Eduard Buchner

Eduard Buchner (20.05.1860 - 13.08.1917)

Chemiker, Enzymologe &... Patriot

Am 10. Dezember 1907 erhielt Eduard Buchner in Stockholm den Nobelpreis für Chemie »für die Entdeckung der zellfreien Gärung«. Das klingt nicht besonders aufregend, genau das war es aber, sowohl für Eduard Buchner als auch für die Wissenschaft.

Als Eduard Buchner seine Studien durchführte - Ende des 19. Jahrhunderts - hatten sich die Wissenschaftler gerade ein halbes Jahrhundert davor mühseelig von der Urzeugung verabschiedet, die Welt der Mikroorganismen entdeckt und gelernt, daß Phänomene wie Fäulnis, Verwesung und Gärung durch Lebewesen verursacht werden, die sich jenseits des Sichtbaren befinden. Folgerichtig taten sie sich schwer, die Gärungsaktivität als ein von der lebenden Zelle unabhängiges Produkt eines einzelnen Zellproteins zu begreifen.

Zwar hatte Moritz Traube (1826-1894) bereits Mitte des Jahrhunderts eine Enzymtheorie formuliert, doch da es selbst namhaften Größen wie Justus von Liebig (1803-1873) und Louis Pasteur (1822-1895) nicht gelungen war, biologische und enzymatische Aktivität voneinander zu trennen, wurde ihr keine Beachtung geschenkt. Eduard Buchner erbrachte diese Leistung und bahnte damit den Weg für einen neuen Wissenschaftszweig, die Enzymologie. Dabei handelte es sich bei seiner Entdeckung um ein Zufallsprodukt.

Eduard Alois Buchner wurde am 20. Mai 1860 in München geboren. Sein Leben wurde ziemlich durcheinander gewürfelt, als der Vater, ein Arzt, Anfang 1871 starb. Eduard wurde von der Schule genommen und mußte bei einem Onkel in die Lehre gehen, während der er einen Abschluß an der Handelsschule erwarb. Erst eineinhalb Jahre später konnte er seine Rückkehr an das Gymnasium durchsetzen, das er 1877 mit dem Abitur abschloß. Es folgte ein einjähriger freiwilliger Armeedienst, nach dem sich Eduard Buchner für ein Studium der Chemie, Botanik und Physik entschied.

Während des Studiums arbeitete er in einer Konservenfabrik, da er wohl eine Laufbahn als Lebensmittelchemiker plante. In dieser Zeit kam er bereits mit Fragen der Gärungschemie in Kontakt. Als die Firma Anfang 1883 nach Mombach bei Mainz umsiedelte, ging Eduard Buchner zunächst mit, kehrte aber aufgrund zu geringer Perspektiven einige Monate später nach München zurück, um sein Studium wieder aufzunehmen.

1885 veröffentlichte Eduard Buchner seine erste Arbeit »Über den Einfluß des Sauerstoffs auf Gärungen«, in der er sich als hervorragender Experimentator und Denker erwies. Sein Professor Adolf von Baeyer beantragte für ihn von 1887-89 ein Lamont-Stipendium, für das er eine Arbeit »Über Gelantine« vorlegte. 1888 promovierte er unter der praktischen Betreuung durch Theodor Curtius (1857-1928) über »Eine neue Synthese von Derivaten des Trimethylens«, worin er die Existenz eines Cyclopropanringes bewies. Während seiner Habilitation (1891) synthetisierte er als erster Pyrazol.

Zur Gärung kam Eduard erneut auf Wunsch seines Bruders Hans Buchner (1850-1902). Der Mediziner bat seinen jüngeren Bruder, zellfreie Extrakte aus Hefe für ihn zu gewinnen. Adolf von Baeyer richtete ihm sogar ein gärungschemisches Labor ein, doch bald wünschte er die Einstellung der Arbeiten. Daraufhin ging Eduard Buchner 1893 zu Theodor Curtius nach Kiel, wo er u.a. erstmals eine metallorganische Diazoverbindung synthetisierte. 1896 wurde er als außerordentlicher Professor nach Tübingen berufen. Erst jetzt konnte Eduard Buchner die Arbeiten für seinen Bruder fortsetzen und stieß bei dem Versuch, die vergänglichen Zellpreßsäfte mit Zucker zu konservieren, auf die zellfreie Gärung. Leider brauchte es fortan sein ganzes experimentelles Geschick, um seiner Entdeckung zur Anerkennung zu verhelfen, die 1907 mit dem Nobelpreis nur vorübergehend erreicht war.

Zwischenzeitlich war Eduard Buchner 1898 nach Berlin gewechselt, wo er mit dem »Norcaran« seinen letzten bemerkenswerten Erfolg in der Organik vorlegte, die erstmalige Darstellung einer bizyklischen Verbindung.

1909 startete er in Breslau und 1911 in Würzburg Versuche, an die alten Erfolge in der organischen Chemie anzuknüpfen, die durch den Ausbruch des I. Weltkrieges abgebrochen wurden. Er meldete sich trotz seines fortgeschrittenen Alters als Freiwilliger an die Front. Die Gründe für diesen ungewöhnlichen Schritt des dreifachen Familienvaters waren vielfältiger Natur. Als wichtigster ist wohl eine ausgeprägte Vaterlandsliebe zu nennen. In Rumänien erlitt er eine Verwundung, an der er am 13. August 1917 verstarb.

Ein denkwürdiges Ende eines denkwürdigen Lebens, in dem ein Wissenschaftler durch eine Zufallsentdeckung - für die er dann aber wenigstens berühmt wurde bzw. berühmt sein sollte - von seinen erfolgreichen Forschungen abgebracht wurde. Wer weiß, was dieser Mann zu leisten imstande gewesen wäre, wenn er auf bessere Bedingungen und verständigere Wissenschaftler gestoßen wäre!

Am 20. Mai wäre Eduard Alois Buchner 145 Jahre alt geworden.

 
Silke Sorge