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Schuldbewusstsein und reale Schuld (Psychosozial-Verlag)

Schuldbewusstsein und reale Schuld (Psychosozial-Verlag)

Schuldbewusstsein und reale Schuld (Psychosozial-Verlag)

Der Band führt interdisziplinär in ein Thema ein, das vielen Praktikern in Pädagogik und Therapie, aber auch Jugendgerichtsbarkeit oder Seelsorge auf den Nägeln brennt. Beim Umgang mit jugendlichen Gewalttätern, die lebensgeschichtlich zugleich Opfer sind, aber weder als solche behandelt werden können noch wollen, stellen sich Fragen, die die Grenzen herkömmlicher therapeutischer und pädagogischer Zugänge sprengen...

  • Körner, Jürgen; Müller, Burkhard (Hg.),
  • Schuldbewusstsein und reale Schuld
  • Buchreihe: Psychoanalytische Pädagogik
  • 283 Seiten, Broschiert, Format: 148 x 210 mm
  • Erschienen im März 2010
  • ISBN-13: 9783837920307

Der Band führt interdisziplinär in ein Thema ein, das vielen Praktikern in Pädagogik und Therapie, aber auch Jugendgerichtsbarkeit oder Seelsorge auf den Nägeln brennt. Beim Umgang mit jugendlichen Gewalttätern, die lebensgeschichtlich zugleich Opfer sind, aber weder als solche behandelt werden können noch wollen, stellen sich Fragen wie: Welchen Umgang mit Schuld erwarten wir von ihnen? Was könnte unsere Aufgabe bei der »Verarbeitung« von Schuld sein? Dies sprengt die Grenzen herkömmlicher therapeutischer und pädagogischer Zugänge.

Die Beiträge zeigen, warum der Umgang mit Schuld und nicht nur mit Schuldbewusstsein zu einem unvermeidlichen Thema der Psychoanalyse und vor allem der Psychoanalytischen Pädagogik geworden ist. Sie bieten Strategien für einen produktiven Umgang und zeigen auch, warum die Pädagogik bei diesen Fragen über den eigenen Tellerrand blicken und die Auseinandersetzung mit Juristen, Therapeuten, Theologen und dem politischen Zeitgeschehen führen muss.

Mit Beiträgen von Michael Bongardt, Micha Brumlik, Michael B. Buchholz, Rebecca Friedmann, Manfred Gerspach, Ludwig Haesler, Mathias Hirsch, Jürgen Körner, Franziska Lamott, Kathrin Mörtl, Burkhard Müller, Barbara Rendtorff, Achim Schröder, Philipp Walkenhorst und Silke Wolter

 

Susanne Roth über Jürgen Körner/Burkhard Müller (Hg), Schuldbewusststein und reale Schuld (Psychosozial-Verlag)

Jürgen Körner/Burkhard Müller (Hg) (2010): Schuldbewusststein und reale Schuld
Rezension von Susanne Roth für uni-online

Das 283 Seiten umfassende Buch gliedert sich in vier Teile und Vorwort, Einleitung und eine kurze Vorstellung der Autoren auf.

Die ersten Seiten des Buches bestehen aus einem Vorwort und einer kurzen Einleitung. Im weiteren Verlauf gliedert sich das Buch in vier Teile:
Erstens: »Der psychoanalytische Blick auf das Verhältnis von Schuld und Schuldgefühlen«
Zweitens: »Pädagogische Arbeit mit Schuldig-Gewordenen«
Drittens: »Entwicklungschancen im Kontext pädagogischer Institutionen«
Viertens: »Gesellschaftliche Perspektiven«

Zum Abschluss findet man eine kurze Vorstellung der Autoren.
Die Einleitung wird von Jürgen Körner und Burkhard Müller dazu verwendet, einen »roten Faden« auszulegen. In ihr wird eine Zusammenfassung über die Inhalte des Buches gegeben. Da in diesem Buch Beiträge verschiedener Sachverständiger zu finden sind, wird auch in einem kurzen Abschnitt auf sie eingegangen und man findet eine Literaturzusammenfassung.
Im ersten Teil des Buches (»Der psychoanalytische Blick auf das Verhältnis von Schuld und Schuldgefühlen«) findet man je einen Beitrag von Mathias Hirsch und Ludwig Häsler. Mathias Hirsch geht in seinem Beitrag (»Schuld und Schuldgefühle aus psychoanalytischer Sicht«) darauf ein was Schuldgefühle eigentlich sind, Ludwig Häsler (»Von der Angst vor Vernichtung, Rache und Vergeltung zum Gewissen«) macht dies ebenso. Ich persönlich fand den Beitrag von Herrn Häsler wesentlich interessanter und auch leichter zu verstehen.
Im zweiten Teil («Pädagogische Arbeit mit Schuldig-Gewordenen«) befinden sich vier Unterkapitel. Rebecca Friedmann und Silke Wolter (»Chancen und Grenzen der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen, die schuldig geworden sind«) eröffnen dieses Kapitel mit der Vorstellung des DENKZEIT-Trainings und einem Fallbeispiel (»Markus«). Durch dieses Beispiel, welches sich durch den ganzen Beitrag zieht, wird es lebendig und aus meiner Sicht sehr interessant. Jürgen Körner (»Was erwarten wir in der Arbeit mit Menschen, die schuldig geworden sind?«) betrachtet den Fall »Markus« (Beitrag vorher) aus einer anderen Perspektive und analysiert diesen. Burkhard Müller (»Was erwarten wir in der Arbeit mit Menschen, die schuldig geworden sind?«) betrachtet ebenfalls den Fall »Markus« aus sozialpädagogischer Perspektive. Damit wurden aus dem Fall »Markus« mehrere Kapitel mit insgesamt 56 Seiten gemacht. Der nächste Beitrag von Michael B. Buchholz, Franziska Lamott und Kathrin Mörtl (»Reale Schuld - die Rolle des impliziten Wissens in der therapeutischen Auseinandersetzung«) beschreibt Erkenntnisse aus einer Untersuchung mit 16 inhaftierten Sexualstraftätern. Dieser Beitrag wird durch Dialoge aus der Praxis »aufgelockert« und macht ihn dadurch interessanter. Dieses Kapitel fand ich auch am interessantesten und am besten geschrieben.

Das dritte Kapitel (»Entwicklungschancen im Kontext pädagogischer Institutionen«) beginnt mit einem Beitrag von Achim Schröder (»Adoleszenz und Schuldgefühle«). Herr Schröder versteht es meiner Meinung nach, die Leser an die Probleme mit Jugendlichen heranzuführen. Der zweite Beitrag dieses Kapitels stammt von Manfred Gerspach (»Schuld, Schuldgefühle und Ritalin«) und zeigt unter anderem mit Fallbeispielen die Probleme mit beziehungsweise von Kindern auf. Frau Barbara Rendtorff schreibt im dritten Beitrag dieses Buchteiles (»Das bist du deinen Eltern schuldig!«) über Probleme innerhalb von Familien.
Der vierte und damit letzte Teil dieses Buches (»Gesellschaftliche Perspektiven«) wird von Michael Brongardt (»Jenseits von Angst und Strafe«) eröffnet. Der zweite Beitrag wurde von Philipp Walkenhorst »(Schuld - Verantwortung - Jugendgefängnis«) verfasst und der letzte von Micha Brumlik (»Die Schuld der Väter«).
Im Anschluss an diese vier Teile kommt noch eine kurze Vorstellung der Autorinnen und Autoren.

Alles in allem finde ich das Buch nicht schlecht, muss aber gestehen, dass ich persönlich dieses Buch nicht kaufen würde. Je nach Autor beziehungsweise Autorin ist es sehr gut und informativ geschrieben. Es sind aber auch Beiträge vorhanden, auf die ich persönlich gut und gerne hätte verzichten können. Durch einige Fallbeispiele wird das Buch lebendig gehalten und man schweift nicht so leicht mit den Gedanken ab wie bei einem reinen Fachbuch.
Die meisten Beiträge sind vom Schreibstil her auch für Laien sehr gut verständlich.

 

Sarah Lehnert über Körner,Jürgen/Müller,Burkhard: Schuldbewusstsein und reale Schuld (Psychosozial-Verlag)

Sarah Lehnert
Körner,Jürgen/Müller,Burkhard: Schuldbewusstsein und reale Schuld


Das Buch »Schuldbewusstsein und reale Schuld« von Jürgen Körner und Burkhard Müller ist 2010 im Psychosozial-Verlag erschienen. Dr. disc. pol., Dr. phil. habil. Jürgen Körner ist Diplom-Psychologe, Psychoanalytiker (DPG, IPA), Mitbegründer der »International Psychoanalytic University Berlin« und ihr erster Präsident. Er war bis 2009 Professor für Sozialpädagogik an der Freien Universität Berlin. Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Psychoanalytische Methoden, die Psychoanalytische Pädagogik, jugendliche Delinquenz und die Mensch-Tier-Beziehung. Dr. theol. habil. Burkhard Müller ist Professor für Sozialpädagogik i.R. an der Stiftung Universität Hildesheim. Die Kernpunkte seiner Arbeit sind die Psychoanalytische Pädagogik, die Jugendhilfe und Jugendarbeit, Interkulturelle Pädagogik und Sozialpädagogische Professionalität.
Das Inhaltsverzeichnis ist sehr übersichtlich, denn es ist in vier Kapitel unterteilt und dann jeweils noch einmal in Teilkapitel. Die vier Kapitel sind die folgenden:
1. Der psychoanalytische Blick auf das Verhältnis von Schuld und Schuldgefühlen
2. Pädagogische Arbeit mit Schuldig-Gewordenen
3. Entwicklungschancen im Kontext pädagogischer Institutionen
4. Gesellschaftliche Perspektiven
Man kann auch gleich sehen, wer zu jedem Teilgebiet den Beitrag geleistet hat. Neben den Beiträgen der Herausgeber Jürgen Körner und Burkhard Müller sind Beiträge von Michael Bongardt, Micha Brumlik, Michael B. Buchholz, Rebecca Friedmann, Manfred Gerspach, Ludwig Haesler, Mathias Hirsch, Jürgen Körner, Franziska Lamott, Kathrin Mörtl, Burkhard Müller, Barbara Rendtorff, Achim Schröder, Philipp Walkenhorst und Silke Wolter enthalten. An das Inhaltsverzeichnis schließt das Vorwort der beiden Autoren an. Hieran wird deutlich, was der Ausgangspunkt für dieses Buch war und es notwendig ist, dass ein Buch über dieses Thema erscheint. Es ist nämlich grundlegend, da noch viele Fragen offen sind in Bezug auf Schuld und weder die Theologie, die Juristik, noch die politische und historische Reflexion hat eine Antwort darauf. In der Tagung der Kommission Psychoanalytischer Pädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft Ende 2008 wurden viele Fragen diskutiert, welche den Ausgangspunkt für dieses Buch bildeten. Die auf das Vorwort anschließende Einleitung gibt einen guten Überblick, welchen roten Faden das Buch verfolgt und reißt die Themen des Buches kurz an. Am Ende der Einleitung, wie auch bei den einzelnen Kapiteln, findet man die verwendete Literatur.
Am Ende des Buches findet man kurze Angaben über die Autoren, die in diesem Buch Beiträge geleistet haben und Kontaktmöglichkeiten zu ihnen. Das finde ich besonders gut, da man die Möglichkeit hat Nachzufragen oder mit den Autoren zu diskutieren.

In den einzelnen Beiträgen sind viele persönliche Berichte aus der Praxis enthalten, was vieles lebendiger und verständlicher macht. Zudem werden die Theorien dadurch bekräftigt und man kann es besser nachvollziehen. Manche Autoren fassen ihre Beiträge zusammen oder geben eine Schlussbemerkung ab. So hat man das Wesentliche noch einmal kurz und knapp zusammengefasst. Ich empfinde das Buch ein wenig farblos und ich denke, dass mehr Graphiken oder Darstellungen vorhanden sein könnten. Diese verdeutlichen im Allgemeinen einen Sachverhalt oft näher und manchmal sogar besser.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch deutlich macht warum das Thema Schuld und nicht bloß mit Schuldbewusstsein unabwendbar für die Psychoanalyse und für die Psychoanalytische Pädagogik ist. Man lernt Techniken für eine effektive Auseinandersetzung mit dem Thema und für die Praxis kennen. Es ist für Studenten ebenso brauchbar wie für diejenigen, die schon in der Praxis tätig sind oder sich privat mit dem Thema auseinandersetzen.

Juliane Jelinski über Jürgen Körner/Burkhard Müller, Schuldbewusstsein und reale Schuld (Psychosozial Verlag)

Rezension des Buches „Schuldbewusstsein und reale Schuld“ von Jürgen Körner und Burkhard Müller


Das Buch »Schuldbewusstsein und reale Schuld« von Jürgen Körner und Burkhard Müller stellt eine Zusammenstellung verschiedener vor allem psychoanalytisch geprägte Beiträge zu dem Themenkomplex Schuldgefühl, Schuld und der Umgang mit diesen bei den (scheinbar) Schuldigen selbst – besonders bezogen auf Kinder und Jugendlichen – aber auch bei Pädagogen/Innen und Psychotherapeuten/Innen dar.
Die Autoren haben eine Aufteilung in vier Kapiteln vorgenommen: In Kapitel 1 wird aus psychoanalytischer Sicht das Verhältnis von Schuld und Schuldgefühlen theoretisch dargestellt. Bei dem 2. Kapitel handelt es sich um einen praxisnahen Anteil, der sowohl die pädagogische Arbeit mit einem jungen Straftäter im DENKZEIT-Training beschreibt als auch die therapeutische Arbeit mit Sexualstraftäter. Im 3. Kapitel werden die Entwicklungschancen im Kontext mit pädagogischen Institutionen bzgl. Schuldhaftigkeit besprochen. Das letzte Kapitel setzt sich mit gesellschaftlichen Themen bzgl. Schuld und Schuldgefühl auseinander, wie bspw. der theologische und der philosophische Bezug dessen.

Besonders empfehlenswert ist meiner Meinung nach der Text »Schuld und Schuldgefühl aus psychoanalytischer Sicht« von Mathias Hirsch. Das Schuldgefühl wird seinerseits eingeteilt in einzelne Kategorien: Basisschuldgefühl, Schuldgefühl aus Vitalität, das Überlebenden-Schuldgefühl, Trennungsschuldgefühl und das traumatische Schuldgefühl. Das letzte, wie ich finde, ist besonders hervorzuheben. Bei diesem sogenannten traumatischen Schuldgefühl handelt es sich um das objektiv ungerechtfertigte Schuldgefühl des Opfers einer traumatischen Erfahrung – wie bspw. Betroffene sexuellen Missbrauchs. Durch ein »Täterintrojekt«, saugt der/die Betroffene die Schuld, die dem Täter gehören sollte, auf. Diesen hohen Preis zahlt der/die Betroffene jedoch nur um nicht noch einen höheren Preis zu zahlen: Und zwar wenn es sich beim Täter um eine wichtige Bezugsperson handelt, wird durch diese Annehmen der Schuld das Liebesobjekt als gutes Liebesobjekt erhalten. Ganz in dem Sinne: Lieber hasse ich mich und gebe mir die Schuld, als zu riskieren, dass ich eine geliebte Person verliere. Auch weist Hirsch darauf hin, dass das Fühlen von Schuld zudem impliziert, dass man sich in der traumatischen Situation nicht hilflos gefühlt hat, sodass man etwas hätte ändern können. Die Kontrolle lag bei einem selbst.

In einem weiteren Beitrag »Chancen und Grenzen der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen, die schuldig geworden sind« von Rebecca Friedmann und Silke Wolter wird anhand eines realen Fallbeispiels des jungen Erwachsenen Markus, der sich aufgrund starker Körperverletzung an einem Menschen schuldig gemacht hat, das DENKZEIT-Training verständlich dargestellt. Durch diesen Beitrag kann man die Schwierigkeiten bei der Arbeit mit jugendlichen Straftätern sehr gut nachvollziehen. Man versteht Hintergründe und Ursachenzusammenhänge. Dieser Text ist sehr lebensnah, sehr gut nachvollziehbar und was mir sehr gefällt auch selbstkritisch geschrieben. Zudem bietet er einen ersten guten Einblick in das genannte Programm.
In den darauf folgenden Beiträgen des Buches werden aus psychoanalytischer Sicht nach weiterführenden Verstehensmöglichkeiten der Entstehungsbedingungen eines Falles wie bei Markus diskutiert. Ebenfalls werden erste mögliche Lösungsansätze betrachtet.

Die Untersuchung aus dem zweiten Kapitel »Reale Schuld – die Rolle des impliziten Wissens in der therapeutischen Auseinandersetzung. Aus einer Untersuchung an Sexualstraftätern« von Michael B. Bruchholz, Franziska Lamott und Kathrin Mörtl hat mich besonders schockiert und angeekelt. Anhand von realen Auszügen aus therapeutischen Gruppengesprächen mit den Sexualstraftätern wird eindrucksvoll dargestellt, dass diese Täter bei sich keine Schuld sehen und dies sich nicht nur einreden, sondern auch gefühlsmäßig davon überzeugt sind, dass die Schuld entweder das Opfer, die Umwelt oder die Umstände tragen, aber niemals sie selber. Es wird gezeigt, dass diese Menschen psychisch nicht weiterleben könnten, wenn sie sich solch eine Schwere von Schuld eingestehen müssten. Es wird die Frage diskutiert, ob diese Menschen in der Lage sind Schuldgefühl zu empfinden.

In dem Beitrag »Schuld, Schuldgefühle und Ritalin« von Manfred Gerspach zeigt der Autor den möglichen Zusammenhang von der Diagnose ADHS und verdrängten Schuldgefühlen auf. Sein Ansatz besteht darin, dass man anstatt der Beseitigung des Symptoms, den Sinn des Symptoms verstehen sollte. Es wird in Frage gestellt, ob die Ursache der sogenannten Diagnose ADHS wirklich eine hirnphysiologische ist. Die Vergabe von Psychopharmaka wie das bekannte Ritalin entlastet sowohl die betroffene Kinder, deren Eltern und die gesamte Umwelt, da die pharmakologische Behandlung zeigt, dass die Verantwortung nicht beim Kind, den Eltern oder dem Umfeld zu suchen ist.
Auch in diesem Beitrag wird anhand eines Fallbeispiels gezeigt, welche mögliche Entstehungsbedingungen vorhanden sein können und dass ein gutes verlässliches Objekt das beste Medikament darstellt.

Man benötigt als Leser Vorkenntnisse bzgl. psychoanalytischer Grundbegriffe, um das Buch in seiner Ganzheit zu verstehen. An manchen Stellen reichten meine Kenntnisse nicht aus, um zu folgen zu können.
Das Thema Schuldbewusstsein und reale Schuld wird von vielen Seiten beleuchtet. Dieses Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

 

Eugenia Lazaridis über Körner, Jürgen/Müller, Burkhard, Schuldbewusstsein und reale Schuld. (Psychosozial-Verlag)

Körner, Jürgen und Müller, Burkhard. (2010). Schuldbewusstsein und reale Schuld. Gießen: Psychosozial-Verlag

Eugenia Lazaridis

In »Schuldbewusstsein und reale Schuld« betrachten Jürgen Körner und Burkhard Müller den Umgang mit Schuld, der auch für die Psychoanalyse unausweichlich ist. Da das Thema Schuld und der Umgang mit dieser zukünftig eben nicht nur in der Psychoanalyse von herausragender Bedeutung sein wird, wird eine interdisziplinäre Herangehensweise von herausragender Bedeutung sein.

Das Buch gliedert sich in vier Kapitel auf 280 Seiten, die einen Überblick vom psychoanalytischen Blick auf das Verhältnis von Schuld und Schuldgefühlen über die pädagogische Arbeit mit Schuldig-Gewordenen zu den Entwicklungschancen im Kontext pädagogischer Institutionen bis hin zu den gesellschaftliche Perspektiven geben.
Den einleitenden Worten der Herausgeber über Schuld und Schuldbewusstsein folgt Mathias Hirsch im ersten Kapitel und versucht die Schuldgefühle zu systematisieren, indem er einen Überblick über diese gibt. Er erklärt kurz die Basisschuldgefühle mit der zentralen Stellung des Ödipus-Komplex, dem Schuldgefühl aus Vitalität, das unabhängig vom Ödipuskomplex ist, sowie dem Überlebenden-Schuldgefühl bedingt durch das Überleben eines traumatischen Ereignisses und dem Trennungs-Schuldgefühl, das durch Autonomiestrebungen hervorgerufen werden kann. Hierbei kann beispielsweise das Ich durch Verluste und Trauerarbeit wieder frei für Objektbeziehungen werden. All diese Schuldgefühle finden in Zitaten und Literaturverweisen Bestätigung.
Ludwig Haesler versucht den Übergang von der realen Schuld als selbst erlebte Schuld, zum Schuldgefühl, Schuldbewusstsein, zum Gewissen und dem Verantwortungsgefühl aufzuzeigen, bei denen er die immer einmaligen intrapsychischen dynamischen Bedingungen des Schulderlebens betont und somit nicht von ein und derselben Schuld oder dem ein und demselben Schuldgefühl spricht, sondern immer die personenabhängig erlebte Schuld hervorhebt.

Im zweiten Kapitel, der pädagogischen Arbeit mit schuldig gewordenen Jugendlichen, wird zu Beginn kurz das ›DENKZEIT-Training‹ von Körner vorgestellt, das auf die Reduktion der Straffälligkeit abzielt und im Weiteren die Arbeit mit einem der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochenen jungen Erwachsenen, der dieses Training durchführt, anhand theoretischer Darstellungen und Auszügen aus dem Training und der Lebensgeschichte des Täters erzählt. Die Darstellung zeigt teilweise recht eindrucksvoll die pädagogischen Grenzen und die Unterschiedlichkeit der Schuldverarbeitung und die Annahme ihrer Schuld auf.
Jürgen Körner geht in dem Kapitel auf die klinische Psychoanalyse ein und versucht in dem Fall des im ›DENKZEIT-Training‹ vorgestellten Jugendlichen, auf dessen Innenwelt zu blicken und diese zu erklären.
Burkhard Müller stellt in diesem Fall die sozialpädagogische Perspektive in den Vordergrund und verweist auf die Tatsache, dass die reale Schuld nicht Gegenstand der Psychoanalyse ist, sondern die Verarbeitung der seelischen Folgen im Schulbewusstsein. In der Arbeit mit realer Schuld scheint der Begriff des impliziten Wissens von großer Bedeutung zu sein. Anhand des Beispiels von Sexualstraftätern wird hier von einem genauen Wissen dieser für die Handlungen, die sie an ihren Opfern begingen, geschildert. Auszüge aus Therapietranskripten versuchen dies zu belegen.

Im dritten Kapitel zu den Entwicklungschancen im Kontext pädagogischer Institutionen referiert Achim Schröder in ›Adoleszenz und Schuldgefühle‹ über die Liebe, Ablösung und Gewalt in dieser Entwicklungsphase des körperlichen und seelischen Umbruchs. Er beschreibt, Bezug nehmend auf Freud, die Adoleszenz als zweite Möglichkeit der Ablösung von den Eltern. Hier finden sich die Trennungsschuldgefühle wider, sowie ein Wiedererleben von Lust, Begierde und Aggression den Eltern gegenüber, die schon einmal in der Kindheit erlebt wurden. Straffällig gewordene Jugendliche wehren Schuldgefühle ab und vermeiden sie um sie unbewusst zu machen.
Manfred Gerspach nimmt sich in ›Schuld, Schuldgefühle und Ritalin‹ der sehr kritischen Diskussion um Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung und der Gabe von Methylphenidat an und verweist auf den Zwiespalt von Eltern und Kindern, sich zum einen mit einem Aggressor zu identifizieren und die Schuld anzunehmen und sich zum anderen von dem Schuldgefühl durch das Medikament zu befreien. Gleiches gilt für die Lehrer dieser Kinder.
Barbara Rendtorff thematisiert in ›Das bist du deinen Eltern schuldig‹ die Eltern-Kind-Beziehung, beginnend mit der Abhängigkeit der Kinder von den Eltern über die Unabhängigkeit und die spätere Abhängigkeit der Eltern von ihren Kindern.

Abschließend wird im vierten Kapitel zu den gesellschaftlichen Perspektiven darauf hingewiesen, dass dort, wo Menschen schuldig geworden sind, auch mit dieser umgegangen werden muss und zwar von allen, auch entfernt, Beteiligten. Sanktion, Verantwortung und Strafe sollen dem Lernen dienen und eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft ermöglichen.


Das Buch zeigt eine weit gefächerte Betrachtung von Schuld und Schulgefühlen, Schuldbewusstsein und realer Schuld aus verschiedenen Perspektiven. Kenntnisse in der Psychoanalyse sind über das gesamte Buch hinweg hilfreich, daher sind einige Passagen für Laien nicht so verständlich, allerdings gilt dies nur für einige Kapitel. Die Überleitung der Kapitel ist überwiegend gut gelungen und lässt einen roten Faden erkennen, der gerade bei psychoanalytisch nicht so Bewanderten sehr positiv erscheint und dem Lesefluss förderlich ist. Die einzelnen Beiträge sind größtenteils recht präzise und schweifen selten von ihren Kerninhalten ab. Dies lässt eine kompakte Auseinandersetzung mit der Materie zu, die bei tiefergehendem Interesse natürlich weiterer Bearbeitung verlangt, was durch die reichlichen Literaturverweise sehr hilfreich erscheint. Des Weiteren veranschaulicht die doch recht ausführliche Darstellung aus der Praxis in der Arbeit mit dem Jugendlichen in dem DENKZEIT-Training gut die Schwierigkeit von Schuldbewusstsein und realer Schuld und weist auf die Problematik, nicht nur im therapeutischen Kontext hin. Schließlich ist immer nur eine Sicht von außen auf die Schuldigen möglich. Eine andere Sichtweise auf die hochaktuelle ADHS-Problematik lässt das entsprechende Kapitel zu, und zeigt ebenfalls, dass die Gabe von Medikamenten auch psychoanalytisch nicht begründet werden kann. Sehr wichtig wird die weitergehende Auseinandersetzung von Schuld und Schuldbewusstsein in der Gesellschaft, da mit dem derzeitigen Wissen ein veränderter Umgang, sowohl für die Täter als auch für die Gesellschaft, möglich sein kann, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war.

Insgesamt lassen die Beiträge eine gute Auseinandersetzung mit der Thematik um Schuld und Schuldbewusstsein zu, mit dem Schwerpunkt der psychoanalytischen Herangehensweise. Im Hinblick darauf ist das Buch sehr zu empfehlen. Wenn keinerlei Berührungspunkte mit der Psychoanalyse bestehen, ist eher auf andere Literatur zurückzugreifen.

 

Hasan Kutay über Jürgen Körner, Burkhard Müller (Hg.): Schuldbewusstsein und reale Schuld (Psychosozial-Verlag)

Rezensent: Hasan Kutay
Jürgen Körner, Burkhard Müller (Hg.): Schuldbewusstsein und reale Schuld

Das Buch »Schuldbewusstsein und reale Schuld« wurde von Jürgen Körner und Burkhardt Müller geschrieben und ist im Psychosozial-Verlag erschienen. Jürgen Körner war bis 2009 Professor für Sozialpädagogik an der FU Berlin und er ist Psychoanalytiker. Burkhardt Müller ist Professor für Sozialpädagogik i.R. an der Stiftung Universität Hildesheim. Das Buch bietet eine sehr aktuelle Einführung in die Thematik, die für viele Felder Sozialer Arbeit – so zum Beispiel in die Pädagogik, Therapie oder auch Seelsorge – relevant ist.
In ihm gibt es viele Beträge und Berichte, die sich mit den Fragen beschäftigen: Welchen Umgang mit Schuld erwarten wir? Was könnte unsere Aufgabe bei der »Verarbeitung« von Schuld sein? All diese Beiträge bieten Wege und Lösungen für einen Umgang an. Dabei ist es wichtig über die Pädagogik hinaus in andere Teilbereiche hineinzublicken, wie zum Beispiel Bereiche der Justiz, die Therapie oder auch die Theologie.
In dem Buch finden sich unter anderem Beiträge von Michael Bongardt, Rebecca Friedmann, Manfred Gerspach, Jürgen Körner, Jürgen Körner, Kathrin Mörtl, Philipp Walkenhorst und Silke Wolter.
Die Aufmachung des Buches ist sehr gut. Es beginnt mit einem vielversprechenden Inhaltsverzeichnis mit folgenden Schwerpunkten:

  1. Der psychoanalytische Blick auf das Verhältnis von Schuld und Schuldgefühlen
  2. Pädagogische Arbeit mit Schuldig-Gewordenen
  3. Entwicklungschancen im Kontext pädagogischer Institutionen
  4. Gesellschaftliche Perspektiven

Am Ende findet sich ein Autorenverzeichnis, in dem jeder Autor kurz vorgestellt wird. Dieses ist sehr nützlich. Die Texte sind verständlich geschrieben und beinhalten Erklärungen. Das Layout macht sie außerdem übersichtlich.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich im Zuge seines Studium (oder seiner Ausbildung bzw. aus Interesse in der Freizeit) im Bereich der Sozialen Arbeit mit diesem Thema beschäftigen will. Durch die Beispiele scheint eine Verbundenheit mit der Praxis sichergestellt zu sein.

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