Fernstudium Abitur: Abi online nachholen

Viele Menschen, die sich während ihrer Schulzeit bewusst gegen das Abitur entschieden haben, ärgern sich später über verpasste Chancen. Kommt im Laufe der Jahre der Wunsch auf, die eigenen Karriereaussichten mit einem Schulstudium zu verbessern, erweist sich die fehlende Hochschulreife oftmals als Hindernis. Mittlerweile gibt es jedoch verschiedene Möglichkeiten, das Abi nachzuholen, beispielsweise auf der Abendschule oder per Wochenendkurs. Wer beruflich oder familiär zu stark eingebunden ist, um zu festen Zeiten die Schulbank zu drücken, kann auf entsprechende Angebote von Fernschulen zurückgreifen, die das Abitur als Fernstudiengang anbieten. Dank der frei planbaren Lernzeiten können somit auch Bevölkerungs- und Berufsgruppen den höheren Bildungsabschluss erzielen, die aus zeitlichen Gründen bislang drauf verzichten mussten.

Berufsaussichten mit Abitur

Das Fernstudium zum Abitur ermöglicht den Teilnehmern und Teilnehmerinnen den Zugang zu allen erdenklichen Berufen und Tätigkeitsfeldern. Mit der Hochschulreife erfüllen sie die Voraussetzung für ein akademisches Studium, mit dem sich die Chancen auf einen verantwortungsvollen, gut bezahlten Job deutlich verbessern. In zahlreichen Ausbildungsberufen werden ebenfalls Abiturienten und Abiturientinnen bevorzugt, beispielsweise in Berufsausbildungen zum Polizisten/zur Polizistin, zum/zur Bank- oder Immobilienkaufmann/-kauffrau oder zum/zur Biologielaboranten/-laborantin.

Gehalt

Das Abitur per Fernkurs nachzuholen, ist meist nur der erste Schritt auf dem Weg zum beruflichen Erfolg. Wer danach noch studiert, kann sich anschließend in der Regel über ein deutlich höheres Einkommen freuen. Schließlich steht fortan der Weg in Führungspositionen und andere interessante Stellen offen, von denen vorher nicht mal zu träumen war. Studien zufolge verdienen Hochschulabsolventen und Hochschulabsolventinnen über ihr gesamtes Erwerbsleben hinweg etwa doppelt so viel wie Nicht-Akademiker.

Per Fernstudium zum Abitur – Vor- und Nachteile

Fernstudiengänge sind die zeitlich günstigste Alternative für Menschen, die das Abitur berufsbegleitend nachholen möchten. Da die Teilnehmer/innen ihre Lernzeit frei einteilen können, ist das Fernabitur gut mit Beruf und Familie vereinbar. Tagsüber arbeiten und abends studieren ist mit einem Fernstudium problemlos möglich.

Immer öfter stellen Bildungseinrichtungen den Lernstoff auch in digitaler Form zur Verfügung. Per Tablet oder Laptop sind die Unterlagen jederzeit und überall greifbar. Bei schönem Wetter am Schreibtisch zu hocken, gehört dank dieser Flexibilität der Vergangenheit an. Wer für den Arbeitsweg öffentliche Verkehrsmittel nutzt, kann selbst in Bus und Bahn über seinen Studienmaterialien brüten. Auch für junge Eltern bietet die Fernlehre Vorteile, da sie von zu Hause aus lernen können und somit keinen Babysitter brauchen.

Fernabiturienten und -abiturientinnen bestimmen ihr Lerntempo selbst. Sie müssen weder auf langsamere Mitschüler/innen warten, noch eilen ihnen diese davon. Mit welchem Fach sie sich wie lange beschäftigen, entscheiden sie allein. Dadurch können sie den Lernrhythmus voll und ganz ihren eigenen Fähigkeiten und Interessen anpassen.

Das bequeme, flexible Lernen von zu Hause aus birgt aber auch einige Gefahren. So fällt es vielen Erwachsenen schwer, sich nach der Arbeit oder am Wochenende immer wieder zur Beschäftigung mit dem Lernstoff zu motivieren und sich über längere Zeit darauf zu konzentrieren. Das Lehrpersonal ist nicht immer gleich ansprechbar, sodass es bei Fragen und Problemen zu Wartezeiten kommen kann.

Oftmals fehlt den Fernstudierenden auch der direkte Kontakt zu ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen. Viele Institute bieten allerdings mittlerweile einen Online-Campus mit Foren und Chats an, in dem die Schüler/innen sich austauschen, Lerngruppen bilden und sich gegenseitig weiterhelfen können.

Inhalte und Ablauf des Fernlehrgangs

Das Abitur online nachzuholen, dauert bei einem wöchentlichen Zeitaufwand von rund zehn bis fünfzehn Stunden circa drei Jahre. Das Studium beginnt üblicherweise mit einer zweisemestrigen Einstiegsphase, an die sich eine viersemestrige Kursphase anschließt. Schon nach zwei Semestern ist es bei vorliegenden guten Ergebnissen möglich, einen Antrag auf Anerkennung der Fachhochschulreife zu stellen.

Vermittelt werden unter anderem Mathematik, Deutsch, Englisch, Biologie, Französisch/Latein und Geschichte. Im späteren Verlauf kommen Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Informatik hinzu. Leistungskurse können die Studierenden individuell belegen. Welche zur Auswahl stehen, hängt von der jeweiligen Bildungseinrichtung ab. Sehr praxisorientierte Fächer wie Chemie oder Physik werden von den Fernschulen allerdings meist nicht angeboten.

Gelernt wird anhand von Studienheften, welche die Teilnehmer/innen schon wenige Tage nach ihrer Anmeldung zusammen mit einem Studienleitfaden und Hinweisen zum Studienablauf per Post direkt nach Hause erhalten. Die Lernmaterialien sind optimal auf die Anforderungen des Fernlernens abgestimmt und ermöglichen die zielgerichtete Vorbereitung auf die Abiturprüfung. Diese ist als Externenprüfung zu absolvieren, für die sich die Studierenden meist selbst anmelden müssen. In einigen Fällen übernimmt die Fernschule die erforderlichen Formalitäten.

Zugangsvoraussetzungen

Für das Abitur-Fernstudium gibt es verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, die sich nach der vorliegenden Ausgangsqualifikation richten. In der Regel müssen Interessenten und Interessentinnen den Hauptschulabschluss oder einen mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss, mittlere Reife, Fachoberschulreife) vorweisen können. Teilweise wird zusätzlich ein bestimmter Leistungsstand im letzten Schulabschluss gefordert, zum Beispiel Kenntnisse in speziellen Fächern oder „befriedigende Durchschnittsleistungen“.

Wer das Abitur per Fernkurs erwerben möchte, benötigt ein hohes Maß an Disziplin, Eigenmotivation und Ausdauer. Diese Form des Wissenserwerbs eignet sich nicht für Menschen, die allein schlecht lernen und Antrieb benötigen. Eine solide Allgemeinbildung ist für den Lernerfolg ebenso nützlich wie erste Fremdsprachenkenntnisse. Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die sich beispielsweise bereits ein wenig in englischer Sprache verständigen können, tun sich in Fächern wie Latein, Spanisch oder Französisch meist leichter.

Kosten eines Fernstudiums

Die monatlichen Aufwendungen für die Weiterbildung zum Abitur belaufen sich auf 130 bis 150 Euro. Weitere Kosten entstehen für freiwillige Seminare, während verpflichtende Präsenztermine meist schon im Preis enthalten sind. Anreise, Unterkunft und Verpflegung bei Seminaren und Prüfungen sind ebenfalls selbst zu zahlen.

Mögliche Abschlüsse

Die erfolgreiche Teilnahme am Fernlehrgang wird durch ein Abschlusszeugnis bestätigt. Nur mit diesem Zeugnis ist es überhaupt möglich, die staatliche Nichtschülerabiturprüfung abzulegen, auch Schulfremden- oder Externenabiturprüfung genannt. Für diese gibt es üblicherweise zwei Termine pro Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Im Allgemeinen empfehlen die Fernschulen, die Prüfung in dem Bundesland absolvieren, in dem sie ihren Sitz haben. Wer möchte, kann sich ihr aber auch im eigenen Wohnsitz-Bundesland zu unterziehen. Die Bestehensrate unter den Fernschülern liegt bei knapp 90 Prozent, wobei der erreichte Abiturschnitt etwas geringer ausfällt, als bei „normalen“ Schülern. Ansonsten ist das Fernabitur dem herkömmlichen Abitur vollkommen gleichgestellt.