Edwards Deming

Edwards Deming (14.10.1900-20.12.1993)

Wirtschaftswissenschaftler, Statistiker &... »Komponist«

Deutsche Wertarbeit - der Begriff stand einst synonym für qualitativ hochwertige Produkte aus Deutschland. Das ist längst passé, obwohl deutsche Produkte keineswegs schlechter geworden sind. Es liegt vielmehr daran, daß andere Länder, insbesondere Japan, aber auch die USA, sich enorm verbessern konnten und uns in vielen Bereichen inzwischen überflügelt haben. Am Ursprung dieser Entwicklung steht ein Mann, dessen Name selbst in Wirtschaftskreisen in Deutschland bis heute noch nicht sehr bekannt ist: Edwards Deming.

Seine Zauberformel heißt Total Quality Management (TQM). Dies ist eine Unternehmensphilosophie, bei der 14 zu beachtenden Punkte zu einer Reaktionskette führen, an derem Anfang eine Verbesserung der Produktqualität und an derem Ende als Resultat die Sicherheit der Arbeitsplätze steht (für Details siehe www.deming.de).

Der 1900 geborene William Edwards Deming wuchs unter ärmlichen, aber gebildeten Verhältnissen auf. Seine Eltern, der Vater hatte Mathematik und Rechtswissenschaften, die Mutter Musik studiert, waren 1904 einem Regierungsprogramm der USA zur Besiedlung des Westens gefolgt und hatten in Wyoming 40 Morgen Land erhalten. Das Land erwies sich jedoch als zur Bewirtschaftung nicht geeignet, so daß Edwards Deming frühzeitig durch Gelegenheitsjobs zum Unterhalt der Familie beitragen mußte. Die Eltern legten nichtsdestotrotz großen Wert auf die Ausbildung ihrer vier Kinder. Edwards Deming spielte mehrere Musikinstrumente.

1917 begann er an der University of Wyoming in Laramie Elektrotechnik und später Mathematik, mathematische Physik und Musiktheorie zu studieren. 1925 machte er an der University of Colorado seinen Abschluß und promovierte 1928 an der Yale University.

1927 arbeitete er in den Hawthorne-Werken der Western Electric, wo Telefongeräte zusammengeschraubt wurden. Die Arbeitsverhältnisse dort beeindruckten ihn - im negativen Sinne - zutiefst. In dieser Zeit kam er mit der statistischen Qualitätskontrolle (SQC) in Kontakt, die ihm Anhaltspunkte für die Entwicklung seines Total-Quality-Managements gab.

In den 30er Jahren arbeitete Edwards Deming für das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium, später für das Büro für Volkszählungen. Aus dieser Zeit stammt auch seine erste Komposition. Insgesamt schrieb er bis an sein Lebensende 2 Messen, mehrere Kantaten und eine leicht singbare Version der US-amerikanischen Nationalhymne.

Anfang der 40er bildete Edwards Deming Ingenieure in SQC aus. Seine eigenes System fand wenig Beachtung. Das änderte sich nach dem II. Weltkrieg. Edwards Deming arbeitete als Berater, z.B. als Statistiker bei der Überwachung von Wahlen, für zahlreiche Regierungen und die Vereinten Nationen. 1953 war er auch Berater des statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.

In den 50er Jahren half Edwards Deming in Japan beim Wiederaufbau der Wirtschaft. Bald wurde sein TQM begeistert umgesetzt, zunächst in der Automobilindustrie. Es wurde zum Garant für rasche und dauerhafte Erfolge. Mit dieser Unternehmensphilosophie und seinen Weiterentwicklungen schwangen sich die Japaner zu einem scharfen Konkurrenten auf dem Weltwirtschaftsmarkt auf. Bereits 1951 stifteten sie den begehrten Deming-Wirtschaftspreis.

Erst in den 70er und 80er Jahren wurde wegen des enormen Drucks TQM auch in den USA eingeführt. Seit Ende der 80er Jahre gibt es auch für Europa und Deutschland derartige Bemühungen, es ist allerdings bis heute nicht sehr weit verbreitet.

Ab den 60er Jahren arbeitete Edwards Deming auf verschiedenen Kontinenten auch als Dozent für Universitäten. Er erhielt zahlreiche hochrangige Auszeichnungen und Preise. Als seine Hauptwerke gelten »Quality, Productivity, and Competetive Positions« (1982) und »Out of the crisis« (1986).

William Edwards Deming starb 1993 in Washington. Am 14. Oktober wäre er 105 Jahre alt geworden.


Silke Sorge