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AUSGEZEICHNET! Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden, gelesen von Harry Rowohlt
Hörbuch des Monats März 2003, ausgezeichnet vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Eberhard-Karls-Universität Tübingen |
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Kenneth Grahame:
Der Wind in den Weiden, vorgelesen von Harry Rowohlt.
Kein & Aber Records, 6 CDs 2002.
 Wie die schönsten Kinderbücher, wie Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" oder Carlo Collodis "Pinocchio", Wilhelm Buschs "Max und Moritz" oder Saint-Exupérys "Kleiner Prinz", hat auch Kenneth Grahames "Der Wind in den Weiden" Leser aller Generationen begeistert. Obwohl bereits 1908 erschienen, wurden die Geschichten von dem Dachs und seinen Freunden: dem Maulwurf, der Wasserratte und dem Kröterich, freilich bislang in Deutschland nie so populär wie die anderen Kinderbuchklassiker. Das mag auch an den früheren Übersetzungen gelegen haben, denn erst 1976 hat Harry Rowohlt das Buch in einer endlich kongenialen Übertragung publiziert, die er jetzt auch im Hörbuch liest. Die vielleicht lange etwas befremdlichen Anspielungen auf zeitgenössische englische Verhältnisse, der konservative, antisozialistische Ton darin sind durch den historischen Abstand längst verblaßt. Ungestört entfalten sich die mal skurrilen, mal phantastischen Abenteuergeschichten der im Kinderbuch sonst wenig kursierenden Tierhelden.
Rowohlt tut das Seine hinzu, daß der Hörer schnell in die trotz aller heimischen Nähe höchst exotische Fluß- und Waldwelt eintaucht: er ist selber mittendrin, die Distanz zwischen Erzähler und Erzählung (manchmal im Hörbuch sehr groß, ohne daß sie der Text legitimierte) verflüchtigt sich beinahe. Dabei bleibt Rowohlts Erzählerstimme trotz aller tierisch-personalen Nuancierungen immer identifizierbar, löst sich nicht in die Vielstimmigkeit einer Art Quasi-Hörspiel auf, wie das bei vielen Schauspielerlesungen der Fall ist. Harry Rowohlt ist der Geist der Erzählung selber, beherrscht das Imperfekt ebenso virtuos wie das Präsens, wenn die Freunde zum Beispiel die Rückeroberung von Kröterichs Herrensitz proben und den Sieg anschließend bei einem Festessen feiern, das einem französischen Nobel-Restaurant Ehre gemacht hätte. Also ein kulinarisches Vergnügen auf allen Ebenen.
Jurymitglieder: Prof. Dr. Gert Ueding, Prof. Dr. Joachim Knape, Peter Weit, Boris Kositzke, Olaf Kramer
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Seminars für Allgemeine Rhetorik der Eberhard-Karls-Universität Tübingen Kontakt olaf.kramer@uni-tuebingen.de
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