann Wolfgang Goethe nach einem persönlichen Gespräch Friedrich Schelling nach Jena zum außerordentlichen Professor, wo zu dieser Zeit eine äußerst fruchtbare Atmosphäre sowohl literarischer als auch philosophischer Blüte herrschte (Romantikerkreis um Schiller, Fichte, Schlegel u.a.). Seit 1801 konnte Schelling auch hier mit Hegel zusammenarbeiten und befand sich auf dem Höhepunkt seines Schaffens: »System des transcendentalen Idealismus« (1800), »Philosophie der Kunst« (1802/03) u.a.

Ab 1803 - Friedrich Schelling folgte einem Ruf zum Professor nach Würzburg - scheint er seine eigenen revolutionären Ideen systematisch demontiert zu haben. In »Philosophie und Religion« (1804) und »Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit« (1809) rückt Schelling das Göttliche, auf das er zuvor stets verzichtet hatte, in den Mittelpunkt (auch wenn Gott für ihn nicht jener der christlichen Kirchen war) und negierte die früher postulierte Freiheit zugunsten eines fatalistischen Ausgeliefertseins. Währenddessen überwirft er sich, so nicht schon früher erfolgt, mit seinen Freunden (Hegel, Fichte). Danach kamen keine nennenswerten Veröffentlichungen mehr heraus.
Seiner Karriere tat das keinen Abbruch.

1806 war Friedrich Schelling an die Münchner Akademie der Wissenschaften berufen worden und seit 1808 Generalsekretär der neugegründeten Akademie der Bildenden Künste. 1820 wurde er zum Professor nach Erlangen und 1827 nach München gerufen, wo er 1835 geschätzter Lehrer des bayerischen Kronprinzen und späteren Königs Maximilian II. wurde. 1841 folgte Schelling einem Ruf nach Berlin, 1842 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Am 20. August 1854 starb Schelling in Bad Ragaz (Schweiz), ohne die »Weltalter«, die sein Hauptwerk werden sollten, beendet zu haben. Auf seinen Grabstein ließ König Maximilian II. »Dem ersten Denker Deutschlands« schreiben.
Am 27. Januar wäre Friedrich Wilhelm Joseph Schelling 230 Jahre alt geworden.


Silke Sorge


Anmerkung: Dieser Artikel ersetzt den Philosophie-Interessierten nicht die Auseinandersetzung mit Schellings Werk oder der entsprechenden Literatur über seine Person.