Agatha Christie (15.09.1890-12.01.1976)

Krimischriftstellerin, Bühnenautorin... & Archäologin

Agatha Christie - beim Klang dieses Namens durchlaufen jeden Krimifan Schauer des Entzückens. Die Hauptfiguren ihrer Romane - Miss Marple und Hercule Poirot - erscheinen uns jedoch vertrauter als die Meisterin selbst.

Agatha Mary Clarissa Miller wurde am 15. September 1890 in Torquay (Großbritannien) als jüngstes Kind wohlhabender Eltern geboren. Sie erhielt häuslichen Unterricht von ihrer Mutter. Schon als junges Mädchen schrieb sie Gedichte, die gelegentlich in lokalen Zeitungen veröffentlicht wurden.

1914 heiratete sie Archibald Christie, einen Oberst der königlich-britischen Luftwaffe, mit dem sie eine gemeinsame Tochter Rosalind (1919-2004) hatte. Ein Musikstudium in Paris wurde durch den I. Weltkrieg beendet. Agatha Christie arbeitete als Krankenschwester beim britischen Roten Kreuz, später in einer Apotheke. Während dieser Zeit eignete sie sich das Wissen über die vielen Gifte an, die ihre Romanfiguren später verwenden würden.

Erst 1920, im Alter von 30 Jahren, konnte sie ihren ersten Kriminalroman zunächst in den USA veröffentlichen, sie hatte so lange gebraucht, um einen Verleger zu finden. In »Das geheimnisvolle Verbrechen in Styles« (1920, dt. später »Das fehlende Glied in der Kette«) stellte sie den eigensinnigen Hercule Poirot, einen pensionierten, belgischen Polizeibeamten, vor.

Agatha Christie wurde schnell berühmt, privat lief es für sie weniger erfreulich. 1926 fand man ihr Auto verlassen in einem Straßengraben. Elf Tage lang glaubte die Öffentlichkeit, informiert oder irritiert durch eine für die damalige Zeit beispiellose Pressekampagne, daß die Schriftstellerin einem Verbrechen zum Opfer gefallen war. Tatsächlich hatte sie wohl nur ihren Ehegatten erschrecken wollen, der eine Affäre mit einer anderen Frau hatte. 1928 wurde die Ehe geschieden.

Agatha Christie bereiste den Orient, wo sie den Archäologen Max Mallowan (1904-1978) kennenlernte, den sie 1930 heiratete. Im selben Jahr veröffentlichte sie mit »Mord im Pfarrhaus« den ersten Krimi mit Miss Jane Marple. In 13 Büchern war die schrullige alte Dame erfolgreiche Detektivin und wurde in den 60er Jahren in Verfilmungen mit Margaret Rutherford (1892-1972) auch zum Fernsehstar. Allerdings wurde nur einer der Filme tatsächlich nach einem Miss Marple-Roman gedreht (»16 Uhr 50 ab Paddington«, 1961, orig. »Murder, She Said«). »Der Wachsblumenstrauß« (1963, orig. »Murder at the Gallop«) und »Vier Frauen und ein Mord« (1964, orig. »Murder Most Foul«) hatten Hercule Piorot-Vorlagen, der vierte Film (»Mörder ahoi«, 1964, orig. »Murder Ahoy«) war frei erfunden.

Mit ihrem zweiten Ehemann verbrachte Agatha Christie viel Zeit auf der arabische Halbinsel und in Ägypten. Sie arbeitete bei archäologischen Projekten ihres Mannes mit und unterstützte darüberhinaus etliche seiner Kampagnen auch finanziell. Ihre Erlebnisse und Eindrücke verarbeitete sie in Kriminalgeschichten. Wahre Klassiker sind »Mord im Orient-Expreß« (1934) und »Tod auf dem Nil« (1937), die auch verfilmt wurden.

Ebenfalls berühmt wurde »Zeugin der Anklage« (1953, orig. »Witness for the Prosecution«) durch eine Verfilmung aus dem Jahre 1957 mit Marlene Dietrich (1901-1992) in der Hauptrolle. Insgesamt hinterließ uns Agatha Christie 66 Kriminalromane, 144 Kurzgeschichten und 15 Theaterstücke. Unter dem Pseudonym Mary Westmacott veröffentlichte sie sogar sechs Liebesromane. Ihr erfolgreichstes Theaterstück »The Maustrap« (1952, dt. »Die Mausefalle«, 1953) wird seit seiner Uraufführung ununterbrochen allabendlich in London gespielt und stellt damit das am längsten aufgeführte Drama der Literaturgeschichte dar.

1971 wurde Agatha Christie geadelt, 1976 starb sie in Wallingford in Großbritannien. Postum erschien 1977 »An Autobiography« (dt. »Meine gute alte Zeit«).
Dame Agatha Mary Clarissa Christie wäre am 15. September 115 Jahre alt geworden.


Silke Sorge