Fernstudium Psychologischer Berater

In Zeiten permanent wachsender Anforderungen und einer sich immer schneller wandelnden Umwelt steigt der Bedarf an psychologischer Beratung und Betreuung. Viele Menschen benötigen Unterstützung beim Bewältigen persönlicher Konflikte, bei Orientierungsdefiziten, kräfteraubenden Beziehungsproblemen oder krankheitsbedingten Einschränkungen. Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen und Psychiater/innen sind diesem Ansturm längst nicht mehr gewachsenen. Die Folge sind unerträglich lange Wartezeiten selbst für Menschen, die Hilfe ganz dringend brauchen. Psychologische Berater/innen füllen diese Bedarfslücken aus und helfen Ratsuchenden in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Eine nicht-akademische Weiterbildung in diesem Fachgebiet vermittelt entsprechende Lösungsansätze und gibt umfassende Einblicke in Themenfelder wie die Beratungs- und Coaching-Kommunikation, die Konfliktbewältigung und die Motivation.

Berufsaussichten als Psychologische/r Berater/in

Auf Absolventen und Absolventinnen einer Weiterbildung zum/zur Psychologischen Berater/in warten vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Sie beraten in ihrer eigenen Praxis oder im Angestelltenverhältnis Klienten und Klientinnen beispielsweise bei privaten und beruflichen Problemen, helfen, Streitigkeiten in privaten Beziehungen oder am Arbeitsplatz zu beenden und bieten Trainings für Führungskräfte an. In Unternehmen können sie als Ansprechpartner für innerbetriebliche Konflikte wie Unzufriedenheit der Mitarbeiter/innen oder Mobbing fungieren oder ihr Wissen im Personalwesen zur Verfügung stellen.

Psychologische Berater/innen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, haben die Möglichkeit, ihre während der Weiterbildung erworbenen Kenntnisse zu vertiefen und sich auf besondere Bereiche wie Elternberatung, Arbeits- und Organisationspsychologie oder Paarberatung zu spezialisieren oder Angehörigen von Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigen zur Seite zu stehen. Damit bieten sich für diese Berufsgruppe beste berufliche Perspektiven und Karrierechancen.

Gehalt

Die meisten Psychologischen Berater/innen sind selbstständig tätig und haben somit Ihr Einkommen selbst in der Hand. Daher lassen sich pauschale Aussagen zum Gehalt nur schwer treffen. Als Faustregel für Berufseinsteiger empfiehlt sich ein Stundensatz von 40 bis 50 Euro für eine Einzelberatung. Mit entsprechender Berufserfahrung sind durchaus 120 bis 150 Euro pro Stunde und mehr möglich.

Berufsbild und Arbeitsgestaltung

In zunehmendem Maße ersetzen Psychologische Berater/innen die Großfamilie sowie den Seelsorger vergangener Zeiten. Anders als Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen geht es ihnen jedoch nicht darum, psychische Probleme und Erkrankungen zu analysieren. Ihr Ziel ist es vielmehr, den Ratsuchenden zur richtigen Balance zwischen Ruhe und Aktivität im Leben zu verhelfen und diese zu bewahren. Sie klären über Zeit-, Stress- und Krisenmanagement auf und schlagen den Betroffenen für ihre Situation geeignete Bewältigungsstrategien vor. Dabei werden keine festen Lösungswege vorgegeben, sondern die Klienten in Gesprächen zur Selbstreflexion und zum eigenständigen Finden möglicher Auswege angeregt.

Psychologische Berater/innen dürfen ausschließlich psychisch gesunde Menschen beraten. Wird ein pathologisches seelisches Leiden deutlich, beispielsweise eine Depression oder ein Burnout, dürfen sie nicht tätig werden, sondern müssen den/die Betroffene/n an eine/n Arzt/Ärztin oder eine/n Psychotherapeuten/Psychotherapeuten verweisen.

Wie genau eine psychologische Beratung abläuft, hängt von der jeweils angewendeten Methode ab. Wie bei der Psychotherapie kommen auch hier tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische, aber auch kommunikationspsychologische Techniken zur Anwendung. Der/die Berater/in agiert auf Augenhöhe mit seinen Klienten und Klientinnen und sucht gemeinsam mit diesen nach Lösungsmöglichkeiten für bestehende Konflikte und Probleme.

Die psychologische Beratung versetzt die Ratsuchenden in die Lage, ein besseres Verständnis für ihr soziales Umfeld zu entwickeln und ihre individuellen sozialen und persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen zu entdecken, weiterzuentwickeln und anzuwenden. Indem der/die Psychologische Berater/in dazu beiträgt, dass seine Klienten und Klientinnen in Einklang mit sich selbst und ihrer Umwelt kommen, lernen diese, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen ohne schlechtes Gewissen nachzugehen.

Inhalte und Ablauf des Fernlehrgangs

Zu den Lerninhalten von Weiterbildungen zum/zur Psychologischen Berater/in gehört neben moderner Kommunikation und Grundlagenwissen zum neurolinguistischen Programmieren auch die zwingend notwendige Abgrenzung der psychologischen Beratung von der Psychotherapie. Die Teilnehmer/innen befassen sich mit systemischen Beratungsmethoden, Selbst-Coaching und Methoden der kognitiven Umstrukturierung, aber auch mit Elementen der Konfliktberatung und Tiefenpsychologie. Sie verschaffen sich einen Überblick über wichtige Gesetze und erhalten nützliche Tipps zur Gründung einer eigenen Praxis. Darüber hinaus bekommen sie Einblicke in die Beratungspraxis, die Gewerbeanmeldung und die Abrechnung von Honoraren.

Die reguläre Kursdauer variiert je nach Anbieter zwischen 15 und 18 Monaten. Allerdings können die Studierenden auch schneller oder langsamer vorgehen. In einzelnen Fällen ist eine Verlängerung auf bis zu zwei Jahre möglich. Vermittelt werden die Lehrgangsinhalte mithilfe von Lehrheften, mit denen sich die Teilnehmer/innen bei freier Zeiteinteilung eigenständig beschäftigen. Zusätzlich gibt es bei den meisten Fernschulen Präsenzseminare, in denen die angehenden Psychologischen Berater/innen ihr theoretisches Wissen vertiefen, Fragen stellen und Beratungssituationen trainieren können. Zu Ende einer jeden Lektion sind Einsendeaufgaben zu bearbeiten, die von den Tutoren und Tutorinnen bewertet oder beurteilt werden. Darüber hinaus gibt es eine schulinterne Prüfung, deren erfolgreiches Bestehen die Voraussetzung für die Vergabe des Zertifikats der Fernschule ist.

Zugangsvoraussetzungen

Zu Beginn des Kurses sollten die Teilnehmer/innen mindestens 23 Jahre alt sein und über einen Realschulabschluss verfügen. Außerdem müssen sie seelisch gesund sein und dürfen sich nicht selbst in Therapie befinden. Wer in psychologischer Behandlung ist, benötigt ein Attest seine Arztes/seiner Ärztin, aus dem ersichtlich ist, dass die derzeitigen Probleme einer Tätigkeit als Psychologische/r Berater/in nicht im Wege stehen.

Da sich Psychologische Berater/innen mit den innersten Gedanken ihrer Klienten und Klientinnen auseinanderzusetzen haben, sollten sie über bestimmte Fähigkeiten und Charaktereigenschaften verfügen. Dazu gehören beispielsweise Einfühlungsvermögen, Nächstenliebe, die Fertigkeit zum Zuhören, Zuverlässigkeit, Respekt, Offenheit und eine gewisse Lebenserfahrung. Um das Fernstudium erfolgreich absolvieren zu können, sollten sich außerdem selbst motivieren können und Disziplin, ein gutes Zeitmanagement sowie Organisationstalent besitzen.

Kosten eines Fernstudiums

Die Kosten für eine Weiterbildung zum/zur Psychologischen Berater/in belaufen sich je nach Anbieter und Ausbildungsdauer auf 1.000 bis 2.000 Euro. Meist besteht die Gelegenheit, den Fernkurs vorab für vier Wochen kostenlos zu testen.

Mögliche Abschlüsse

Für die Teilnahme am nicht-akademischen Fernstudium, den Praxisseminaren und den Einsendeaufgaben bekommen die Studierenden meist ein Teilnahmezertifikat. Wer die Abschlussprüfung erfolgreich absolviert, erhält außerdem ein Abschlusszeugnis und das Zertifikat der jeweiligen Fernschule. Mit dem Abschlusszertifikat besteht die Möglichkeit, die Aufnahme in den Deutschen Fachverband Coaching (DFC) zu beantragen.

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