Friedrich Hölderlin (20.03.1770 - 07.06.1843)

...zwischen Genie und Wahnsinn

Wohl keine andere Person hat es wie Friedrich Hölderlin geschafft, wiederholt mit Philosophie in Verbindung gebracht zu werden, ohne jemals selbst einen philosophischen Text verfaßt zu haben. Das liegt daran, daß sich der 1770 geborene Hölderlin während seines Theologie-Studiums am Tübinger Stift (1788-1793) mit Georg Hegel (1770-1831) und Friedrich Schelling (1775-1854) anfreundete und über diese nachweislich einen bedeutenden Einfluß auf den Deutschen Idealismus ausübte.

Anders als seine Freunde wurde Friedrich Hölderlin kein Philosoph, aber wie sie begann er nach dem Studium als Hauslehrer zu arbeiten. Hölderlin fühlte sich zum Dichter berufen, sein großes Vorbild war Friedrich Schiller (1759-1805). So muß es ein großes Glück für ihn bedeutet haben, als er 1794 nach Jena kam, Zugang zum Romantikerkreis fand und von seinem Idol Schiller sogar gefördert wurde - mehr Glück als er sich selbst zugestehen wollte? Mitte 1795 verließ Friedrich Hölderlin Jena fluchtartig - warum, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Vielleicht spielte seine Mutter, zu der er zurückkehrte, die entscheidende Rolle, die lange Zeit einen großen Einfluß auf den Halbwaisen ausübte und den Sohn am liebsten als Pfarrer gesehen hätte.

Anfang 1796 begann für Friedrich Hölderlin nochmals eine glückliche Zeit - aber auch das Unheil - als er eine Stelle als Hofmeister bei einem Bankier in Frankfurt antrat. Ab 1797 konnte er hier wieder mit dem Freund Georg Hegel zusammen sein, dem er eine Hauslehrerstelle vermittelt hatte. Wichtiger noch wurde für Friedrich Hölderlin jedoch die Dame des Hauses Susette Gontard (1768-1802), in die er sich unsterblich verliebte. Als »Diotima« erscheint sie in zahlreichen seiner Gedichte und dem Briefroman »Hyperion« (1797/1799). Doch es kam, wie es kommen mußte, die Beziehung ließ sich nicht für alle Zeit verheimlichen; 1798 warf der Hausherr den Hofmeister hinaus.

Daraufhin ging Friedrich Hölderlin nach Homburg zu dem landgräflichen Beamten Isaak von Sinclair (1775-1815), den er als Student in Tübingen und Jena schätzen gelernt hatte. Fieberhaft beendete Hölderlin die Arbeiten am zweiten Band des »Hyperion« und stürzte sich in neue Projekte. Er wollte berühmt werden - sicher auch mit dem Hintergedanken, Susette zu sich holen zu können - und war nicht einmal erfolgreich. Finanzielle Sorgen trieben ihn 1800 erneut zu seiner Mutter nach Nürtingen.

Zu diesem Zeitpunkt war er bereits gesundheitlich bzw. geistig auffällig. Die nachfolgenden Hofmeisterstellen in der Schweiz und in Bordeaux kündigte er schon nach kurzer Zeit. Zu Fuß kehrte er 1802 von Bordeaux zurück, um zu erfahren, daß Susette an den Röteln gestorben war - ein Schlag, von dem sich Friedrich Hölderlin nie wieder erholte. Wieder begrub er sich mit literarischen Arbeiten, übersetzte Werke der griechischen Dichter Sophokles (497/96-406/05 v. Chr.) und Pindar (ca. 518-440 v. Chr.).

Auf Betreiben seines Freundes Isaak von Sinclair erhielt er 1804 in Homburg eine Scheinanstellung als Bibliothekar - bezahlt wurde er aus Isaaks Privatvermögen. Als sich Isaak aufgrund von Verpflichtungen außerhalb Homburgs nicht mehr um Hölderlin kümmern konnte, brachte man ihn gegen seinen Widerstand in eine Klinik nach Tübingen.

Dem unheilbar Kranken wurde eine Lebenserwartung von nur noch drei Jahren prognostiziert. Da die Ärzte nichts für ihn tun konnten, übergaben sie ihn an den Tischler Ernst Zimmer, der sich für den »Hyperion« begeisterte und Hölderlin deshalb in der Klinik besuchte. Ernst Zimmer brachte Hölderlin im berühmten »Hölderlinturm« unter, von dem aus der naturliebende Dichter das Neckartal überblicken konnte. Hier lebte er noch 36 Jahre in einem Wechsel zwischen genialen Geistesblitzen und Wahnvorstellungen, bis er am 7. Juni 1843 starb.

Erst Anfang des 20. Jh. wurde Friedrich Hölderlin als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker entdeckt. Im »Hölderlinturm« in Tübingen befindet sich heute sein Museum.
Am 20. März wäre Johann Christian Friedrich Hölderlin 235 Jahre alt geworden.


Silke Sorge