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20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychosozial-Verlag)

20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychosozial-Verlag)

20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychosozial-Verlag)

Deutschland scheint in der Vereinigung konsolidiert und wir gehen bei aller Verschiedenheit gemeinsame Wege. Doch schaut man genauer hin, sind die Verwerfungen noch sichtbar, die aus der getrennten Geschichte rühren.

  • Brähler, Elmar; Mohr, Irina (Hg.),
  • 20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit
  • Buchreihe: edition psychosozial
  • 298 Seiten, Broschiert, Format: 148 x 210 mm
  • Verlag: Psychosozial-Verlag
  • Erschienen im August 2010
  • ISBN-13: 9783837920932

Wo stehen wir 20 Jahre nach der Vereinigung des einstmals streng geteilten Deutschland? Die politischen und administrativen Weichenstellungen sind weitgehend abgeschlossen. Deutschland scheint in der Vereinigung konsolidiert und wir gehen bei aller Verschiedenheit gemeinsame Wege. Doch schaut man genauer hin, sind die Verwerfungen noch sichtbar, die aus der getrennten Geschichte rühren. Auf den Landkarten empirischer Forschungen zum Parteiensystem, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Demografie kann man die alten Grenzen deutlich erkennen. Immer wieder aufflammende Debatten zu sozialen Werten, Geschichtsbildern und außenpolitischer Identität markieren gleichfalls die noch vorhandenen Problemzonen der geteilten Wirklichkeit.

Sind das nur Phantomschmerzen, Trugbilder einer eigentlich abzulegenden Doppelperspektive? Haben sich die empirisch vorhandenen Unterschiede in Einstellungen, sozialer Befindlichkeit und kulturellem Habitus normalisiert oder sind sie für eine gemeinsame Wirklichkeit zu gravierend? Welche Debatten sind noch zu führen, und gehen wir denselben Weg gemeinsam oder getrennt?

Dieses Buch vereint wissenschaftliche Aufsätze, empirische Forschungsberichte und publizistische Denkanstöße zur Annäherung an mögliche Antworten auf diese Fragen. Die Autorinnen und Autoren legen Bestandsaufnahmen und kritische Wegerkundungen unserer Gesellschaft vor, die sich im Prozess der Vereinigung auf zukünftige Herausforderungen einzustellen hat.

Mit Beiträgen von C. Albani, H. Bailer, P. Bender, H. Berth, G. Blaser, E. Brähler, U. Busch, P. Förster, M. Geyer, A. Gröschner, N. Grulke, R. Haubl, J. Hein, F. Hoyer, F. Jacobi, U. Kasparick, Th. Lampert, H.-J. Misselwitz, I. Mohr, O. Reis, R. Reißig, G. Schmutzer, F. Schorlemmer, H.-J. Stiehler, Y. Stöbel-Richter, J. Strittmatter, W. Wagner, K. Weidner und M. Zenger

 

Kathleen Kühne über Brähler, Elmar; Mohr, Irina (Hg.), 20 Jahre deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychosozial Verlag)

Rezension zu »20 Jahre deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit«

Kathleen Kühne
Der vorliegende Titel »20 Jahre deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit« ist 2010 im Psychosozial-Verlag erschienen. Die Herausgeber Elmar Brähler und Irina Mohr stellten in Ihrem Buch Beiträge einer Reihe von Autoren zur gegenwärtigen Lage der Nation zusammen. Dabei wurden laut Vorwort sowohl empirische Forschungsergebnisse zur Lage der Menschen im vereinten Deutschland als auch politische, soziale und ökonomische Analyse zur inneren Einheit eingebunden.
Das Buch besteht passenderweise aus 20 Kapiteln mit teils sehr kreativen Titeln, die sich mit Eigentumstransformation in Ostdeutschland, den Folgen der Wiedervereinigung auf die Situation im heutigen Europa, den Resten der DDR-Identität, der Erinnerung, Wahrnehmung und Bewertung, der Entwicklung des Tabakkonsums und Adipositas und vielem mehr beschäftigen. Ich werde im Folgenden ein paar ausgewählte Kapitel kurz näher beleuchten:
Gleich das erste Kapitel »Voll geschäftsfähig« von Jakob Hein empfand ich als eine sehr gelungene Einleitung und es beinhaltet einen Glückwunsch des Autors an die Bundesrepublik.
Im dritten Kapitel »Sieben Wunder der Vereinigung« beschreibt der Journalist Peter Bender die innen- und außenpolitische Lage in den Wendejahren und die Schritte die letztendlich zum Fall der Mauer führten. Man kann in der Tat von Wunder sprechen, dass es letztendlich zur Wiedervereinigung kam.
In Kapitel 9 »Epidemiologische Aspekte der Familiengründung – was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert« gibt eine Autorengruppe aufbauend auf der Sächsischen Längsschnittstudie, die 1987 begann, einen Überblick über die Entwicklungen zum Thema Familienplanung und -gründung. Dabei wird deutlich, wie wichtig es für den Osten Deutschlands ist und künftig sein wird sich mit dem Bevölkerungsrückgang auseinanderzusetzen.
Ulrich Kasparicks Artikel zu »Ostdeutschland als Zukunftslabor: Neue Aufgaben für neue Generationen« hat mir auch sehr gut gefallen. Nun nach 20 Jahren ist zwar schon vieles erreicht, einige Probleme aber noch ungelöst und ganz neue werden, gerade auch wegen des demographischen Wandels, erst auftreten und zu lösen sein.
Am Ende des Buches befindet sich auch ein ganz interessantes Autorenregister mit kurzer Vita der einzelnen Autoren.
Ich finde, es ist eine sehr schöne Themenzusammenstellung gelungen. Es gibt keine unnötige Redundanz und das Thema wird von vielen Blickwinkeln aus betrachtet. Gerade für mich, als in der DDR Geborene und nun im Westen der Republik Lebende, waren die Analysen sehr spannend. Ich finde in diesem Buch ist eine faszinierende und fesselnde Kombination aus Vergangenheit, Gegenwart und teilweise auch Zukunft gelungen, die zudem auch sprachlich sehr gut umgesetzt wurde und verständlich ist. Ich kann das Buch guten Gewissens jedem an dem Thema Interessierten empfehlen.

Kathleen Kühne, Hannover im Dezember 2010

 

Katharina Weweler über Brähler, Elmar; Mohr, Irina (Hg.), 20 Jahre deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychosozial Verlag)

Rezension über das Buch »20 Jahre deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit« von Elmar Brähler und Irina Mohr

Katharina Weweler

Das Buch »20 Jahre deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit« von Elmar Brähler und Irina Mohr geht auf die Zeit der DDR und ihre Widervereinigung bis heute ein.
In dem Buch wurden Artikel und Texte von vielen Persönlichkeiten veröffentlicht, unter anderem Jabok Hein mit seinem Text »Voll geschäftsfähig« oder auch von Annett Gröschner »Der Osten in mir«. Das Buch gibt Studien und Erfahrungen wieder.
Das Buch umfasst insgesamt ein Vorwort, 20 geschriebene Texte der verschiedenen Personen und eine Auskunft über alle aufgelisteten Autoren der inneren Texte. Dadurch dass die einzelnen Kapitel aufgegliedert sind, sind es sogar 29 sehr interessante Beiträge namhafter Autoren.
Von außen ist das Buch sehr ansprechend aufgebaut. Das Bild zeigt ein Haus mit »zwei Gesichtern«, eine schöne freundliche Seite rechts und eine zerfallende Haushälfte, sehr marode und heruntergekommen, links.
Innerhalb des Buches sind keine Bilder und nur wenige Grafiken (hauptsächliche am Ende des Buches) vorhanden. Die Texte sind Zeile für Zeile geschrieben und die schwarze Schrift ist alles was man auf dem hellen Papier sieht. Dafür sind die Kapitel sauber gegliedert und einzelne Texte der Autoren in sich nochmal gegliedert, das macht es wieder leichter zu lesen.
Einzelne Begriffe sind in einer Fußzeile unterhalb der Seite erklärt und sauber abgetrennt, so dass man nicht umblättern oder gar ein anderes Buch zur Erklärung raussuchen muss. Am Ende jedes Textes, wo nötig war, der einzelnen Autoren ist ein Literaturverzeichnis angegeben, woher die Daten bezogen wurden.
Das Buch geht auf Debatten zwischen West und Ostdeutschland ein. Die Wiedervereinigung ist über 20 Jahre her und es ist anscheinend noch immer nicht so wie es scheint. Viele Ostdeutsche fühlen sich offenbar auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung von ihren Mitmenschen im Westen als Menschen zweiter Klasse behandelt. Das geht aus einer der Studien hervor, wie aus dem Buch hervorgeht. Das Buch hat sowohl empirische Daten in seinen Texten als auch politische und wirtschaftliche Beiträge, es ist weit gefächert und geht auf so gut wie alle denkbaren Debatten in diesem Thema ein. Von Datenanalyse, bis Umfrageauswertungen und reine Fakten, die Autoren decken ein sehr breites Spektrum ab.
Das Buch lässt sich insgesamt leicht lesen und ist leicht verständlich. Es ist nicht nur für ältere Menschen gedacht, die die DDR Zeit miterlebt haben, auch jüngere die nach der Wiedervereinigung geboren wurden oder in der Zeit aufgewachsen sind, ist es ein sehr interessantes Buch. Es bringt den jüngeren Menschen die Zeit während der DDR und danach näher und lässt diese womöglich für den einen oder anderen schwere Zeit näher bringen und auch verständlicher.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch wirklich eine Bereicherung für Bücher nach der DDR Zeit ist, es ist leicht verständlich und animiert sich für die Zeit zu interessieren.

Antje Armstroff über Elmar Brähler, Irina Mohr (Hg.), 20 Jahre Deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychosoziao Verlag)     

20 Jahre Deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit
Elmar Brähler, Irina Mohr (Hg.)
Rezension von Antje Armstroff, Dezember 2010

Wo stehen wir 20 Jahre nach der Vereinigung des einst geteilten Deutschlands? Unter dieser großen Fragestellung steht das Buch »20 Jahre Deutsche Einheit – Facetten einer geteilten Wirklichkeit«, herausgegeben von Prof. Dr. Elmar Brähler und Dr. Irina Mohr.
»Mit diesem Buch legen wir sowohl empirische Forschungsergebnisse zur Lage der Menschen im vereinten Deutschland als auch politische, soziale und ökonomische Analysen zur Inneren Einheit vor. Wir hoffen, das Buch gibt Denkanstöße, trägt zur Vergewisserung über die gegenwärtige Lage bei und macht wichtige Aspekte der geteilten Wirklichkeit für zukünftige Herausforderungen nutzbar«, so die Herausgeber über das vorliegende Werk (S. 13).

Auch wenn die politischen und administrativen Weichenstellungen weitgehend abgeschlossen sind und wir im vereinten Deutschland gemeinsame Wege gehen, so werden doch in der empirischen Forschung, der Demografie wie auch in Debatten zu sozialen Werten, Geschichtsbildern u.v.a. die noch vorhandenen Problemzonen sichtbar.
Das Buch möchte den Fragen nachgehen, ob wir Deutsche zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung eine gemeinsame Wirklichkeit teilen, worin sich die Ost- und Westdeutschen unterscheiden und gleichen und ob wir bereit und in der Lage sind, die vor uns liegenden Zukunftsaufgaben gemeinsam zu meistern. Die Antworten sollen anhand neuester empirischer Daten und politischer Reflektionen gefunden werden, wozu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Autorinnen und Autoren der verschiedensten Fachdisziplinen eingeladen waren. »So entsteht ein facettenreiches Ensemble empirisch gewonnener Erkenntnisse, analytischer Betrachtungen und persönlicher Anschauung«, so Brähler und Mohr in ihrem gemeinsamen Vorwort (S. 11).


Dieses Ensemble ist ebenso umfangreich wie vielfältig: es finden sich Aufsätze und Studien über die komplexe innen- und außenpolitische Lage von 1989/90, über die »Befindlichkeiten« von »Ossis« und »Wessis«, über die außenpolitischen Weichenstellungen der Wende und ihre Folgen für die Situation im heutigen Europa, über das Bestehen und den Wandel sozialer Instanzen und Gepflogenheiten in Ostdeutschland. Neben vielen Fakten, Daten und Statistiken sind aber auch ganz persönliche Erfahrungen von in der DDR Geborenen zu lesen. Wie bewerten sie im Rückblick ihre einstige Welt und ihre Biographie? Die letzten Aufsätze des Buches widmen sich der Zukunftsperspektive: So geht die Politologin und Herausgeberin Dr. Irina Mohr der Frage nach, ob die Ost- und Westdeutschen ihre Erfahrungswelten ausreichend nutzen, um in ein gemeinsames Zukunftsprojekt einsteigen zu können. Zu medizinischen und sozialen Daten in den alten und neuen Bundesländern wurden vergleichende Untersuchungen durchgeführt: Frank Jacobi und Jürgen Hoyer suchen nach messbaren Unterschieden der psychischen Gesundheit, Thomas Lampert erforscht die Differenzen in Bezug auf Tabakkonsum, sportliche Aktivität und Adipositas, Rolf Haubl und Elmar Brähler analysieren Neid und soziale Gerechtigkeit zwischen Ost und West.

Es würde den Umfang dieser Rezension sprengen, auf jeden Aufsatz einzeln einzugehen und aus diesem Grund möchte ich einen Artikel besonders herausstellen: »Die betongewordene Staatslüge« von Friedrich Schorlemmer. »So viele Jahre, im Extremfall 28 Jahre lang eingemauert leben, hinter einer ›Friedensgrenze‹, die zwei Weltsysteme waffenstrotzend trennte, hinterlässt tiefe innere Spuren«, sagt der Theologe (S.77). Er beschreibt das »Leben im Arbeiter- und Mauernstaat«, er schreibt von einer Dressur in allen Lebensbereichen, von Unterwerfung und Unterwerfungsbereitschaft, von einer Doppelexistenz von »privat« und »öffentlich«, von Demütigungen und Ausgeliefertsein, aber er schreibt auch von Freundschaft, Liebe, Kultur und sozialer Sicherheit. »Selbst unter unwürdigen Bedingungen gab es Leben in Würde. Im falschen gab es wahres Leben!« (S. 79) Schorlemmer zeichnet ein deutliches und nachvollziehbares Bild vom Leben in der DDR wie auch von der Außen- und Innenpolitik. Er nimmt den Leser mit hinein in das geteilte Land und den geteilten Himmel, mit hinein in das Arrangement der Großmächte. Er zitiert die berühmte Rede Kennedys im Juni 1963 in Westberlin und ordnet die weltbekannte Aussage »Ich bin ein Berliner« in den richtigen Kontext ein, aus dem sie oft herausgerissen wurde und wird. Schließlich wagt Schorlemmer einen Ausblick »bis alle Mauern fallen« und schreibt: »Freiheit verträgt keine Mauern, aber die Menschheit braucht einen gemeinsam verabredeten Ordnungsrahmen – und ein großes Palaver über unsere unterschiedlichen Herkünfte, Geschichten, Prägungen, Träume, Verletzungen, Normen, Lebensweisen, Glücksvorstellungen« (S. 96).
Und dazu leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag.

 

Martina Große über Brähler, Elmar; Mohr, Irina (Hg.), 20 Jahre deutsche Einheit- Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychososzial Verlag)

Rezension über »20 Jahre deutsche Einheit- Facetten einer geteilten Wirklichkeit«

Martina Große

Das vorliegende Buch »20 Jahre deutsche Einheit- Facetten einer geteilten Wirklichkeit« von Elmar Brähler und Irina Mohr hat mich sofort angesprochen, da mich der Titel neugierig ge¬macht hat. Seit meiner Schulzeit habe ich mich intensiv mit deutscher Geschichte befasst, wobei das geteilte Deutschland immer zu kurz gekommen ist. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, mich mit diesem Buch vertraut zu machen, in der Hoffnung viele unterschiedliche Positionen zu diesem Thema kennenzulernen, um den historischen Hintergrund besser nachvollziehen zu können. Es interessiert mich ganz besonders, ob sich nach 20 Jahren etwas verändert hat oder nicht. Im Folgenden beziehe ich zu den einzelnen Facetten des separierten Deutschlands Stellung.

Die Bundesrepublik Deutschland existiert mittlerweile seit 20 Jahren und kann sich laut Jakob Hein endlich als »Voll geschäftsfähig« bezeichnen. Mir gefällt an dieser Stelle der ironische Unterton des Autors, weil er auf spöttische Weise aussagt, dass es Deutschland endlich gelungen ist, aus seinen Kinderschuhen zu schlüpfen und bereit ist selbst für sich Verantwortung zu tragen.

In dem nachfolgenden Text »Der Osten in mir« beschreibt die Autorin Annett Gröschner ihre eigene Zerrissenheit zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland nach dem Mauerfall. Aus meiner Sicht kann man als außen stehende Person sich nicht in sie hineinversetzen, weil man nicht wie sie selbst in der DDR gelebt hat und somit auch nicht den Fall der Berliner Mauer und die damit verbundenen Veränderungen miterlebt hat.

Der Autor Peter Bender erklärt in seinem Text die »Sieben Wunder der Vereinigung« wie es zum totalen Zusammenbruch des Kommunismus in Europa kam. Meiner Meinung nach beschreibt er hier sehr eindrücklich in kleinen Schritten wie dieser Prozess schleichend vonstatten ging und dabei den Zerfall des europäischen Kommunismus bewirkte.

Anhand des Kulturschocks nach der Vereinigung von Ost- und Westdeutschland schildert der Autor Wolf Wagner, wie es zu Enttäuschungen und Verbitterungen der deutschen Bevölkerung kam. Meiner Ansicht nach gelingt es ihm nicht, klar herauszustellen, weshalb die deutsche Bevölkerung unter der Vereinigung Deutschlands leidet.

Der folgende Text von Ulrich Busch handelt von den unterschiedlichen Ansichten der DDR- Bürger über die Eigentumsverhältnisse, die zur Folge hatten, dass sich weder die Planwirtschaft erneuern noch dass sich eine basisdemokratische Lösung finden ließ, weil es aufgrund von Überforderung keine Einigung geben konnte. Ich finde, dass er hier sehr viele Spekulationen anführt, die für mich als Leserin nicht nachvollziehbar sind wie zum Beispiel die Entstehung von Treuhandanstalten, die die Übernahme des marktwirtschaftlichen Konzeptes bremsten oder die Aufteilung des Vermögens der DDR auf ihre Mitbürger.

Der Autor Friedrich Schorlemmer bringt mit einem Slogan zum Ausdruck, wie die DDR definiert ist, nämlich so: »Entmündigung durch Umhegung, Befreiung durch Enteignung!« Ich finde diese Aussage von ihm sehr gut, da sie die Realität in Ostdeutschland widerspiegelt. Des Weiteren finde ich bemerkenswert, dass man die Mauer laut seiner Aussage als Schutzwall aber auch als Gefängnis betrachten kann.

Deutschland erlangte durch den »Status quo« nach Hans-J. Misselwitz seine Autonomie nach der Vereinigung innerhalb Europas zurück, obwohl der Staat Schwierigkeiten hatte, sich im Staatengeflecht von Europa zu positionieren, womit auch das Ende des Kalten Krieges einherging. Es gefällt mir, dass er zum Schluss einen Ausblick auf die heutige Zeit gibt, indem er zum einen von der Distanzierung zu Russland nach der Vereinigung berichtet und zum anderen von der Widerannäherung an Russland durch die Initiative des US- Präsidenten Barrack Obama.

Im Text über den sozialen Wandel nach der Vereinigung Deutschlands gibt der Autor Olaf Reis bekannt, dass Kinder aus Ostdeutschland acht Jahre nach der Wiedervereinigung von ihren Eltern für die damalige Lage mitschuldig gemacht werden. Meiner Meinung nach nehmen die Konflikte innerhalb von Familien zu, da die Eltern einer anderen Generation angehören und der Autor nennt noch weitere Gründe dafür, was ich persönlich schön finde, weil man dadurch nicht nur einen einseitigen Blick auf die Dinge bekommt.

Der Lebensstil der Menschen im vereinigten Deutschland hat sich dahingehend geändert, dass die Menschen frei entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Es wird hierzu treffend bemerkt, dass dadurch immer mehr Frauen ihren Kinderwunsch aufgaben. Eine Familie zu gründen stand nicht mehr an erster Stelle, sondern die Selbstverwirklichung des Individuums.
Der folgende Text »Tickt der Osten anders?« bezieht sich auf die Mediennutzung der Menschen aus Ostdeutschland, die einen sehr offenen Umgang mit den Medien pflegen im Gegensatz zu den Menschen aus Westdeutschland. Ich nehme an, dass das nicht so ohne Weiteres beweisbar ist, da es kaum Studien darüber gibt. Deshalb halte ich die vorhin erwähnte Hauptthese für sehr vage.

Es folgt nun eine Gegenüberstellung zwischen Einstellungen der Menschen aus Ostdeutschen vor und nach der Wiedervereinigung und dabei ist den Autoren aufgefallen, dass die Systemgegner die Wiedervereinigung Deutschlands kritischer ansahen als die Systembefürworter. Die hervorgehobenen Daten betonen diesen Fakt und verleihen ihm meiner Ansicht nach einen höheren Wahrheitsgehalt.

Im nächsten Abschnitt kritisiert die Autorin Jutta Strittmatter, dass andere Frauen ihre ostdeutsche Identität verleugnen. Sie findet diese Einstellung falsch. Auch hier sehe ich wieder das gleiche Problem wie in einem vorangegangenen Text, dass man der Autorin nicht nachempfinden kann, wie sie die Wiedervereinigung und das Verhalten ihrer Mitmenschen aus Ostdeutschland beurteilt.

Die deutsche Einheit erfolgte nach Rolf Reißig, dadurch dass sich die Bundesrepublik Deutschland eine neue Regierungsform gab mit der Angliederung an das Grundgesetz. Ich finde es gut, dass der Autor in diesem Fall kritisch anmerkt, dass die Menschen aus dem Osten sich verändern sollten und die Menschen aus dem Westen nicht. Die Einen strebten nach Wiederaufbau und Erneuerung, während die Anderen alles so lassen wollten, wie es war und darin sieht der Autor korrekterweise den Ursprung für die nach wie vor bestehenden Konflikte zwischen Menschen aus Ost- und Westdeutschland.

Die folgenden Texte beziehen sich alle auf Statistiken zum Konsumverhalten der Menschen aus Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung, wobei sich ganz unterschiedliche Dinge ergeben, die einem selbst entweder direkt bewusst sind oder eben überraschend auf mich als Leserin wirken.

Abschließend möchte ich zu diesem Buch sagen, dass es sehr informativ ist und verschiedene Perspektiven nach der Wiedervereinigung Deutschlands aufzeigt. Mir fehlte allerdings eine Einschätzung eines Menschen aus Westdeutschland vor und nach der Wiedervereinigung.

 

Anna Kaupp über Brähler, Elmar; Mohr, Irina (Hg.), 20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit (Psychososzsial Verlag)

Rezension zu »20 Jahre deutsche Einheit - Facetten einer geteilten Wirklichkeit«

Anna Kaupp

In diesem Buch geht es darum Bilanz zu ziehen darüber, wo wir 20 Jahre nach der Wiedervereinigung stehen. Offiziell ist die Vereinigung vollzogen, jedoch gibt es immer noch große Unterschiede zwischen Ost und West. In diesem Buch wird die Frage gestellt, welche Debatten noch zu führen sind und ob wir den eingeschlagenen Weg getrennt oder gemeinsam gehen.
Am Anfang ging die Vereinigung mit Euphorie vonstatten, alles würde sich angleichen, stabilisieren und es würden sich Firmen im Osten niederlassen und damit die geschlossenen Fabrikgebäude neu zum Leben erwecken. Es wurde jedoch schnell klar, dass es nicht so sein würde und der Osten finanziell unterstützt werden muss.
In diesem Buch schreiben viele Autoren jeweils einen Teil des Buches in unterschiedlicher Länge. Diese widmen sich unterschiedlichsten Themen zum Oberbegriff der Wiedervereinigung. Es wird behandelt, was es bedeutet, wenn die Wiedervereinigung quasi volljährig geworden ist, wie viel Osten die Autorin als »Ostlerin« noch in sich hat und wie sie die Wiedervereinigung erlebt hat, welches die sieben Wunder der Vereinigung sind, darunter sich bei den Wahlen in der DDR nicht mehr für dumm verkaufen zu lassen und ob ein Kulturschock verantwortlich ist für die anhaltenden »Befindlichkeiten« zwischen Ost- und Westdeutschland.
Weitere Themen sind Eigentumstransformationen im Prozess der friedlichen Revolution und der deutschen Vereinigung, die Mauer, das Ende des kalten Krieges und damit verbunden die Utopie einen Status quo zu haben, der soziale Wandel und die intrafamiliale Individuation in ostdeutschen Familien und was sich in den letzten 20 Jahren in der Familiengründung verändert hat. Aufgrund der Vielzahl der Themen, kann ich hier nicht alle aufführen. Die folgende Aufzählung ist daher als Auszug zu betrachten. Es folgen einige Themen, die den Osten und Westen in bestimmten Bereichen direkt gegenüberstellen. Dabei wird die Mediennutzung im Osten betrachtet, die verschiedenen geschichtlichen Erfahrungen, Neid und soziale Gerechtigkeit - der Osten und Westen im Vergleich, Unterschiede in der psychischen Gesundheit und die Entwicklungen seit der Wiedervereinigung in Bezug auf Tabakkonsum, sportliche Aktivitäten und Adipositas. Auch den Erinnerungen, Wahrnehmungen und Bewertungen der deutschen Einheit wird Raum geschaffen. Ebenso wird ein Blick in die Zukunft geworfen: welche Aufgaben könnte es für die neue Generation im Osten geben und wie kann die deutsche Einheit neu- und weitergedacht werden.
Im Buch sind außerdem viele Tabellen und Schaubilder enthalten, um bestimmte Themen wie die Binnenmigration zu veranschaulichen. Manche Kapitel haben am Ende eine Zusammenfassung oder eine Diskussion zu diesem Thema und bei den meisten ist ebenfalls am Ende eine Literaturliste zu diesem speziellen Aspekt der Wiedervereinigung.
Mir hat die Vielfalt der Themen sehr gut gefallen. Es werden die unterschiedlichsten Bereiche behandelt, die mit Ost- und Westdeutschland und der Vereinigung zu tun haben. Ich hätte gerne mehr darüber gelesen, was sich in Zukunft verändern oder machen lässt, um die Unterschiede nicht mehr so groß sein zu lassen. Das wurde behandelt, aber mir war es in diesem Aspekt etwas zu wenig. Ansonsten war ich sehr beeindruckt von der breit gefächerten Themenauswahl.

Fazit: Das Buch ist eine gute Zusammenstellung von verschiedenen Artikeln zum Thema Wiedervereinigung. Es werden alle wichtigen Bereiche abgedeckt und verständlich beschrieben. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen und lassen sich so getrennt voneinander lesen, was es möglich macht, sich die, für einen selbst, interessanten Themen auszusuchen.

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